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ZUG: Ein wilder Abend mit bitteren Folgen

Ein Vorfall nach der Landammannfeier gibt derzeit in der ganzen Schweiz zu reden. Die Aussagen der beiden Betroffenen widersprechen sich.
Charly Keiser
Als der Abend noch jung war: Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin an der Land­ammannfeier. (Bilder Charly Keiser)

Als der Abend noch jung war: Markus Hürlimann und Jolanda Spiess-Hegglin an der Land­ammannfeier. (Bilder Charly Keiser)

Was ist am letzten Samstag an der Landammannfeier bloss in Markus Hürlimann (40) und Jolanda Spiess-Hegglin (34) gefahren? Die beiden klebten den halben Abend aneinander wie zwei frisch Verliebte. Zumindest politisch haben die zwei sonst das Heu gar nicht auf der gleichen Bühne: Er ist Präsident der SVP des Kantons Zug, sie Co-Präsidentin der Alternativen-die Grünen. Die versam­melte Zuger Politprominenz schüttelte ob des Auftritts der beiden unisono den Kopf. Manch einer dachte an den möglichen Flurschaden, den Spiess und Hürlimann damit in ihren Ehen und Familien anrichten könnten.

«Seid ihr zwei ein Paar?» Dies fragte denn auch ein Kantonsrat die beiden ganz direkt, wie er unserer Zeitung gegenüber ausführt. «Sie haben auf meine Frage hin nur gelacht», sagt der Parlamentarier. Der Autor dieser Zeilen war ebenfalls Zeuge des Auftritts der beiden Parteipräsidenten – sowohl während des Festes auf den beiden Partyschiffen als auch danach in der «Schiff»-Bar (siehe Box).

In Stellung gebracht

Was damals noch als Privatsache erschien, hat unterdessen eine ganz andere, öffentliche Dimension angenommen: Am Morgen nach dem Fest liess sich bekanntlich Jolanda Spiess-Hegglin im Kantonsspital ärztlich untersuchen – mit dem Verdacht, ihr seien sogenannte K.-o.-Tropfen verabreicht worden. Und weil sie sich nicht mehr an die Ereignisse der Nacht erinnerte, wie sie sagt. Kurz darauf wurde Markus Hürlimann von den Zuger Strafverfolgungsbehörden verhaftet, einen guten Tag lang festgehalten und dabei einvernommen.

Mittlerweile haben sich beide Parteien in Stellung gebracht und je in einer Medienmitteilung ihre Position zementiert. Daraus ist zu folgern, dass es zwischen den beiden an besagtem Fest als Finalissima im Restaurant Schiff zu einem «Vorfall» gekommen ist, sprich zu Sex. Ob dieser einvernehmlich war oder nicht, darüber herrscht Uneinigkeit.

Rückzug aus dem Getümmel

Klar ist: Hürlimann und Spiess verliessen um zirka 0.45 Uhr den Ort, wo die Festgesellschaft den Abend ausklingen liess. Sie begaben sich vom Parterre hoch in Richtung Toilette, die sich zwei Etagen höher befindet. Dort ist auch ein Nebenzimmer, wo es zum erweiterten Techtelmechtel gekommen sein soll. Doch schon zuvor im Gang sollen die beiden geknutscht haben, sagen Zeugen, die die Toilette aufgesucht hatten. Was genau passiert ist, wissen wohl nur Spiess und Hürlimann.

Hürlimann bestreitet per Anwalt die an ihn gerichteten Vorwürfe, beziehungsweise sich eines strafbaren Verhaltens schuldig gemacht zu haben: «Sämtliche bisher zur Sache befragten Zeugen bescheinigen unmissverständlich ein aus ihrer Sicht einvernehmliches Handeln zwischen den beiden sich persönlich bekannten beteiligten Personen.» Jolanda Spiess-Hegglin wiederum betont in ihrer Medienmitteilung vom 25. Dezember ihren Opferstatus und implementiert damit einen Täter. «Das Ereignis macht mich tief betroffen und erschüttert mich. Ich brauche nun Zeit zur Verarbeitung», schreibt sie. Den nötigen Halt finde sie in diesen Tagen bei ihrer Familie, die sie aber auch schützen wolle. Ihr gehe es den Umständen entsprechend gut, teilt sie weiter mit: «Ich arbeite eng mit den Untersuchungsbehörden zusammen und behalte mir eine Anzeige gegen Markus Hürlimann vor.»

