ZUG: Die Ticket-App im Test: Ein Gewinn für Gelegenheitsnutzer

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember können Billette für den Tarifverbund Zug auch über die App Fairtiq bezogen werden. Ein Test zeigt: Das System funktioniert, aber es besteht noch Verbesserungspotenzial.

Marco Morosoli
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Billette für den Tarifverbund Zug können auch mit der App «Fairtiq» gekauft werden. (Bild: Pius Amrein)

Billette für den Tarifverbund Zug können auch mit der App «Fairtiq» gekauft werden. (Bild: Pius Amrein)

Marco Morosoli

 

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Der letzte Arbeitstag vor Heiligabend. Im Doku-Zentrum im Süden der Stadt Zug will ich mich schlaumachen, was dort alles über den EV Zug zu finden ist. Die Ausbeute ist unerwartet gross. Der Auslöser meiner Reise in die Vergangenheit ist das 50-Jahr-Jubiläum, welches der EVZ in diesem Jahr feiert («Zentralschweiz am Sonntag» vom 1. Januar). Ich fahre mit dem Bus vom Bahnhof Zug mit der Linie 11 (Zug St. Johannes–Schön­egg) in die vorerwähnte Institution, und das auf die einfachste Art. Ich habe mir die App Fairtiq (siehe Box) heruntergeladen. Diese verspricht seit dem 11. Dezember 2016 noch einfacheres Fahren im Tarifverbund Zug. Das Anstehen am Ticketautomaten entfällt. Dort geht für viele Zeitgenossen, welche den Bus oder die Stadtbahn nur ab und an frequentieren, oft viel Zeit verloren, da ja zuerst noch herausgefunden werden muss, welche Zonen bis zur geplanten Endhaltestelle durchfahren werden.

Mit Fairtiq entfällt dieser potenzielle Stressfaktor. Einsteigen, die App aktivieren und abfahren. Beim Aussteigen darf aber nicht vergessen werden, sich auszuloggen. Doch gemach: Unterbleibt diese Meldung ans System, signalisiert dieses kurze Zeit später, dass dieses Versäumnis nachgeholt werden muss.

Am Nachmittag geht es dann ins Lättich nach Baar, wo ich etwas herausfinden will, was Stoff für eine baldige Geschichte sein könnte. Am Morgen habe ich von diesem zweiten Nachforschungsauftrag noch nichts gewusst. Doch Fairtiq ermöglicht jetzt einen Dreh, den es so für Gelegenheitsnutzer des öffentlichen Verkehrs nicht gegeben hat. Ich aktiviere die App, und die Fahrt wird einfach noch hinzugefügt. Ich fahre dann auf dem gleichen Weg in die Redaktion der «Zuger Zeitung» beim Bahnhof Zug zurück. Und später folgt noch eine weitere Fahrt, um auszutesten, ob das Fairtiq-System wirklich den für den Nutzer besten Preis errechnet. Beim ersten Versuch hat das bestens funktioniert. Am Tag darauf um 5 Uhr erhält der Nutzer auf die hinterlegte E-Mail-Adresse eine detaillierte Auflistung der Fahrten und deren Kosten.

Nicht höher als der Preis einer Tageskarte

An Heiligabend mache ich dann eine kleine Tour zwischen Zug Oberwil und Baar und innerhalb der Stadt Zug, um Weihnachtsgeschenke zu verteilen. Am Abend geht es zur Weihnachtsfeier meiner Schwester in Baar. Zusammengezählt nutze ich innerhalb von 24 Stunden neun Busverbindungen, und das zum Preis von nur gerade 8.60 Franken. Dieser entspricht genau demjenigen einer Tageskarte für zwei Zonen. Nur einmal habe ich auf meiner «Heiligabend-Reise» eine kleine Schrecksekunde: Im Fuchsloch in Zug Oberwil meldet mein Handy «kein Netz». Doch ein paar Meter weiter – ich sitze schon im Bus – habe ich dann wieder Handy-Empfang.

Aber auch dieses System hat seine Tücken

Um die App Fairtiq seinen Wünschen gemäss nutzen zu können, braucht es eine saubere Registrierung. Hat der potenzielle Kunde ein Halbtax-Abonnement oder nicht? In welcher Klasse fährt er von A nach B? Es macht natürlich wenig Sinn, beim Busfahren die 1. Klasse auszuwählen. Den bei der Bahn üblichen Klassenunterschied gibt es beim Bus ja nicht. Die Abrechnung ist hingegen einfach. Sie kann der Kreditkarte belastet werden. Für Swisscom-Kunden ist es auch möglich, die geschuldete Ticketsumme auf die Rechnung dieses Netzbetreibers setzen zu lassen.

Ebenfalls noch ungelöst ist das Problem mit Fahrten, die vom Tarifverbund Zug in andere Verkehrsverbunde führen. Für solche Verknüpfungen kann die App Fairtiq bis jetzt nicht genutzt werden. Doch wie ZVB-Spre­cherin Kathrin Howald im Dezember erklärte (Ausgabe vom 1. Dezember 2016), soll diese virtuelle Grenze bis diesen Sommer «geschliffen» werden. Und natürlich hoffen die Fairtiq-Macher, dass das Verbundgebiet weiterwächst. Derzeit gibt es in der Schweiz 17 Tarifverbunde. Deren sechs sind derzeit «Fairtiq-Gebiet».

Bezüglich Datenschutz ist auch alles klar: Laut Sonya Hausheer, sie ist Leiterin Marketing bei den Zugerland Verkehrsbetrieben, werden die Fahrten der Fairtiq-Nutzer nicht gespeichert.

Hinweis

Fairtiq ist kostenlos im App-Shop (Betriebssystem iOS) oder im Google Play Store (Betriebssystem Android) erhältlich.