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ZUG: Ein Gutsherr zwischen zwei Gütern

Daniel Vasella, Ex-Chef von Novartis, wohnt nun in Monaco. Das wirft wieder Fragen auf, was der Gutsherr mit dem Landstück in Risch vorhat – oder überhaupt machen könnte.
Wolfgang Holz
Idyllisch gelegen am Zugersee: das Gut Aabach. (Bild: Andreas Busslinger)

Idyllisch gelegen am Zugersee: das Gut Aabach. (Bild: Andreas Busslinger)

Nicht in den USA lebt jetzt der Ex-Rischer Daniel Vasella – wie viele vermutet haben –, sondern in Monaco. Eine Kunde, die insofern pikant erscheint, als der Multimillionär, der im Kanton Zug stets sehr viel Wert auf Diskretion und Zurückgezogenheit gelegt hat – plötzlich allen, die es wissen wollen, die genaue Adresse seines neuen Domizils im Internet mitteilt. Im Liegenschaftsregister seines ehemaligen Wohnkantons kann nämlich jeder die genaue Anschrift des 61-Jährigen im Fürstentum erfahren, wenn er sich im Netz über die Eigentumsverhältnisse des Guts Aabach informiert. Dabei hätte Vasella seinen Adresseneintrag im Zuger Kataster ohne weiteres sperren lassen können – hätte er es gewollt.

Von Steuern befreit im Fürstentum

Während jüngst die «Sonntagszeitung» von der luxuriösen Residenz des einst topverdienenden Pharma-Managers im Fürstentum schwärmt – wo der frühere Rischer ja weder Einkommens- noch Vermögens-, geschweige denn Erbschaftssteuern zahlen muss –, interessiert aus Zuger Sicht vor allem eines: Was passiert nun mit dem Gut Aabach, dessen Besitzer ja Daniel Vasella heisst?

Bekanntlich hatte der Ex-Chef von Novartis 2014 das rund 50 000 Quadratmeter grosse Nachbargrundstück neben seiner Villa gekauft, nachdem der Pharmakonzern darauf verzichtet hatte, dort ein Ausbildungszentrum für Kaderleute zu bauen. Das Gut Aabach war in Besitz des Schweizer Riesenkonzerns. Über den Verkaufspreis schwiegen sich damals beide Seiten aus.

Alterssitz oder Geldanlage?

Doch warum hat Vasella dieses seenahe Areal in bester Lage zu einem derart stolzen Preis gekauft, wenn er gleichzeitig in Monaco eine nicht viel weniger teure Liegenschaft erworben hat und nun als neuen Wohnsitz angibt? Denn auch für Vasella gilt: Wer seinen Hauptwohnsitz in das Fürstentum verlegt, muss dort mindestens sechs Monate pro Jahr verbringen, wenn er sonst nirgends mehr Steuern zahlen will. Zum anderen hat der Rischer seine Villa mit Umschwung am Aabachweg 3 in Oberrisch längst seinen drei Kindern überschrieben. Will heissen: Eine Arrondierung seines bisherigen Grundstücks in Gestalt des Guts Aabach bringt ihm im Augenblick nicht viel. Soll die feudale Lage mit der historischen Villa Göhner dem Manager eben zum Alterssitz gereichen? Oder dient der Kauf nur der Geldanlage?

Bis jetzt hat Vasella darüber geschwiegen, welche Pläne er mit dem Gut Aabach hat. Auch Rischs Gemeindepräsident Peter Hausherr weiss es nicht. «Per dato ist bei der Gemeinde Risch kein Baugesuch eingereicht worden», gibt er Auskunft. Und stellt gleichzeitig klar: Es handle sich um ein privates Grundstück. «Nach Abbruch des Prozesses im Hinblick auf das Novartis-Ausbildungscenter ist die Zeitrechnung, in dem die öffentliche Hand Wünsche anbringen und kraft Bebauungsplanverfahren auch einfordern konnte, vorbei.»

Einer, der zumindest weiss, was auf dem wunderschönen Areal des Gutes Aabachs möglich wäre und was nicht, ist Baudirektor Heinz Tännler. «Wenn ein konkretes Gesuch vorliegt, dann wird es die Baudirektion nach bestem Wissen und Gewissen und aufgrund der gesetzlichen Grundlagen prüfen – und der Regierungsrat dann die entsprechenden Entscheide, sofern in seiner Zuständigkeit, fällen», erklärt Zugs Landammann. Wobei auch er versichert: Der Baudirektion liegen zurzeit keine konkreten Baugesuche zur Liegenschaft Gut Aabach zur Prüfung vor.

Golfplatz tabu

Ein Golfplatz ist laut Tännler indes ausserhalb der Bauzone auf dem Gut Aabach nicht denkbar. «Falls der Bau eines Golfplatzes ein Thema wäre, müsste die Gemeinde eine Umzonung in eine spezielle Bauzone prüfen.» Ob man einen Tennisplatz auf dem Gelände bauen könnte, müsste anhand der bisherigen Nutzungen der Schlossliegenschaft geprüft werden. Ob ein öffentlicher Wellness-Bereich in einem Neubau nach geltendem Recht vereinbar wäre, sei fraglich. Denkbar seien dagegen eine Sanierung der Anlage oder ein Abbruch und Wiederaufbau. Tännler: «Ein Wiederaufbau hat sich dabei an die Regeln des Raumplanungsgesetzes zu halten punkto Volumen, Flächen und Nutzungen.» Da das Gut Aabach in einer Landschaft von nationaler Bedeutung liege, müssten sich Neubauten hervorragend in den Park und die Landschaft eingliedern. Landschaftliche Verbesserungen seien dabei anzustreben. «Teile des Grundstücks liegen in einer kantonalen Seeuferschutzzone. Innerhalb dieser Zone gelten strenge Vorgaben an neue Bauten und Anlagen sowie die Gestaltung der Umgebung.» Weil die geplante Umzonung für das Tagungszentrum der Novartis nicht zu Stande kam, liegt die von Daniel Vasella erworbene Liegenschaft Gut Aabach in der Landwirtschaftszone. Somit gelten die Regeln des Bauens ausserhalb der Bauzone. Diese regelt der Bund im Raumplanungsgesetz. Die Landwirtschaftszone wird zudem von einer gemeindlichen Landschaftsschutzzone und das Gebiet am See von einer kantonalen Seeuferschutzzone überlagert.

Die wahre Exklusivität

Offen bleibt indes, wie lange Vasella überhaupt in Monaco residieren wird – oder ob sein Apartment langfristig zur Feriendestination mutiert. Denn im Vergleich zum Gut Aabach herrscht im Fürstentum trotz Meer, Sonne und Steuerfreiheit ein veritabler «Dichtestress»: Einen Quadratkilometer müssen sich dort rund 18 000 Einwohner teilen. Als Gutsherr in Risch wäre Vasella dagegen auf 0,05 Quadratkilometern der Einzige.

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