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ZUG: Ein Multimilliardär sagt Servus

Hat Frank Stronach die Lust an der Steueroase verloren? Der Industrielle kehrt der Stadt den Rücken: Nach fast 18 Jahren hat er die Wohnung im Metalli aufgegeben.
Wolfgang Holz
Im Einkaufszentrum Metalli in der Stadt Zug brach am Donnerstag ein Kabelbrand aus. (Archivbild Werner Schelbert)

Im Einkaufszentrum Metalli in der Stadt Zug brach am Donnerstag ein Kabelbrand aus. (Archivbild Werner Schelbert)

Auf dem Klingelknopf in der Industriestrasse 13b in Zug ist er noch da: Frank Stronach. Dabei ist er in Wirklichkeit schon weg. Denn sein Briefkasten, in dem sich all die Wochenblätter stapelten, besteht nicht mehr. Der Multimilliardär, der weltweit mit seiner Autoschmiede Magna International seit Jahren sehr gut verdient, hat Zug definitiv verlassen. Genauer gesagt: Er hat seinen Wohnsitz in der Stadt Zug aufgegeben. Diesen hat er – so mutmasst man – als Scheinresidenz benutzt. Und zwar 18 Jahre lang.

Wegzug zeichnete sich ab

Der 83-jährige Industrielle hat schon vor vier Jahren in einem Interview mit unserer Zeitung eingeräumt: «Ich war schon lange nicht mehr da. Wir sind am Nachdenken, ob wir die Wohnung behalten werden», so Stronach damals. Ursprünglich habe er den Europasitz seines Magna-Konzerns in die Schweiz verlegen wollen – daher die Wohnung in Zug. Die kanadische Zeitung «Toronto Star» ist dagegen schon seit Jahren überzeugt, dass der austro-kanadische Doppelbürger die Stadt Zug als persönliches Hauptquartier auswählte, «um in Kanada keine Einkommenssteuern zu zahlen», wie das Blatt im Wirtschaftsmagazin «Bilanz» zitiert wurde. Letzteres ist sich sogar sicher, dass der Multimilliardär in Zug sein privates Vermögen versteckte.

Fakt ist: Stronach ist weg. Das bestätigt die Immobilienverwaltung von Zug Estates. «Herr Stronach ist seit dem 1. Juli 2015 nicht mehr Mieter an der Industriestrasse 13b in Zug.» Seit 1997 sei er dort eingemietet gewesen. Der Vollblutzüchter und Pferderennbahnbesitzer hat mehrere Wohnsitze weltweit – sein Hauptwohnsitz liegt im kleinstädtischen Weiz in der Steiermark, wo Frank Stronach seit 2002 auch Ehrenbürger ist und wo es einen nach dem kunstsinnigen Gönner benannten Veranstaltungssaal mit über 600 Sitzplätzen gibt.

Firma ist noch in Cham

Fakt ist aber auch: Stronach ist nicht komplett weg aus Zug. Denn seine Kommanditgesellschaft Stronach & Co. sowie seine Magna Automobiltechnik GmbH Schweiz sind nach wie vor in Cham an der Hinterbergstrasse 20 gemeldet. Stronach & Co. gibt es schon seit 1994 im Kanton Zug. Zuerst residierte die Wirtschafts- und Finanzberatungsfirma an der Baarerstrasse 16 in Zug. 2011 ist diese dann ins anonymere Gewerbegebiet zwischen Cham und Steinhausen gezügelt. Im Handelsregister ist zum Zweck der Firma zu lesen, dass dieser «insbesondere die Beratung von multinationalen Unternehmen in strategischen und konzeptionellen Angelegenheiten einschliesslich Unternehmensakquisitionen, Joint Ventures und Unternehmensverkäufen auch unter Bezug von Dritten» umfasst. Mit Autoschmiede scheint die Stronach & Co nicht viel am Hut zu haben.

Klassischer Selfmademan

Frank Stronach ist ein Selfmademan der alten Schule. In Kleinsemmering auf die Welt gekommen, lernte er den Beruf des Werkzeugmachers und wanderte 1954 mit 200 Dollar in der Tasche per Schiff nach Kanada aus. Er baute – beginnend in einer gemieteten Garage – die Magna International Inc. auf, eines der grössten Unternehmen der Autozulieferindustrie Nordamerikas. Heute ist Magna International mit Hauptsitz in Aurora, Ontario in Kanada, ein führender, global tätiger Zulieferer von technisch hoch entwickelten Automobilsystemen, Modulen und Komponenten mit über 20 Milliarden Dollar Umsatz und mehr als 90 000 Mitarbeitern.

Und nicht nur das: 2012 gründete der Unternehmer das «Team Stronach». Eine neue wirtschaftsliberale, europaskeptische und populistische Partei, die als Protestbewegung gegen das rot-schwarze Bündnis in Wien auf fruchtbaren politischen Boden stiess und derzeit im Nationalrat immerhin mit sechs Abgeordneten vertreten ist. Vielleicht hat Stronach nun aus Gründen der politischen Korrektheit seine Wohnung in Zug aufgegeben. Der Mann aus der Steiermark ist übrigens ein grosser Fan der Schweiz. Er lebte ein Jahr lang in Bern, bevor er nach Kanada auswanderte. Der Fussballfan sponserte darüber hinaus jahrelang mit seinen Magna-Millionen den österreichischen Spitzenklub Austria Wien und ist quasi das Pendant zu Red-Bull-Regent Dietrich Mateschitz.

Die Sache mit dem Steuergeheimnis

Die Frage bleibt, wie viel Steuern Stronach noch in Zug bezahlt. Pauschal besteuert worden ist er nie. «Wir bitten Sie um Verständnis, dass die Steuerverwaltung aufgrund des gesetzlichen Steuergeheimnisses keine Stellung zu dieser Frage nehmen darf», sagt Guido Jud, Leiter der kantonalen Steuerverwaltung.

Wolfgang Holz

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