Dies hatte Jolanda Spiess vorerst nicht gemacht. Trotzdem wurde die Polizei aktiv – nachdem sie vom Spital wegen des Verdachts auf ein Offizialdelikt eingeschaltet worden war. Erste handfeste Indizien, ob es tatsächlich ein Opfer und einen Täter gibt, bringen wohl frühestens die medizinischen Resultate.

Bei solchen Vorfällen würden die nach Standard üblichen und vorgeschriebenen Untersuchungen vorgenommen, verrät ein Arzt unserer Zeitung. «Da wird zum Beispiel abgeklärt, ob es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist und ob dabei Gewalt angewendet wurde.» Auch wurden gemäss Polizei Blut- und Urintests gemacht. Ob K.-o.-Tropfen, Drogen oder übermässiger Alkoholkonsum im Spiel waren, ist Gegenstand der Analyse. Gemäss Judith Aklin von der Zuger Polizei ist etwa in der ersten Januarwoche mit den entsprechenden Resultaten zu rechnen.

«Wie an der Schulabschlussparty»

Zahlreiche am Fest anwesende Parlamentarier fassten mit Blick auf den Vorfall ihr Unverständnis sinnesgemäss so zusammen: «Es ist einfach unglaublich, dass sich zwei Erwachsene nicht im Griff haben und sich wie Jugendliche an der Schulabschlussparty benehmen.»

Bombastische und stilvolle Party

Landammannfeierkk. Die von der Stadt Zug organisierte und bezahlte Landammannfeier vor einer Woche zu Ehren von Heinz Tännler begann um 16.30 Uhr auf Landsgemeindeplatz. Das Volk genoss dabei das von der Stadt offerierte Risotto, die Würste, Getränke und die Musik. Nach den Reden von Stadtpräsident Dolfi Müller und Heinz Tännler begaben sich die geladenen Gäste ab 18.30 Uhr zur Anlegestelle beim Landsgemeindeplatz. Dort lagen das MS «Zug» und das MS «Rigi» fest vertäut und als schwimmende Partyschiffe vor Anker.

Die auserlesene Gästeschar konnte sich an den Vorspeisen-, Haupt- und Dessertbuffets bedienen. Alkohol floss grosszügig – aber (anders als gewisse Medien glauben machen wollen) nicht masslos. Es gab Leute, die sich ihr Glas oft und gerne auffüllen liessen, andere hielten sich vornehm zurück, und viele tranken gar keine alkoholischen Getränke.

«Absackerl» an der Bar

Auf den beiden Schiffen spielte verschiedene Musik, und es gab mannigfache Unterhaltung. Es wurde getanzt und den Reden von Adrian Risi, Stefan Schmidlin und Heinz Tännler gelauscht. Ab 23 Uhr verliessen viele Teilnehmer das Fest und traten wohl den Heimweg an. Rund 50 Gäste verschoben sich zur offerierten «Verlängerung» in die Bar im Parterre des Restaurants Schiff. Dort genehmigten sich die Anwesenden noch ein Absackerl. Nur eine einzige Person (die nichts mit dem hier beschriebenen Vorfall zu tun hat) war offensichtlich stark angetrunken, als kurz vor 2 Uhr (fast) alle Gäste dank alt Landschreiber Tino Jorio das Lokal verliessen. >

Jolanda Spiess-Hegglin und Markus Hürlimann. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

Jolanda Spiess-Hegglin und Markus Hürlimann. (Bild: Charly Keiser / Neue ZZ)

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