ZUG: Die Stadtpolizei sagt Adieu

Vor elf Jahren wurde aus der Stadt- und der Kantonspolizei die Zuger Polizei. Die Zusammenlegung war ein Kampf. Einige bedauern sie bis heute.

Samantha Taylor
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Kommandant der Kantonspolizei Urs Hürlimann (vorne) und Hugo Halter, Kommandant der Stadtpolizei, haben gemeinsam die Strategie für die Zuger Polizei erarbeitet. (Archivbild Ana Cruz)

Kommandant der Kantonspolizei Urs Hürlimann (vorne) und Hugo Halter, Kommandant der Stadtpolizei, haben gemeinsam die Strategie für die Zuger Polizei erarbeitet. (Archivbild Ana Cruz)

Fusion, Zusammenlegung oder unfreundliche Übernahme: Welcher Begriff die Vereinigung der Kantons- und der Stadtpolizei zur heutigen Zuger Polizei am besten trifft, darüber scheiden sich bis heute die Geister. Über elf Jahre ist es inzwischen her, als Stadt- und Kantonspolizisten zum ersten Mal gemeinsam ihren Dienst antraten. Unter dem Motto: «Eine Zuger Polizei mit einer einheitlichen politischen und taktischen Führung». Dass es am 3. Januar 2002 schliesslich so weit war, hatte im Vorfeld zahlreiche Verhandlungen und Vermittlungsgeschick verlangt. Die ersten Pläne für die Zusammenlegung bestanden nämlich weitere elf Jahre zuvor, im Jahr 1991. Damals wurde Hanspeter Uster, der Vater dieser Fusion, in den Regierungsrat und damit zum Sicherheitsdirektor gewählt. «Es war zu jener Zeit schon ein Thema, das immer wieder diskutiert wurde», erinnert sich Uster. Sechs Jahre später machte der Sicherheitsdirektor Nägel mit Köpfen: Er brachte 1997 den ersten politischen Vorstoss zur Zusammenlegung der beiden Korps in den Kantonsrat – und scheiterte deutlich. «Heute ist mir klar, weshalb. Die Idee wurde meinerseits schlecht kommuniziert. Sogar mein Parteikollege Jo Lang sagte im Kantonsrat, dass ich meine eigentliche Stärke, die Kommunikation, völlig vernachlässigt habe», gesteht Uster heute ein.

Ähnliche Erinnerungen hat Hans Christen. Er hat sein Amt als Chef der Sicherheitsabteilung der Stadt Zug Anfang 1995 angetreten. «Ich wurde damals sehr bald mit den Übernahmegelüsten von Regierungsrat Hanspeter Uster und dem Kommandanten der damaligen Kantonspolizei Urs Hürlimann konfrontiert», sagt Christen. Damit sei ein fast sechsjähriger «Kampf» zwischen dem Kanton und der Stadt eröffnet worden. Der Stadtrat und er seien zu jener Zeit von einer eigenen Stadtpolizei überzeugt gewesen. «Ich hielt von Usters Idee nicht sehr viel – bis gar nichts. Für mich war es eine unfreundliche Übernahme, da der Regierungsrat Uster die Rechtslage ausnützen wollte.»

Verhandlungen mit Vermittler

Uster liess sich weder von der Schlappe im Kantonsrat noch von der Kampfansage der Stadt einschüchtern. Denn für ihn war klar, dass aus den zwei Korps möglichst bald eines werden sollte. Ziel sei gewesen, die Synergien besser zu nutzen. «Es machte keinen Sinn, in dieser kleinen Stadt zwei Tag und Nacht besetzte Einsatzzentralen wenige hundert Meter voneinander entfernt zu haben. Ausserdem konnte die Stadt so mehrere Millionen Franken sparen.» Uster verfolgte sein Ziel weiter und präsentierte schliesslich zwei Jahre später – 1999 – ein weiteres Papier, welches dann die Grundlage für die Zusammenlegung bilden sollte. «Allerdings ging ich etwas anders vor», sagt er. So haben sich die beiden Sicherheitsdirektoren auf Vorschlag von Christen zur Ausarbeitung eines Konzepts an einen Tisch gesetzt und eine Arbeitsgruppe gebildet. Mit dabei waren Vertreter der Stadt- sowie der Kantonspolizei und der Kommunikationsberater Iwan Rickenbacher, der als Vermittler fungierte.

Neue Strukturen

Die Vermittlungsarbeit fruchtete, und der Starttermin für die Zuger Polizei wurde auf Anfang 2002 festgelegt. Dennoch war das Projekt noch nicht in trockenen Tüchern. Nicht zuletzt, weil mit der Übernahme der Stadtpolizei eine Institution verschwinden sollte, die auf eine lange Tradition zurückblicken konnte. Immerhin wurde sie erstmals 1754 urkundlich erwähnt. Das war aber nur ein Faktor, der dem Vorhaben gefährlich wurde. In der Stadt befürchtete man nämlich, dass die Sicherheit mit dem Verschwinden der eigenen Polizei abnehmen würde. «Wir von der Sicherheitsabteilung waren immer überzeugt, dass die Stadt Zug zu den Verlierern gehören würde», erklärt Christen. Inzwischen habe das auch der Kanton gemerkt. «Die Stadt braucht aufgrund ihrer Einwohnerzahl und der Zentrumsfunktion eine bessere polizeiliche Versorgung», ist Christen auch heute noch überzeugt.

Daneben wollte die Stadt im Bereich Sicherheit weiterhin autonom bleiben. Vor allem die Themen Ruhe und Ordnung sowie Verkehr fielen damals in die Zuständigkeit der Stadtpolizei. «Strafrechtliche Belange wie etwa Einbrüche waren schon damals Sache der Kantonspolizei», erklärt Hugo Halter, der damals der letzte Kommandant der Stadtpolizei war und heute Offizier bei der Zuger Polizei ist.

Von Halter, der gemeinsam mit Hürlimann die Planung für die Zusammenlegung vornahm, war auch viel Fingerspitzengefühl gefragt. «Seitens der betroffenen Polizisten habe ich relativ wenig Widerstand erlebt. Trotzdem gab es einige Bedenken und Verunsicherungen.» Hilfreich sei dabei gewesen, dass man für die Zuger Polizei völlig neue Strukturen vorgesehen hatte. «Wir wollten vermeiden, dass die Stadtpolizei das Gefühl hat, in die Kantonspolizei integriert zu werden und sich anpassen zu müssen», erklärt er.

Das Ende einer Ära

Auch auf politischer Ebene kam es noch zu Unstimmigkeiten. Zwar stellte sich der Kantonsrat im April 2001 hinter die Pläne Usters, doch im Stadtparlament regte sich Widerstand. Drei im April 2001 im Stadtparlament eingereichte Motionen drohten den Projektstart zu verzögern. Diese kritischen Stimmen verstummten jedoch nach einigen Verhandlungen, und Kantons- und Stadtparlament segneten den Zusammenschluss zur 236 Personen starken Truppe schliesslich ab. So ging Ende 2001 nach mehrjährigem Kampf eine 247-jährige Ära zu Ende; die Stadtpolizei verabschiedete sich. Manche, wie Hans Christen, bedauern dies bis heute: «Für mich ist und bleibt es eine unfreundliche Übernahme. Viele Leute in unserer Stadt trauern heute noch der Stadtpolizei nach und sprechen mich darauf an.