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ZUG: Ein Kühlmittel erlebt seine Renaissance

In der Bossard-Arena ist die Eisaufbereitung in vollem Gange. Im Gegensatz zu früheren Jahren hat sich bei diesem Prozess aber temporär etwas Wesentliches verändert.
Marco Morosoli
Beim Aufbringen der Werbefolien auf der Eisfläche der Bossard-Arena ist Teamarbeit gefragt. (Bild Maria Schmid)

Beim Aufbringen der Werbefolien auf der Eisfläche der Bossard-Arena ist Teamarbeit gefragt. (Bild Maria Schmid)

Marco Morosoli

Kurt Wunderlin, er ist Technischer Teamleiter der Kunsteisbahn AG, hat in diesem Sommer nicht nur wegen der warmen Temperaturen geschwitzt. Einige der acht Wärmetauscher in der im August 2010 eröffneten Bossard-Arena haben ihren Geist aufgegeben und müssen zeitnah ersetzt werden. Das braucht seine Zeit, da solche Geräte nicht «ab der Stange» gekauft werden können. Um den Start in die siebte Spielzeit des EV Zug in der Bossard-Arena nicht zu gefährden, haben die Verantwortlichen entschieden, die Eisaufbereitung temporär wieder auf den reinen Ammoniakbetrieb umzustellen (Ausgaben vom 1. Juni und 6. Juli).

Für Wunderlin und alle Involvierten ist dies eine Herausforderung gewesen. «Ich habe viel dazugelernt», sagt der Technische Leiter der grössten Zuger Sportstätte. Er untermauert dies mit zwei prall mit Unterlagen und Mails gefüllten Ringordnern. Trotz der Mehrarbeit sagt Wunderlin: «Wir haben Glück im Unglück gehabt, dass die Wärmetauscher erst am Ende der Saison 2015/16 ausgestiegen sind.»

Testläufe erfolgreich beendet

Im Juli ist dann der Betrieb der bestehenden Ammoniak/Kohlendioxid-Anlage auf den reinen Ammoniakbetrieb umgestellt worden. «Die Testläufe mit der neuen Anlage sind gut gelaufen», freut sich Kurt Wunderlin. Wie geplant ist die Betonplatte, welche den Untergrund für das Eis bildet, Ende Juli sukzessive heruntergekühlt worden. Im Vorfeld dieses Prozesses hat die Oberflächentemperatur des Untergrundes rund 25 Grad Celsius betragen. Um dann eine erste Schicht Eis herzustellen, muss die Platte auf eine Temperatur unterhalb des Gefrierpunktes von Wasser gebracht werden.

Dann kann mit der eigentlichen Eisaufbereitung begonnen werden. Am Mittwoch ist weisse Farbe auf die erste dünne Schicht aufgetragen worden. Tags darauf sind die zahlreichen Werbebanner und die verschiedenen Linien und Anspielkreise von einer Spezialfirma aufgetragen worden. Hernach wird immer und immer wieder Wasser auf die Eisfläche gespritzt. Ziel ist es, dass die Mächtigkeit des Eises vor der ersten Nutzung rund fünf Zentimeter betragen sollte. Das Zeitfenster ist eng bemessen, denn bereits am 11. August sind erste Trainingseinheiten in der Bossard-Arena geplant. Ihr erstes Spiel in der EVZ-Heimstätte wird die erste Mannschaft anlässlich der European-Champions-Hockey-League am 26. August gegen das Team von IFK Helsinki (Finnland) austragen.

Bei vielen Zeitgenossen weckt der Einsatz von Ammoniak als Kältemittel Erinnerungen an die alte Hertihalle. Dort sind die Leitungen mit der Stickstoff-Wasserstoff-Verbindung (NH3) noch rund um die Eisfläche durchgeführt worden. In der Bossard-Arena befindet sich das Kältemittel jedoch nur unter der Betonplatte, auf der das Eis aufgebracht wird. «Ein Austritt von Ammoniak ist sozusagen unmöglich, da das Gas wie unter einem Deckel verschlossen ist», sagt Kurt Wunderlin. Das beim Verfahrensentscheid hinzugezogene Amt für Umweltschutz schreibt in einer Mitteilung im Juli: «Das Risiko des geplanten Ammoniakbetriebes der Kälteanlagen unter Berücksichtigung der vorgesehenen zusätzlichen Sicherheitsmassnahmen ist tragbar.» Laut Wunderlin sind auch andere Verfahren getestet worden. Sie wären nicht nur teurer gekommen (siehe Box), sondern hätten auch die Gefahr mit sich gebracht, dass der enge Zeitplan nicht hätte eingehalten werden können. Nichtsdestotrotz sagt Wunderlin, dass das Eismachen «komplizierter» geworden ist. Dass die besagten Wärmetauscher länger hätten halten sollen, verschweigt er nicht. Doch darüber sinnieren will er nicht. Beruhigt dürfte er erst sein, wenn alle Vorarbeiten erledigt und die ganze Anlage wie bisher gewohnt laufen wird.

Ausseneisfeld früher offen

Schon bald wird dann auch auf dem Ausseneisfeld wieder eine Eisfläche aufbereitet. Ab Mitte September soll der Prozess gestartet werden. Der offizielle Betrieb wird am 7. Oktober – einen Tag vor dem Beginn der Herbstferien – aufgenommen. Das ist ein Tag früher als bisher üblich. Nicht nur Kurt Wunderlin hofft, dass zu diesem Zeitpunkt kein unnötiges Schwitzen mehr notwendig sein wird.

Die «sicherere» Variante gewählt

Seit dem vergangenen Oktober sind drei der insgesamt acht Wärmetauscher im Technikraum der Bossard-Arena ausgetauscht worden. Daraufhin ist eine Risikoanalyse vorgenommen worden. Diese empfiehlt, dass auch die restlichen Wärmetauscher ersetzt werden müssen. Zwei davon umgehend. Doch solche Geräte sind nicht ab Lager lieferbar, sondern müssen auf die Anlage abgestimmt gefertigt werden. Und die Zeit für die Produktion und den Einbau wäre nicht mehr vor dem Beginn der EVZ-Saison 2016/17 möglich gewesen.

Alternativen sind geprüft worden

Deshalb sind Alternativen geprüft worden. Einerseits ein provisorisches Eisfeld (Kosten: rund 300 000 Franken) oder aber der Einsatz von Ammoniak als Kühlmittel (Kosten: 70 000 Franken). Anfang Juli hat das Amt für Umweltschutz grünes Licht für die Ammoniak-Lösung gegeben. Dafür hat es eine Vorbereitungszeit von rund zwei Wochen gebraucht. Das Gefahrenpotenzial dieser Art der Eisaufbereitung ist gemäss den Experten gering. Bei einem allfälligen Störfall wären primär Eisläufer und Personen auf dem Vorplatz der Bossard-Arena betroffen, nicht aber Matchbesucher und Bewohner der Liegenschaft Up-Town.

Wer bezahlt die Zusatzkosten?

Die verschiedenen anberaumten Testreihen sind erfolgreich abgeschlossen worden. Klar ist aber, dass die fünf seit 2010 im Einsatz stehenden Wärmetauscher noch ersetzt werden müssen. Dies verursacht Kosten von rund 420 000 Franken. Noch unklar ist derzeit, wer für diese Zusatzkosten aufkommen muss. Die ersten drei ausgetauschten Wärmetauscher hat eine Versicherung berappt.

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