ZUG: Ein Fest für den Maserati

Vor 100 Jahren wurde die italienische Sportwagen- firma gegründet – in Zug huldigte man nun diesem Jubiläum.

Susanne Holz
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Willy Göggel pflegt seinen Maserati Kyalami aus dem Jahr 1977. (Bild Werner Schelbert)

Willy Göggel pflegt seinen Maserati Kyalami aus dem Jahr 1977. (Bild Werner Schelbert)

«Maserati-Fahrer sind coole und kulante Typen», findet Yves Jaegendorf. Der 57-Jährige ist Automechaniker und Garagenbesitzer im Berner Jura. Sein Steckenpferd sind klassische und sportive Oldtimer, speziell Maserati. «Maserati-Fahrer sind Gentlemen», sagt Robert Hümbeli, Organisator des «Oldtimer Sunday Morning Treffens», das von Frühling bis Herbst einmal im Monat Hunderte Autofreaks auf Zugs Stieren­stallungen lockt. «Rennfahrer setzen sich in einen Ferrari, Gentlemen in einen Maserati», führt Robert Hümbeli aus. Man denkt an Jacques Derays Film «Der Swimmingpool» von 1969. Alain Delon im Maserati Ghibli. Ein Haufen schöne Bilder, verwöhnte Menschen und ein Mord. Yves Jaegendorf aus Tramelan macht da schon eher den Eindruck, ein Gentleman zu sein. Geduldig beantwortet der Mann in Jeans und blauem Sweater die Fragen eines Laien zu seinem grünen Maserati Ghibli aus dem Jahre 1970. Was für ein Grün? Der Mann neben Jaegendorf lacht. «Ein Grün wie das der grünen Fee, diesem Absinth, den man im Jura trinken kann.»

Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
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Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug. (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug. (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug. (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Willy Göggel reinigt seinen Maserati Kyalami (1977). (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Ein Maserati Kyalami (1977)  mit seinem Besitzer Willy Göggel. (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))
Maserati Biturbo (1983). (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))

Nostalgie pur am Oldtimer Treffen in Zug (Bild: Werner Schelbert (Neue ZZ))

Schon ein halbes Leben lang

Die Fee verfügt zudem über 330 PS und fährt bis zu 270 Kilometer in der Stunde. Sie ist viereinhalb Meter lang und hat einen Spritverbrauch, der laut Yves Jaegendorf nicht erwähnenswert ist: «Da füllt man einfach nach.» Daneben ist dieser Maserati Ghibli ein Zweisitzer, mit einem Lenkrad aus Holz und einer Lederausstattung im Farbton Eierschale. Nicht zu vergessen: «Er ist ein Automatik», so sein Besitzer, «es gibt nicht viele davon, und je älter man wird, desto mehr weiss man das zu schätzen.»

Sein grüner Maserati Ghibli begleitet den Mann aus dem Berner Jura nun schon ein halbes Leben lang. «Er hat mich noch nie im Stich gelassen», erzählt Yves Jaegendorf. «In den Ferien bin ich mit ihm schon hoch in den Norden und tief in den Süden gefahren – nach Schweden wie nach Südfrankreich.» Und wie ist er zu dem flotten Flitzer gekommen? «Das war ein Zufallsgeschäft, ein Glücksfall», sagt der 57-Jährige.

«Über 30 Jahre ist das her, zunächst hatte ich diesen Maserati zehn Jahre in der Scheune stehen – ich war sehr jung. Dann starb Enzo Ferrari, 1988, und der Ferrari-Boom setzte ein. Zeit, den Maserati aus der Scheune zu holen und in Stand zu setzen. Seither fahre ich ihn.» Und warum gerade Maserati? «Diese Autos haben ihren eigenen Ton», schwärmt Jaegendorf. «Er ist nicht vergleichbar mit dem Sound eines Ferrari oder Lamborghini. Er ist schöner und aggressiver.»

Der Mann aus Tramelan weiter: «Ohne die Ferrari-Fahrer vergrätzen zu wollen – ein Maserati ist einfach diskret, authentisch, man muss keine Blondine mit Goldschmuck in ihn setzen.»

Letztes Treffen der Saison

Die Blondine steht gestern dafür auf der Bühne: Zum letzten Oldtimertreffen der Saison spielen Gente di Mare aus Luzern auf. Über 650 Oldtimer dürfte sich Veranstalter Robert Hümbeli freuen. Während drei Stunden leuchten sie mit der zaghaften Sonne um die Wette, in hellblau oder knallgelb.