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ZUG: Eingeigelt und doch verbunden

Der Künstler Christoph Rütimann schafft raumverbindende Interventionen. In einer 24-stündigen Performance hat er eine Holzkugel vor dem Kunsthaus ausgekleidet.
Martin Mühlebach
Christoph Rütimann vor seiner Holzkugel und dem Zuger Kunsthaus. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 11. Juli 2017))

Christoph Rütimann vor seiner Holzkugel und dem Zuger Kunsthaus. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 11. Juli 2017))

Martin Mühlebach

redaktion@zugerzeitung.ch

Vor dem sich im Umbau befindenden Kunsthaus Zug thront eine imposante Holzkugel mit einem Durchmesser von drei Metern auf einem grossen weissen Sockel. Es ist ein Werk des Künstlers Christoph Rütimann. Dieser befand sich am vergangenen Dienstag während einer 24-stündigen Performance im Inneren des besagten Kunstwerkes. In dieser Zeit kleidete er die Kugel mit rund 7 Kubikmetern Abbruch­material des Kunsthauses aus.

Seine Anwesenheit ist kaum wahrnehmbar

Christoph Rütimann, der seine «Behausung» nur kurz verliess, um in einem Handlauf-Video neue Sichtweisen des Kunstmuseums aufzuzeigen und mit den rund 30 anwesenden Kunstinteressierten einige Worte zu wechseln, betonte: «Das Gerüst, das derzeit das Kunsthaus einrahmt, gleicht der Holzkugel: Beide grenzen einer Abwehr gleich ab, während die Öffnung gegen aussen gewährleistet ist. Faszinierend ist, dass sich dadurch verschiedene Gesichtspunkte ergeben.»

Von aussen sei seine Anwesenheit im Innern der Holzkugel kaum wahrzunehmen, während er die Aussenwelt klar zu erkennen vermöge. Die Stacheln der Installation und die von innen nach aussen ins Holz getriebenen Nägel seien zugleich höchst empfindliche Antennen, die Informationen von aussen nach innen übertrügen.

Matthias Haldemann, der Direktor des Kunsthauses Zug, erklärt: «Mit der Installation ‹Holz­kugel› setzt Christoph Rütimann das in den 1990er-Jahren begonnene Projekt ‹Sammlung› fort. In diesem Projekt setzen sich verschiedene Künstler vor Ort mit dem Kunsthaus, der Bevölkerung und der Stadt auseinander. Niemand weiss, wohin der Weg des Raums und seiner Veränderung führt.»

Mit der Performance schaffe sich Rütimann auf öffentlichem Raum ein Refugium, in dem er während 24 Stunden logiere. Christoph Rütimann greift mit der Installation der Holzkugel nebst der Beziehung zum mit Gerüsten «verbarrikadierten» Kunsthaus ein weiteres aktuelles Thema auf: die heutzutage immer häufiger auftretende Abschottung von der Aussenwelt.

Tausende Menschen ziehen sich in ihre Wohnungen zurück. Die Vereinsamung – vor allem in grossen Wohnblocks und in den Städten – nimmt ständig zu. Selbst Staaten wie die USA glauben, ihr Heil bestehe in einer Abgrenzung gegen aussen.Die Holzkugel vor dem Kunstmuseum in Zug regt zum Nachdenken an.

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