Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

ZUG: Eine reichhaltige Vorstellung zum Abschied von Felix Hauswirth

Die Stadtmusik hat zum letzten Mal unter der Leitung von Dirigent Felix Hauswirth gespielt, der nach 38 Jahren den Stab weiterreicht. Sein Nachfolger, den er selbst ausgebildet hat, stammt aus Baar.
Roger Daniel Tanner
Die Stadtmusik Zug präsentiert im Theater Casino rassige und gemächliche Stücke. (Bild: Werner Schelbert (18. November 2017))

Die Stadtmusik Zug präsentiert im Theater Casino rassige und gemächliche Stücke. (Bild: Werner Schelbert (18. November 2017))

Roger Daniel Tanner

redaktion@zugerzeitung.ch

Immer mehr Vereine buhlen um immer weniger Mitglieder. Das zeigt sich zum Beispiel bei Musikvereinen und Chören. Um diesem Trend etwas Gegensteuer zu geben, arbeiten heute viele Ensembles auf Projektbasis. Das Konzept wirkt. Es schleicht sich keine Routine ein. Wer sich für ein Projekt anmeldet, ist entsprechend motiviert. Wer ein Projekt aussetzt, ist gegebenenfalls beim nächsten Mal mit vollem Elan wieder mit dabei. Diese damals bei Musikgesellschaften noch völlig unbekannte Arbeitsweise hat der neugierige und mutige Dirigent Felix Hauswirth kurz nach dem Millennium eingeführt. Das Resultat gibt ihm Recht. Schon seit vielen Jahren bringt die Stadtmusik Zug beachtenswerte Konzerte auf die Bühne. Dazu gesellen sich je nach Bedarf professionelle Musiker und Studenten, die Stabilität und Sicherheit für die Musizierenden vermitteln.

Das jüngste Programm «Bye» beweist dies erneut auf eindrückliche Art. Wie der Name allerdings schon vermuten lässt mit einem kleinen Wermutstropfen. Nach 38 «Dienstjahren» war das Konzert am vergangenen Samstag bei voll besetzten Rängen im Theater Casino Zug Felix Hauswirths Derniere bei der Stadt­musik. Es scheint, als hätte der scheidende Dirigent ein Faible für szenische Musik. Wiederholt verwandelte er das Casino in einen Kinosaal, der Filme zeigte, deren Protagonisten aus Holz und Messing sprachen.

Vielversprechender Auftakt

Als rassiger Einstieg erklang die Uraufführung des «Zuger Saluts» von Hauswirth-Schüler Fabian Schmid. Mit schmetternden Pauken und Trompeten fühlte sich das gebannte Publikum in dramatische Filmszenen aus «Krieg der Sterne» versetzt. Schmid ist den Stadtmusikern kein Unbekannter, komponierte er doch schon für manchen Märlisunntig die passende Musik. Mit der sauber ausgestalteten Dynamik und der aufmerksam aufgenommenen Agogik zeigte das Orchester zwei seiner beachtenswerten Qualitäten. Darauf folgte der Auftritt des süddeutschen Solisten Uwe Mattes. Genüsslich präparierte er seine vier Schläger zu Alfred Reeds «Concertino for Marimba and Winds». Besonders in der mystisch-verträumten Nocturne konnte er sein musikalisches Können voll entfalten und beeindruckte mit einer ausgedehnten Solokadenz.

Im anschliessenden Scherzetto, das an die spannungsgeladene Untermalung eines Animationsfilms aus den 50er-Jahren erinnerte, waren die hohen Instrumente wie Klarinetten und Flöten gefordert, die flotten Sprünge zu bewältigen, was vereinzelt unrein wirkte. Im Schlusssatz Toccata versetzte die Stadtmusik, einer Big Band gleich, mit einem schmissigen Swing den Saal in Tanzlaune, was mit einem spontanen Applaus quittiert wurde.

Mit «Give Us This Day» des eben erst verstorbenen US-Komponisten David Maslanka zollte Felix Hauswirth einem der besten Blasmusikkomponisten der jüngeren Zeit seinen Tribut. Hier zeigte sich auch das grosse Vertrauen des Orchesters in seinen Dirigenten. Nur so lassen sich solche Herausforderungen gelungen meistern. Der Slow-Teil war von grosser Klangwärme und verschiedenen Spezialeffekten wie dem Zupfen des Klaviers gekennzeichnet. Im schnellen Satz, der stellenweise an einen Truppenaufmarsch erinnerte, hatten die Perkussionisten alle Hände und vor allem Füsse voll zu tun, was das Publikum zu einem weiteren stürmischen Beifall bewegte. Nach der Pause wähnte man sich tatsächlich im Theater. Der aus den eigenen Reihen stammende Trompeter Thomas Inglin mutierte zum kratzbürstigen Seemann, der von seinesgleichen und von Walen atemraubende Geschichten zu erzählen wusste, die Francis McBeth vertonte. So war das Gesprochene auch klanglich beeindruckend nachzuerleben.

Den Nachfolger selbst ausgebildet

Mit «Mountain Majesty» von Franco Cesarini, dem allerersten Studenten von Felix Hauswirth an der Musikhochschule in Basel, nahm die begeisterte Menge zum Schluss ein wahres Klangbad. Dass hier nicht einfach Schluss ist, ist auch der umsichtigen Führung des Dirigenten zu verdanken. So erwähnte der Zuger Stadtpräsident Dolfi Müller in seiner Laudatio, dass der Kapitän nicht einfach das sinkende Schiff verlässt. Mit dem Baarer Sandro Blank, den Hauswirth selber ausgebildet hatte, holte er einen fähigen Piloten ans Steuer. Damit dürfte auch für die Zukunft viel Spannendes und Unterhaltsames von der Stadtmusik zu hören sein.

Mit der sympathischen Aufforderung des Stadtmusik-Präsidenten Ralph Rüssli erhob sich zum Abschied von Felix Hauswirth der gesamte Saal zur feierlichen Respektsbekundung. Dirigent und Orchester bedankten sich darauf mit dem Spiel des Zuger Marsches von Hans Flury.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.