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ZUG: Einer lässt in Sachen Attentat nicht locker

Eine Privatperson will neue Fakten haben, wie der Attentäter Friedrich Leibacher am 27. September 2001 ums Leben gekommen ist.
Marco Morosoli
Blumen erinnern am Jahrestag (27. September) an das Attentat in Zug. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Blumen erinnern am Jahrestag (27. September) an das Attentat in Zug. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Der 27. September 2001 war für den Kanton Zug und die Schweiz ein schwarzer Tag. Friedrich Leibacher stürmte während einer Kantonsratssitzung das Zuger Regierungsgebäude und tötete dort in weniger als drei Minuten 14 Politiker. Hinterher richtete sich der Attentäter selber. Dies stellten die Zuger Polizei und die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug in einer detaillierten Untersuchung fest.

Das Ergebnis wurde vor zwei Jahren noch von einer dritten Instanz – dem beigezogenen St. Galler Staatsanwalt Beat Fehr – bestätigt. Dieser Jurist war aufgrund von Vorwürfen eines Zuger Brüderpaares als unabhängige Instanz berufen worden, den Fall nochmals aufzurollen. Die beiden hatten öffentlich behauptet, dass Leibacher sich nicht selber erschossen habe, sondern durch einen gezielten Schuss eines Polizisten getötet worden sei.

Links- oder Rechtshänder

Doch einer der beiden vorerwähnten Brüder lässt immer noch nicht locker. Er hat der Zuger Regierung ein Schreiben geschickt, das unserer Zeitung vorliegt. Unter der Ziffer 1 schreibt der Absender: «Da sich im Rahmen meiner Ermittlungen zum Ableben des Friedrich Leibachers neue signifikante Fakten ergeben haben, orientiere ich Sie über die Ergebnisse.»

Nachgeforscht hat der private Ermittler – zusammen mit seinem Bruder – unter anderem bei der mittlerweile verstorbenen Mutter von Friedrich Leibacher. Diese habe bestätigt, dass ihr Sohn Linkshänder gewesen sei. Alle Bemühungen ihn «umzudrehen» – ein damals übliches Prozedere – seien jedoch gescheitert. Dies führt den Briefschreiber zum Schluss, dass sich der Zuger Attentäter nicht selber erschossen haben könne. Für den privaten Ermittler ist das deshalb naheliegend, weil der finale Schuss von Leibacher auf der rechten Schläfenseite in seinen Kopf eindrang. Im Schlussbericht in der Form einer Einstellungsverfügung, er wurde im Oktober 2003 veröffentlicht, sei denn auch davon die Rede, dass der Zuger Attentäter Rechtshänder gewesen sei. Eine Feststellung, die, so der Briefschreiber, aber nicht stimmen könne. Mehr noch: Er moniert, dass die Fotos des toten Amokläufers keineswegs schlüssig seien. Dies führt ihn zur Feststellung, dass es sich um manipulierte Leichendarstellungen handle.

Zur Untermauerung seiner Linkshänderthese hat der Mann ein Foto von Friedrich Leibacher beigelegt, das ihn im Alter von 26 Jahren zeigt. Zu diesem Schnappschuss schreibt er: «Leibacher sitzt in einem offenen Ami-Cabriolet neben zwei Frauen. In seiner linken Hand hält er eine Zigarette und winkt auch mit dieser Hand dem Fotografen zu.» Für den privaten Ermittler ein weiteres Indiz, dass Leibacher Linkshänder gewesen sein muss. Weiter schreibt er: «Abgesehen davon ereignet sich ein Suizid unter hohem psychischen Druck und dann dominieren die Lebensgewohnheiten, sodass ein Linkshänder ausschliesslich immer die linke Hand nutzen wird.»

Aus all den von ihm aufgelisteten Fakten kann es für den Briefschreiber nur einen Schluss geben: «Friedrich Leibacher konnte sich nicht so erschossen haben, wie die Zuger Strafrechtsbehörden es darlegen. Dies ist völlig unmöglich.» Und diese ausgeforschten Fakten haben den Mann dazu bewogen, bezüglich des Zuger Attentats wieder aktiv zu werden. Der Mann, der den Schlussbericht nach eigenem Bekunden auswendig aufsagen kann, fordert von den Zuger Behörden: «Ich will einfach, dass der Sachverhalt des Attentats wahrheitsgetreu geklärt wird.» Um seinen Frieden zu finden, möchte er, wie er im Gespräch sagt, «alles wissen». Sein Einsatz dürfe aber keinesfalls als Unterstützung von Leibacher verstanden werden: «Das Schicksal von Leibacher interessiert mich nicht. Die Menschen, die ums Leben gekommen sind, tun mir hingegen unendlich leid.»

Den Eingang des Briefes bestätigt

Der Zuger Landschreiber Tobias Moser bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass der Brief auf der Staatskanzlei eingetroffen sei. «Ich habe ihn ans Obergericht weitergeleitet», sagt Moser. Dies deshalb, weil die Exekutive in dieser Sache nicht zuständig sei. Unklar ist in dieser Sache, welche Klassifikation das Schreiben hat. Eine klare Forderung ist jedenfalls nicht erkennbar.

Weiteres Beweismittel

Iris Studer-Milz, die Präsidentin des Obergerichtes, hat den besagten Brief auf ihrem Pult. Noch könne sie aber nicht sagen, was in dieser Sache weiter geschehe. Möglich wäre laut Tobias Moser, das Schreiben aufsichtsrechtlich anzuschauen, aber auch die Wiederaufnahme des Verfahrens zu erwägen. Dies geht aus dem Artikel 323 der Schweizerischen Strafprozessordnung hervor. Dort steht unter Absatz 1: «Die Staatsanwaltschaft verfügt die Wiederaufnahme eines durch Einstellungsverfügung rechtskräftig beendeten Verfahrens, wenn ihr neue Beweismittel und Tatsachen bekannt werden, die für eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der beschuldigten Person sprechen, und sich nicht aus den früheren Akten ergeben.»

Da die Staatsanwaltschaft dem Obergericht generell unterstellt ist, könnte wohl dieses Aufsichtsorgan eine Wiederaufnahme des Verfahrens in Sachen Zuger Attentat anordnen.

Laut Marcel Schlatter, dem Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, ist der Staatsanwaltschaft das Schreiben des privaten Ermittlers bisher nicht zugegangen. Schlatter ist aber in einer Hinsicht unmissverständlich: «Eine Neuaufnahme des Verfahrens ist kein Thema.» Mit einer solchen Antwort dürfte sich der Briefschreiber wohl nicht zufriedengeben: «Ich habe noch ein weiteres Beweismittel in der Hand, das meine Behauptung stützt.»

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