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ZUG: «Einfach so drauflos, ist nicht meine Art»

Reto Kaufmann leitet derzeit zwei Pfarreien in Luzern. In einem Jahr wird er als Pfarrer in Zug anfangen. Und will erst einmal zuhören.
Samantha Taylor
Elf Jahre lang wirkte Reto Kaufmann als Pfarrer in der Kirche St. Anton in der Stadt Luzern. Nun wechselt er auf Wunsch des Bistums in den Kanton Zug. (Bild Pius Amrein)

Elf Jahre lang wirkte Reto Kaufmann als Pfarrer in der Kirche St. Anton in der Stadt Luzern. Nun wechselt er auf Wunsch des Bistums in den Kanton Zug. (Bild Pius Amrein)

«Puh, diese Woche ist es schwierig», sagt Reto Kaufmann auf die Anfrage für einen Interviewtermin. Der Pfarrer, der die Pfarreien St. Anton und St. Michael in der Stadt Luzern leitet, ist viel beschäftigt. Sitzungen, Seelsorge, Arbeiten in der Gemeinde, Gottesdienste und vor allem «einfach da sein» füllen seinen Tag. «Es gibt immer Zeiten, in denen sich alles ballt. Es kommen auch wieder andere», sagt Kaufmann. Letztlich finden wir einen Interviewtermin um 8 Uhr.

Elf Jahre Pfarrer in Stadt Luzern

Seit elf Jahren ist Reto Kaufmann in Luzern tätig. Noch ein Jahr – und dann wird er im Nachbarkanton wirken. Ab November 2016 ist der 50-Jährige in Zug für seine Mitmenschen «da», wie er sagt. Kaufmann übernimmt die Leitung der Stadtzuger Pfarrei St. Michael und des Pastoralraums Zug-Walch­wil. Für ihn ist es nicht der erste Ausflug in den Kanton Zug. Von 1998 bis 2004 war er bereits in der Chamer Pfarrei St. Jakob als Vikar tätig. «Ich habe keine besondere Verbindung zu Zug. Ich wurde vom Bistum angefragt», sagt Kaufmann, der ursprünglich aus Knutwil im Kanton Luzern stammt.

«Ich bin einer, der lieber abwartet»

Fragt man bei seinen Arbeitskollegen nach, wie er denn so sei, der Chef, dann fallen Worte wie «wohlwollend», «weltoffen», «humorvoll», «wertschätzend» und «respektvoll». Er ermögliche den Mitarbeitern, eigenverantwortlich zu arbeiten, sagt ein Mitarbeiter auf Anfrage. Der Pfarrer selbst beschreibt sich als Menschen, der «gerne zuhört und hinschaut». «Ich werde nicht mit einem vorgefertigten Päckli nach Zug kommen», sagt er. Er wolle sich auf den neuen Ort einlassen, mit den Leuten reden – sowohl mit den Mitarbeitern als auch mit der Bevölkerung. Erst dann werde er sich ein Bild von seiner neuen Umgebung machen. «Ich bin einer, der lieber abwartet und Dinge auch mal entstehen lässt. Einfach so drauflos, das ist nicht meine Art.» So sei er noch nie gewesen.

Kaufmanns Werdegang widerspiegelt seine Worte. Aufgewachsen auf dem Land, war er – wie im Dorf üblich – als Kind Ministrant und später Lektor. Er machte eine kaufmännische Lehre. Schon als junger Mann sei für ihn aber klar gewesen, dass es die Menschen seien, die ihn interessieren. «Ich hatte einen starken Wunsch, mit Menschen zu arbeiten», erinnert sich Reto Kaufmann. Mit 22 Jahren absolvierte er eine Ausbildung am Katechetischen Institut und war fortan als Katechet und Religionslehrer in Sempach tätig. Den Entscheid, sein Leben ganz der Kirche zu verschreiben, hat der Luzerner mit 33 getroffen. «Es war ein langer Weg», sagt er heute. «Ich habe mir sehr genau überlegt, ob all das, was ein solches Amt mit sich bringt, für mich passt. Und ob das eine Lebensform ist, zu der ich Ja sagen kann.»

Heute ist er überzeugt, dass es eine Lebensform sei, die ihm entspreche. «Natürlich verzichte ich auf gewisse Dinge.» Aber man dürfe sich auch nicht vorstellen, dass das Leben als Pfarrer total einsam sei. «Ich musste keine Beziehungen aufgeben.» Noch heute pflegt der 50-Jährige regen Kontakt mit seinen Geschwistern und Freunden und ist dankbar, dass er, wie er sagt, noch ein Umfeld ausserhalb des «Kirchen-Kuchens» hat. «Man bleibt auch als Pfarrer ein Mensch», sagt er und lacht herzhaft.

Reto Kaufmann steht auch ein für Offenheit. Eine Eigenschaft, die dem 50-Jährigen wichtig ist, und zwar nicht nur bei sich selbst. «Die katholische Kirche muss offen sein, und sie muss offene Türen haben», formuliert er etwa seine eigenen Erwartungen. Schliesslich bestehe die Kirche aus Menschen und nicht aus einem Gebäude oder Strukturen. «Sie ist ein Abbild und gleichzeitig ein Teil unserer Gesellschaft. Das muss man spüren.» Die Wahl von Papst Franziskus habe dazu einiges beigetragen. «Die katholische Kirche wird anders wahrgenommen. Es hat frischen Wind gegeben – man spürt den Heiligen Geist, der durchfegt», ist Kaufmann überzeugt.

«Kirche rechnet nicht in Jahren»

Gleichzeitig sei es Realität, dass es innerhalb der katholischen Kirche verschiedene Strömungen gebe und Änderungen Zeit brauchten. «Wissen Sie, die katholische Kirche rechnet nicht in Monaten oder Jahren. Wir haben da ein anderes Zeitverständnis», sagt er. Der Luzerner Pfarrer selbst gibt sich in gewissen Punkten liberal. So würde er etwa Geschiedenen den Segen erteilen. Auf die Frage, wie er bei einem homosexuellen Paar handeln würde, stockt er. Ein klares Ja oder Nein ist ihm nicht abzuringen. «Es kommt auf die Umstände an. Meist findet man einen Weg», sagt er und fügt an: «Ich bin grundsätzlich offen, will meine Werte aber nicht verleugnen.» Eine ganz klare Antwort bekommt man von Kaufmann, wenn man ihn auf die Geschehnisse in der Welt und vor allem die Flüchtlingsthematik anspricht. Christliches Verhalten sei gefragt, sagt er und zitiert aus dem Matthäus-Evangelium: «Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.»

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