ZUG: Ein Zuger für die heiklen Fälle

«Der Bestatter» feiert heute Fernsehpremiere. Mit dabei ist Samuel Streiff. Den Umgang mit dem Tod empfindet er als Privileg.

Falco Meyer
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Der Zuger Samuel Streiff (links kniend) ermittelt in «Der Bestatter» (Bild: SRF)

Der Zuger Samuel Streiff (links kniend) ermittelt in «Der Bestatter» (Bild: SRF)

Falco Meyer

«Dieser Charakter ist mir eigentlich nicht sehr nahe», sagt Samuel Streiff und lacht, «und trotzdem ist die Rolle für mich ein Fest. Es ist eine Nebenfigur, aber so dicht geschrieben, dass man unglaublich viel rausholen kann.» Streiff ist in Zug aufgewachsen, hat die Kanti ein Jahr vor der Matura abgebrochen, um Schauspieler zu werden, nachdem es in Zürich beim Vorsprechen an der Schauspielschule auf Anhieb geklappt hatte. Und jetzt kommt er zurück nach Zug, wenn auch nur in die Zuger Fernseher: «Der Bestatter» läuft heute Abend zum ersten Mal über die Schweizer Bildschirme, mit Mike Müller und Barbara Terpoorten und, eben, Samuel Streiff.

Ein wildes Durcheinander

Er ist entspannt und gerade aus den Ferien zurück, die Proben eines anderen Projekts haben zwar schon angefangen – Streiff ist selbstständiger Schauspieler – aber jetzt geht es erst mal um die vierteilige Serie. «Ich spiele darin einen aggressiven und ehrgeizigen Polizisten. Er ist alleinerziehend und damit völlig überfordert», sagt er und wirkt begeistert. Es ist seine erste grössere Filmrolle, denn eigentlich ist Streiff auf der Theaterbühnen zu Hause.

Die Arbeit vor der Kamera ist etwas ganz anderes: «Die Dreharbeiten für die vier Episoden waren oft wild durcheinandergemischt, am Vormittag stand eine Szene aus dem vierten Teil auf dem Programm, am Nachmittag eine aus dem ersten.» Wie das geht? «Man muss sich aufs Drehbuch konzentrieren. Ich habe mir immer dazugeschrieben, woher meine Figur gerade kommt und womit sie gerade beschäftigt ist.» Und für die Schauspieler sei die Hektik nicht halb so schlimm wie für die Dreh-Crew. «Die haben wirklich alles gegeben. Sets in Windeseile auf- und wieder abgebaut, und dann schnell zum nächsten», erzählt der 37-Jährige.

Mit viel Begeisterung

«Das Team hat unglaublich gut zusammengepasst», sagt Streiff. Es habe grossen Spass gemacht. Nun sei er aber gespannt, wie es filmisch weitergehen werde. «Ich würde auf jeden Fall gerne wieder vor der Kamera stehen. Und ich hoffe, unsere Begeisterung für das Projekt ist für das Publikum spürbar.» Gesehen hat er erst den ersten Teil, die Fernsehpremiere schaut sich das gesamte Team heute Abend gemeinsam an. «Dann muss nicht jeder händeringend alleine zu Hause auf der Couch sitzen», sagt Streiff lachend.

Unterhaltung mit dem Tod

Die Krimiserie hat Hand und Fuss, davon ist Streiff überzeugt, es sei sogar eine mit Tiefgang. «Die Autoren und die Regie haben das gut getroffen, finde ich. Es ist Unterhaltung, aber sie dreht sich im Kern um den Umgang mit dem Tod, und zwar auf eine ehrliche Art.» Es sterben auch Leute, die nicht ermordet werden, mal tragisch und auch mal einfach so, aber: «Es geht weiter. Der Tod wird in der Serie nicht als etwas Heiliges behandelt. Er ist es auch nicht, denn am Schluss sind wir alle tot, und das Leben geht weiter», sagt Streiff und ergänzt, dass der berufsmässige Umgang mit solchen Themen ein Privileg der Schauspieler sei. «Wie geht man damit um, wenn es schlecht geht im Leben? Und wie erst, wenn es gut geht? Sich im Theater damit zu beschäftigen, befriedigt ein urmenschliches Bedürfnis.» Sein schauspielerischer Zugang dazu liege immer öfter in der Emotionalität, etwa im Stück «Gift», in dem Streiff bald im Theater Winkelwiese in Zürich den Vater eines tödlich verunfallten Kindes spielt. «Das ist ein sehr berührender Text, die Arbeit daran berührt uns Schauspieler, und ich möchte, dass sich das auf die Zuschauer überträgt.» Ob das nicht auch ohne emotionale Beteiligung am Thema ginge? «Vielleicht», sagt er und lacht, «aber dann würde das Schauspielen ja keinen Spass mehr machen.»