ZUG: Diese Senioren brillieren

«Diamante im Stroh» heisst die neuste Komödie des Seniorentheaters St. Johannes Zug. Das Projekt bietet nicht nur gute Unterhaltung für Besucher, sondern auch wertvolle Erlebnisse für die Schauspieler.

Wolf Meyer
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Rita Pföstl spielt im Stück «Diamante im Stroh» Ida Mosimann, Peter Vögeli tritt als Lorenz Mosimann auf. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Februar 2017))

Rita Pföstl spielt im Stück «Diamante im Stroh» Ida Mosimann, Peter Vögeli tritt als Lorenz Mosimann auf. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 13. Februar 2017))

Wolf Meyer

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«Einen Mann brauchen Sie!» Frau Bölsterli beschwört ihre Nachbarin Barbara Mosimann, sie solle doch um Himmels willen endlich einen Mann heiraten, der ihr den Hof mache. Wobei «den Hof machen» hier nicht in erster Linie als romantische Avance zu verstehen ist, sondern vor allem eins meint: handfeste Arbeit, also den Stall ausmisten, Ernte einbringen, Kühe melken. Barbara Mosimann bewirtet ihren Bauernhof seit dem Tod ihres Mannes alleine. Ein Skandal, meinen viele im Dorf. Barbara Mosimann, gespielt von Miriana Huber, hält allerdings resolut dagegen: «Mädchen arbeiten genauso hart wie Jungen und sind genauso viel wert. Und darüber hinaus gäbe es ohne Mädchen gar keine Jungen! Dass das hier noch keinem aufgefallen ist ...»

«Die emanzipierte Frau im bäuerlichen Umfeld» ist nur eine von mehreren gesellschaftlichen Streitthemen, die das neuste Stück des Seniorentheaters St. Johannes Zug, «Diamante im Stroh», anschneidet. Auch Motive wie zu hohe Managerlöhne, Homosexualität oder Sex im Bannkreis der Kirche ziehen sich auf eine angenehm leichte und humorvolle Art durch die Geschehnisse des Abends. «Das Stück ‹Diamante im Stroh› von Claudia Gyssel ist für Seniorenschauspieler ein äusserst anspruchsvolles Stück», erklärt der Regisseur des Stücks, Kurt Studer. «Jeder unserer Schauspieler spielt einen eigenen Charakter mit Tiefe und Relevanz. Es gibt keine blossen Hintergrundstatisten.»

Ein stolzer Regisseur

Studer spricht damit die Schwierigkeiten an, die Schauspieler in Seniorentheatern immer wieder erleben: Mit zunehmendem Alter wird es schwieriger, Texte zu lernen oder sich Einsätze zu merken. So bilden die insgesamt 363 Einsätze des Stücks für die Truppe eine besondere Herausforderung. «Diese meistern die Damen und Herren, mit denen ich hier arbeiten darf, ausserordentlich gut», sagt Studer. Es ist ziemlich offensichtlich: Er ist stolz auf seine Truppe. Und stolz auf das, was sie zusammen erreicht haben. «Dafür möchte ich mich auch bei allen, die bei uns mitwirken, von ganzem Herzen bedanken.»

«Am liebsten hätte ich heute an der Probe schon Publikum gehabt. Mit Publikum ist einfach die Energie ganz anders», schwärmt Edith Wallimann. Sie schlüpft in die Rolle einer aufgebrezelten Radfahrerin, die ein paar Tage auf dem Hof verbringen möchte. Nur scheinen irgendwie ihre hohen Schuhe und der modische Pullover nicht ganz zu ihrer Geschichte zu passen. «Hier unten ist man sich selbst, und da oben kann man jemand ganz anderes sein. Das fasziniert mich. Und ich finde es beeindruckend, wie weit uns Kurt Studer in diesem Prozess gebracht hat», erzählt Edith Wallimann.

Stolz ist jedoch nicht nur der Regisseur, sondern auch die Bäuerin Frau Mosimann, als sie im Stück erfährt, dass ihr neuster Plan, die Wirtschaftslage des Hofes anzukurbeln, Früchte trägt: Das neue Schild vor dem Hof, das «guten Schlaf und Erlebnisse im Stroh» anpreist, lockt allerlei Gestalten an. Unter anderem auch zwei Diamantenräuber, die sich nach ihrem letzten Coup auf dem Lande absetzen wollen. Das klappt aber nicht ganz wie geplant. Und so verstrickt sich die zusammengewürfelte kleine Gemeinschaft, die sich auf dem Hof eingefunden hat, in einem unterhaltsamen Gespinst aus Liebelei, List und Kultur-Clash.

Hinweis

Die Aufführungen finden statt von 2. bis 17. März im Pfarreisaal C/D, St. Johannes, Zug; Billettreservation unter Tel. 079 538 56 07 oder 079 874 15 02 jeweils montags, dienstags, mittwochs von 9 bis 11 Uhr. Weitere Informationen zu den Spieldaten gibt es unter www.seniorentheater.ch.