ZUG: Er gehörte praktisch zum Inventar im Internat

Mehr als ein Vierteljahrhundert war er am Kollegium St. Michael tätig. Nun beginnt für den Ex-Rektor Robert Gilli ein neuer Lebensabschnitt.

Julian Feldmann
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Ex-Rektor Robert Gilli freut sich darauf, seinen Hobbys zu frönen. (Bild Werner Schelbert)

Ex-Rektor Robert Gilli freut sich darauf, seinen Hobbys zu frönen. (Bild Werner Schelbert)

Seit 140 Jahren gibt es das Kollegium St. Michael. Die Gründung hat Robert Gilli zwar noch nicht miterlebt – dafür während seiner langen Zeit am Internat eine Menge anderer historischer Momente: Die Abschaffung der Sechstagewoche, der Wandel vom Jungen- zum gemischten Internat nach der Schliessung der Mädchenschule Maria Opferung einen Katzensprung entfernt, die Einführung der fünften und sechsten Primarschulstufe und die Öffnung der Tagesschule für Ausserkantonale sind bloss einige Beispiele.

Vor allem aber hat Gilli viele Schüler und Trends kommen und gehen sehen. Nach seiner Pensionierung auf Anfang Oktober ist nun Zeit, zurückzublicken.

Keine normalen Bürotage

Im Jahr 1987 stiess Robert Gilli, der im Lehrerseminar Hitzkirch selber das Internatsleben kennen und schätzen gelernt hatte, zum Kollegium St. Michael. Er wurde als Internatsleiter eingestellt. «Ich war der erste Nicht-Priester in dieser Position», erinnert sich Gilli. Fünf Jahre später wurde er vom Verwaltungsrat zum Rektor gewählt. Die «normalen Bürotage» waren gezählt. «Es war ein Tagesgeschäft», sagt Gilli und erklärt dessen Ablauf: Angefangen am Morgen, an dem man nicht selten mit Vorfällen aus der vergangenen Nacht konfrontiert wurde, über den Unterrichtsalltag und die Anrufe von Eltern bis zur allabendlichen Schreibtischarbeit, die sich teilweise bis in die Nacht erstreckte.

«Die Herausforderungen waren mannigfach», so Robert Gilli. Einerseits habe man dafür sorgen müssen, dass die Privatschule gefüllt war. Besonders hilfreich waren dabei die ehemaligen Schüler mit ihrer Mundpropaganda. Andererseits ging es darum, das Qualitätslevel des Unterrichts zu halten. Dabei durfte man aber nicht stehen bleiben, sondern musste sich nach vorne orientieren, neue Schul- und Erziehungsformen kreieren. Als hätte ihm dies nicht schon genügend Arbeit beschert, übernahm Gilli zwischen 2003 und 2006 zusätzlich das Direktorenamt am Lehrerseminar St. Michael (heute Pädagogische Hochschule Zug).

«Das Positive hat stets überwogen»

So sass Gilli auch am Wochenende oft in seinem Bürostuhl, um der Arbeit nachzugehen. Dabei kam auch mal die Frage auf: «Will ich das überhaupt?» Aufhören sei für den Rektor trotzdem nie ein ernsthaftes Thema gewesen – der vielen schönen Momente wegen: «Besonders erfreulich war, wenn Ende Jahr alle Schüler eine Lehrstelle gefunden haben.» Gilli erzählt von Schülern, die sich von der Real via Sek einen Weg zur Berufsmatura oder an die Pädagogische Hochschule gebahnt haben. Gegenteilig erinnert er sich auch an Fälle, bei denen Schüler die Regeln gar arg verletzten. So, dass man sie von der Schule verweisen musste. «Da wurde ich schon auch mal sehr wütend», so der eigentlich besonnene Gilli.

Das Positive und die Freude hätten in der Endabrechnung aber deutlich überwogen. Von seinen Schülern hat der Rektor auch eine Menge lernen dürfen: «Ich war immer auf dem neusten Stand und habe die Trends hautnah mitbekommen.» Auch sein Wortschatz sei durch die Jugend erweitert worden. «Die Arbeit hat mich so gesehen jung gehalten», schmunzelt Gilli.

Gilli schaltet einen Gang zurück

Nicht nur für die Schüler war Gilli ein Ansprechpartner, auch deren Väter und Mütter haben oft seine Nummer gewählt. «Das Interesse von Seiten der Eltern ist im Laufe der Jahre stetig gestiegen.» Nun laufen die Drähte seines Telefons nicht mehr derart heiss. Gilli hat vom Berufsstress erst mal genug: «Ich will jetzt ein wenig herunterfahren, nicht mehr ständig auf Achse sein.» Endlich habe er Zeit, seinen Hobbys zu frönen: Blasmusik, Velo- und Schifffahren oder Wandern. «Ich werde aber keine Däumchen drehen» – Gilli sei offen für kommende Projekte. Ganz loslassen kann er auch am Kollegi nicht: «Ich kann nicht alles liegenlassen.» Seinem Nachfolger Björn Engeli will er zwar nicht reinreden. Aber in der Pause oder über Mittag werde Gilli bestimmt mal auf dem Schulareal anzutreffen sein. Schliesslich verbindet ihn noch eine Menge gute Erinnerungen mit der Schule: «In diesen 27 Jahren habe ich immer Freude gehabt an dem, was ich gemacht habe.» Dies sei auch seinen Berufskollegen zu verdanken: «Ich hatte jeweils ganz gute Leute an meiner Seite», so Gilli über die Lehrer und den Verwaltungsrat: «Wir haben immer am gleichen Strick gezogen. Und auf der gleichen Seite des Stricks.»