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ZUG: Ein Springbrunnen für den Postplatz

Die Umgestaltung des oberen und des unteren Platzteils sorgt für hitzige Diskussionen. Während die einen Unterschriften gegen die Aufhebung der Parkplätze sammeln, schmieden die anderen kreative Gestaltungspläne für die Nutzung.
Samantha Taylor
So stellt sich das Komitee den Springbrunnen am Zuger Postplatz vor. (Bild: Visualisierung: Ive Zumbühl)

So stellt sich das Komitee den Springbrunnen am Zuger Postplatz vor. (Bild: Visualisierung: Ive Zumbühl)

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Die Diskussionen um die Zukunft des Postplatzes – sowohl des oberen wie auch des unteren Teils – gehen weiter. Auf der politischen Agenda steht die Parkplatzsituation auf dem unteren Postplatz, jenem Bereich auf der Ostseite des Regierungsgebäudes. Für die einen sind die Plätze unnötig, für die anderen unverzichtbar, um das Leben in der Altstadt zu erhalten. Geplant ist, im Rahmen der Umgestaltung des Postplatzes die Parkiermöglichkeiten auf dem unteren Postplatz aufzuheben. Diskutiert werden das Vorhaben und der dafür nötige Baukredit von 1,3 Millionen Franken am kommenden Dienstag im Grossen Gemeinderat. Es verspricht, eine hitzige Debatte zu werden. Denn nach der Bau- und Planungskommission hat sich nun auch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) gegen die Aufhebung ausgesprochen – deutlich mit 5 zu 1 Stimme. «Eine klare Mehrheit der Kommission ist der Meinung, dass neue Überlegungen zur Platzgestaltung dieses wichtigen Ortes in unserer Stadt angestellt werden müssen», heisst es im Bericht der GPK. Die Kommission sei sich dabei durchaus dessen bewusst, dass eine breit überzeugende Lösung in dieser Frage nicht einfach zu finden sein werde.

Zur Erinnerung: Sowohl der obere wie auch der untere Postplatz sollen umgestaltet und zu einer Einheit werden. Die Umgestaltung des oberen Teils hat das Stimmvolk 2008 bereits beschlossen. Im Zuge der gesamten Umgestaltung ist unter anderem vorgesehen, Sitzbänke auf den Plätzen zu installieren und 60 oberirdische Parkplätze – sowohl auf dem oberen als auch auf dem unteren Platz – aufzuheben. Im angrenzenden Parkhausneubau werden 100 öffentliche Parkplätze als Ersatz erstellt.

Unterschriftensammlung stösst bei vielen auf Interesse

Der Widerstand gegen die Umgestaltung des unteren Postplatzes kommt nicht nur aus den Kommissionen. Eine neu gegründete Interessengemeinschaft (IG) ist seit wenigen Tagen unterwegs und sammelt Unterschriften gegen die Aufhebung der Parkplätze. «Die Parkplätze auf dem unteren Postplatz müssen unbedingt erhalten bleiben», sagt Eva Lohri. Sie ist Gründungsmitglied der IG und Mitinhaberin von Lohri Joaillerie und Uhren an der Neugasse. Für die Geschäfte rund um den Postplatz und vor allem noch weiter südlich in der Altstadt sei es essenziell, dass es auch oberirdische Parkplätze gebe. Vor allem solche, die für das Kurzzeitparkieren zur Verfügung stünden. «Wenn man diese Parkplätze aufhebt, kann das für einige Geschäfte das Aus bedeuten», ist Lohri überzeugt. Für sie und ihre Mitstreiter ist, wie Lohri betont, die Diskussion um die Parkplätze auf dem unteren Postplatz deshalb eine Diskussion darüber, ob man Geschäfte und Leben in der Altstadt erhalten will oder nicht.

Das Anliegen der Interessengemeinschaft stösst laut Lohri auf breite Zustimmung. Unterstützung erhält die IG von Gewerbetreibenden und Gastronomen, aber auch von Bewohnern der Altstadt. «Wir haben an den beiden Nachmittagen, an denen wir unterwegs waren, schon rund 70 Unterschriften gesammelt», sagt Lohri. Von politischer Seite erhält das Anliegen ebenfalls Unterstützung. Von verschiedenen Mitgliedern aus Parteien habe das Anliegen Zuspruch erhalten, sagt Lohri. Und auch der Gewerbeverein der Stadt Zug will sich dagegen wehren, dass die Kurzzeitparkplätze auf dem unteren Postplatz verschwinden sollen. Er hatte sich bereits vor rund einem Monat zu Wort gemeldet. Dass man auf diesen Plätzen das Auto kurze Zeit abstellen könnte, um kleinere Besorgungen oder Erledigungen zu machen, habe sich bewährt, sagte der Präsident des Gewerbevereins, Felix Kalt, damals gegenüber unserer Zeitung (Ausgabe vom 26. Juli).

Stühle statt Bänke im oberen Bereich

Den Fokus auf die Gestaltung des oberen Postplatzes legt Freddy Weller. Er ist Präsident der angrenzenden Nachbarschaft Münz und hat ein Komitee gegründet, das das Gestaltungskonzept der Stadt überarbeitet und kritisch hinterfragt unter anderem deshalb, weil das Konzept mit dem freien Platz und den fix installierten Bänken fast zehn Jahre alt ist. «Wir sind der Meinung, dass sich in den letzten rund zehn Jahren einiges verändert hat – unter anderem die Gewohnheiten der Bevölkerung, aber auch die Verkehrssituation für den Postplatz mit dem Nein zum Stadttunnel. Dem muss in der Gestaltung Rechnung getragen werden», sagt Weller. Das Komitee hat dabei ganz klare und vor allem überraschende Ideen: Ein Springbrunnen soll es sein. «Wir stellen uns etwas Ähnliches vor wie auf dem Bundesplatz in Bern», sagt Weller. Das Wasser soll also aus mehreren Düsen aus dem Boden schiessen. «Das Wasser zieht die Leute an. Das sieht man in Bern. Kinder rennen durch den Wasserstrahl und kühlen sich an heissen Sommertagen ab, es ist ein schönes Fotosujet, und wenn die Düsen noch mit LED-Lichtern ausgestattet werden, bringen sie Farbe auf den Platz», beschreibt Weller die Idee. Ein solcher Springbrunnen würde laut dem Quartiervereinspräsidenten zudem auch eine Tradition der Stadt fortführen. «Von der Frauenkapelle in der Altstadt bis zum Hirschenplatz gibt es mehrere Stadtbrunnen. Diese moderne Version eines Brunnens auf dem Postplatz würde da anknüpfen und Altes und Neues verbinden, wie dies der Postplatz in seiner Scharnierfunktion zwischen der Altstadt und der Neustadt auch tut.»

Das Komitee will auch das Sitzkonzept auf dem oberen Postplatz überarbeiten. Statt fest installierter Bänke soll der Platz mit Stühlen ausgestattet werden, ähnlich wie der Sechseläutenplatz am Zürcher Bellevue. «Die Leute wollen nicht mehr auf fix installierten Bänken sitzen. Man will sich frei bewegen», ist Weller überzeugt. Die Stühle würden für grosse Flexibilität sorgen. «Man kann sich in Gruppen zusammensetzen oder auch allein, am Morgen Richtung Osten blickend – also weg vom See –, einen Kaffee trinken und sich die Sonne ins Gesicht scheinen lassen», so Weller. Seine Idee hat das Komitee der Stadt bereits einmal vorgelegt. Weller: «Wir warten nun die Diskussion zum unteren Postplatz am Dienstag ab und werden dann danach noch einmal vorstellig.»

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