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ZUG: «Du musst einfach mit allen auskommen können»

Muslime dürfen keinen Alkohol trinken. Für Weinhändler Albert Osmani ist das kein Problem. Der Walchwiler glaubt trotzdem an Gott.
Wolfgang Holz
Weltoffen, gut gelaunt, freundlich: Der Zuger Weinhändler Albert Osmani ist Muslim. Wein trinkt er gerne – trotz Koran. (Bild Maria Schmid)

Weltoffen, gut gelaunt, freundlich: Der Zuger Weinhändler Albert Osmani ist Muslim. Wein trinkt er gerne – trotz Koran. (Bild Maria Schmid)

Wolfgang Holz

Wer das «House of Wines» in Zug betritt, der hat schnell den Eindruck, dass hier alle Kulturen willkommen sind. «Können wir Champagner haben, er ist uns ausgegangen?», erkundigen sich zwei Wealth-Manager auf Englisch, die gerade hereingeschneit kommen. Albert Osmani begrüsst beide mit einem herzlichen Lächeln und umarmt sie. Zuvor interessieren sich zwei Schweizer für kräftige Toskaner Rotweine und lassen die ausgewählten Edeltropfen ins rustikale Holzkistchen mit roter Schleife verpacken. Kurz darauf braucht ein Amerikaner ein Geschenk in Form eines «mild red wine» und ist mit einer Flasche für 55 Franken glücklich. Der 36-jährige Weinhändler spricht fliessend Englisch – und wirkt sehr herzlich.

«Stamme aus weltoffener Familie»

Was nicht alle wissen: Albert Osmani ist gebürtiger Kosovo-Albaner und Muslim. Wie geht das? Schliesslich ist es doch laut Koran Gläubigen grundsätzlich verboten, Alkohol zu trinken. Der Walchwiler lächelt. «Ich stamme aus einer weltoffenen Familie. Wir haben Zu Hause zwar nie Wein getrunken, aber ein selbst gebrannter Schnaps ist immer auf den Tisch gekommen, wenn uns Gäste besuchten», erzählt er. Er sei als Muslim schiitischen Glaubens auch sehr moderat religiös erzogen worden. «Nur Schweinefleisch esse ich auch nicht.»

Als Osmani 1992 mit seinen Eltern in die Schweiz zunächst nach Goldau gekommen ist, wollte er ursprünglich eine KV-Lehre machen. «Da ich keine Stelle fand, habe ich mich für den Detailhandel entschieden und dann eine Lehre beim Globus in Luzern absolviert.» Dort sei er in die Delikatessenabteilung eingeteilt worden – «wo ich dann irgendwann beim Wein gelandet bin». Das Thema Wein habe ihn sofort fasziniert. «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sich aus Trauben, die für mich bis dahin einfach nur Früchte waren, so viele und erlesene Produkte herstellen lassen», versichert der Zuger. Später sei er Weinberater bei Mövenpick gewesen. Seit drei Jahren betreibt er seine eigene Weinhandlung an der Baarerstrasse.

«Ich trinke selbst auch gerne Wein – allerdings nicht um primär Alkohol zu konsumieren, sondern als Genussmittel.Wein ist für mich jeweils quasi eine Reise durch fremde Kulturen», schwärmt der Familienvater, der mit einer Kosovarin verheiratet ist und einen zwölfjährigen Sohn hat. «Alkohol zu trinken, ist für mich keine Sünde und ich bin deswegen auch noch nie angefeindet worden», sagt der sympathische Weinhändler. Er fühle sich, obwohl er nicht in die Moschee gehe und nicht bete, trotzdem im Herzen als religiöser Mensch: «Ich glaube an das Gute.»

Der geistliche Geist des Weins

Und nicht nur das. Er pflegt sogar Kontakt zu anderen Religionen – nämlich zu den Christen auf der anderen Strassenseite. «Ich sage zu Kunden, die mich anrufen, meine Weinhandlung befinde sich vis-à-vis der Guthirt-Kirche – was ich für mich als gutes Omen werte», sagt Osmani und lächelt. Zusammen mit dem katholischen Pfarrer Urs Steiner kultiviert der eingebürgerte Kosovo-Albaner seit einem Jahr auch die Veranstaltung «Spirit and Wine». Neben der Degustation von Weinen – letzten Donnerstag waren es verschiedene Champagnersorten – schweife das Gespräch dann meist vom Geist des Weines ab zu echt Spirituellem. Osmani: «Wir reden über lebensphilosophische Themen, der Wein ist dabei das verbindende Element.»

IS-Terror völlig unverständlich

Für den liberalen Zuger Muslim sind der IS-Terror und die brutalen islamistischen Selbstmordanschläge wie zuletzt in Paris völlig unverständlich. Die Muslime, die er kenne, seien alle sehr friedlich. Vor allem ist es für ihn ein Rätsel, warum gerade so viele junge Europäer den Lockrufen salafistischer Imame erliegen. Sagts und sein Gesicht verdüstert sich plötzlich. «Ich habe allerdings auch einen Cousin im Kosovo. Der hat sich irgendwann aus unerfindlichen Gründen einem Hassprediger zugewandt.» Offenbar, weil dieser ihm versichert habe, dass der Islam ihn stark mache und mit Hilfe Allahs könne er seinen im Kosovo-Krieg verschwundenen Vater wiederfinden. «Der Cousin war schnell völlig isoliert in unserer Familie.»

Ein Patentrezept gegen den Kampf der Kulturen und der Religionen hat der muslimische Zuger Weinhändler auch nicht. «Ich sage zu meinem Sohn immer wieder: Du musst einfach mit allen auskommen. Schliesslich leben wir in Europa, und die Zugehörigkeit zu einer Religion darf nicht darüber entscheiden, ob jemand ein guter Mensch ist.» Wobei Osmani nicht verhehlt, dass der Westen auch seinen Teil dazu beitragen müsse, damit sich die verschiedenen Kulturen wertschätzen. Er habe früher bei Mövenpick mit Kunden nie albanisch reden dürfen – selbst nicht mit Landsleuten. Und solche politischen Aktionen wie die Minarettinitiative seien alles andere als fair gewesen. «Die SVP spiegelt aber sicher nicht die ganze Schweiz wieder.»

In Zug fühlt er sich indes pudelwohl. «Das Multikulturelle des Kantons mit mehr als 120 Nationalitäten ist gerade das Schöne hier.»

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