ZUG: Die unermüdliche Initiantin

Im Kulturzentrum Galvanik wurde der Zuger Anerkennungspreis 2016 an die Baarer Galeristin und Schmuckkünstlerin Brigitte Moser verliehen – für ihr kulturelles Engagement.

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Brigitte Moser wird von Bildungsdirektor Stephan Schleiss ausgezeichnet. Bild: Jakob Ineichen (Zug, 2. Februar 2017)

Brigitte Moser wird von Bildungsdirektor Stephan Schleiss ausgezeichnet. Bild: Jakob Ineichen (Zug, 2. Februar 2017)

Wie sehr die Baarerin Brigitte Moser in der Region bekannt ist und geschätzt wird, zeigte sich am Donnerstagabend in der voll besetzten Galvanik. Dort wurde ihr in einer heiteren, musikalisch umrahmten Feier in Anwesenheit von Honorationen, Freunden und Kulturschaffenden der Zuger Anerkennungspreis 2016 verliehen. Regierungsrat Stephan Schleiss begrüsste neben seinen Ratskollegen Matthias Michel und Beat Villiger auch den Zuger Stadtpräsidenten Dolfi Müller sowie den Baarer Gemeindepräsidenten Andreas Hotz. Er löste Heiterkeit aus, als er berichtete, wie Brigitte Moser die Nachricht vom Preis aufgenommen hatte: «Sie war überrascht, ja fast schockiert.»

Weil mit Brigitte Moser eine Schmuckkünstlerin und Galeristin geehrt wird, holte der Bildungsdirektor rund 500 Jahre zurück aus und sagte: «Zug hat eine lange Goldschmiedetradition, die vom 15. bis ins 18. Jahrhundert rege blühte.» Dann sei eine Krise entstanden. Erst in den 1950er-Jahren sei das Gewerbe wieder in Schwung gekommen. Dass Brigitte Moser hierbei später eine wichtige Rolle spielt, zeigt laut Schleiss ihr Lebensweg, in dem der Schmuck – auch als experimentelles Kunstmaterial – im Zentrum stehe. Ihr Atelier sei zudem eine Plattform der Begegnung. «Brigitte Moser hat als Schmuckkünstlerin und Galeristin durch ihr kontinuierliches Engagement – mit Events im Kunst- und Schmuckbereich – die Zuger Kulturszene belebt», hielt Schleiss würdigend fest. Deswegen werde ihr der Zuger Anerkennungspreis 2016 verliehen. Dies geschehe auf Antrag der Kulturkommission nur alle drei bis vier Jahre.

Eine agierende und bewegende Frau

Gabriela Feigenträger, Schmuckkünstlerin und ehemalige Vorsitzende des Forums für Schmuck und Design, hielt die erste Laudatio. Sie habe viele Menschen im Forum kennen gelernt und nur ab und zu gedacht «hoppla», so wie bei Brigitte Moser. «Sie ist eine agierende, bewegende, zündende Frau, die Ungewöhnliches im Schmuckbereich leistet und Raum schafft für Ideen und Konzepte.» Wichtig sei auch Brigitte Mosers Engagement für den zeitgenössischen Schmuck. Der Alltag als Schmuckkünstlerin und Galeristin sei nicht so einfach zu bewerkstelligen, zudem war sie Beisitzerin in verschiedenen Vereinen und Organisationen. «Sie reisst an, verknüpft und bietet Raum für eine Plattform.»

Auch mit ihrem Schmuck setze Brigitte Moser laut Feigenträger Zeichen, drücke Lebensgefühle aus. «Und sie hat noch immer Visionen wie ein Museum für zeitgenössischen Schmuck. Ich weiss, sie wird weitermachen, und das nie ohne Leidenschaft und Herzblut.»

Ein Paar wurde wieder vereint

Zum Reigen der Gratulanten gehörte auch der Zuger Schriftsteller Max Huwyler, der mit humorvollen Worten Reminiszenzen aus Brigitte Mosers Familiengeschichte aufzeigte, wie aus einem Baarer «Spinnimeitli» eine Schmuckkünstlerin geworden ist: «Schon in der Lehre war sie in der Region die einzige Goldschmiedin weit und breit. Heute ist sie eine eigenständige und eigenwillige Künstlerin, eine Anstösserin und Vermittlerin.» Mit dem Preis werde auch Mosers Initiative zum Erhalt des Kunstkiosks geehrt: «Baar hat nun sein Kunsthaus.» Und noch eine Geschichte wusste Huwyler zu erzählen. Eine, die das Herz der Zuhörer erwärmte. Vor Jahren habe eine Frau ein Goldarmband zum Einschmelzen gebracht – das Hochzeitsgeschenk ihres einstigen Mannes. Brigitte Moser habe das Stück erst einmal in den Tresor gelegt und war überrascht, als Jahre später ein junger Mann ebenfalls ein Goldarmband loswerden wollte. Die Goldschmiedin erkannte sofort, dass es jenem im Tresor glich. Der junge Mann habe ihr erzählt, dass sein Armband vom Vater stamme. Brigitte Moser habe die beiden Schmuckstücke wegen ihrer speziellen Geschichte nicht einschmelzen können. Huwyler: «Und so lagern die beiden, wieder als Paar vereint, in ihrem Tresor.»

Nach den Würdigungen übergab Stephan Schleiss unter grossem Applaus die Urkunde an Brigitte Moser. Diese bedankte sich und sagte: «Es ist unglaublich, ich von Baar bekomme von Zug einen Preis. Das ist eine grosse Ehre. Mein Leben hat viel mit Offenheit zu tun, und ich fördere gerne Menschen, die mein Handwerk lernen wollen.» Sie habe dank der öffentlichen Hand viele Projekte realisieren können. Insbesondere dankte sie allen, die sie auf ihrem Weg für die Kultur begleiten. Und Brigitte Moser gab schmunzelnd zu, dass um die Ecke schon neue Ideen warteten: «Aber es ist klar: Einer muss der Reisser sein.» Dann wurde noch guggenmusikalisch gratuliert.

Monika Wegmann

redaktion@zugerzeitung.ch