ZUG: Er hält ein Stück Nostalgie am Leben

Flipperkästen haben Reto Fornara aus Menzingen schon als Kind fasziniert – heute ist er ein gefragter Fachmann für Reparaturen.

Luc Müller
Drucken
Teilen
Stand mit sieben Jahren erstmals an einem Flipperkasten: Reto Fornara. (Bild Alexandra Wey)

Stand mit sieben Jahren erstmals an einem Flipperkasten: Reto Fornara. (Bild Alexandra Wey)

Viele kleine Lämpchen leuchten – und auch die Augen von Reto Fornara. «Sehr gut, du hältst die Kugel lange im Spiel», kommentiert der 47-Jährige den Selbstversuch des Schreibenden. Die beiden sind umringt von Flipperkästen. «Mit 14 Jahren habe ich mir den ersten gekauft und wieder zum Laufen gebracht», erzählt Fornara. Die Liebe zum Flipperkasten begleitet ihn bis heute.

Mit sieben Jahren hat er in einer Beiz zum ersten Mal die Kugeln tanzen lassen – seither ist er von diesem Spielgerät fasziniert. Heute repariert der gelernte Koch und Kellner professionell alte Raritäten, revidiert die Kästen von Privatpersonen und verkauft auch Flipper, die er wieder in Schuss gebracht hat. Seine Spielgeräte vermietet er auf Anfrage auch. «Eine Revision ist immer mit viel Kleinarbeit verbunden und kann bis zu 50 Stunden dauern», erklärt der Flipper-Liebhaber. Das Innere der Kästen sieht für den Laien wie ein Wirrwarr von Drähten, Elektrospulen und Sicherungen aus. Fornara ist Spezialist für die Geräte der ersten Generation bis zirka 1985, die vor allem elektromechanisch funktionierten. Die Flipper der neueren Generation haben alle eine elektronische Steuerung: Das heisst, sie werden von Chips gesteuert.

Die ganz grosse Stärke des Berners: Er revidiert exotische Flippermarken, die von den renommierten Firmen nicht mehr betreut werden. «Ich war früher bei der Firma Hadorn Automaten angestellt. Dort habe ich mein Wissen erweitert und gefestigt.»

Showroom in der Bäckerei

In Menzingen an der Dorfstrasse, in den Räumen der ehemaligen Bäckerei Truttmann, hat er seit kurzem einen Showroom und eine Werkstatt eingerichtet. Die Zimmer stellt ihm ein Kollege zur Verfügung, der die alte Bäckerei gekauft hat. Doch schon stehen die Räumlichkeiten wieder zum Verkauf. Der Flipper-Fachmann, der in Kleindietwil BE wohnt und tageweise in Menzingen ist, weiss deshalb nicht, wie lange er noch hier werkeln kann.

Fantasievolle Themen

«Die Videospiele haben für den Niedergang der Flipperkästen gesorgt», erklärt Fornara. Zuvor, vor allem in den 70er- bis in die späten 90er-Jahre, waren die blinkenden Kisten mit den bunten Glasscheiben in den Beizen eine Attraktion. Aber auch heute würden in den USA noch neue Flipperkästen gebaut, «vor allem als Werbung für TV-Serien, Filme oder Musikgruppen».

Früher spielte man an Kästen, die fantasievollen Themen gewidmet waren. Die Geräte von Reto Fornara zeigen beispielsweise einen Muskelmann, eine Bikini-Schönheit, ein Orchester oder eine Geburtstagsfeier der Zeichentrickfilm­figur Bugs Bunny. Heute sind Flipperkästen vor allem zu Liebhaberobjekten geworden. «In Restaurants stehen sie nur noch sehr selten. Wenn, dann nicht um Geld zu verdienen, sondern als Attraktion für die Gäste.» Für spezielle Geräte – vor allem, wenn die hergestellte Stückzahl gering oder der Zustand top ist – werden bis zu 15 500 Franken bezahlt.

Sexy Girls

Die ersten Geräte mit Flipperfingern wurden in den 1940er-Jahren in den USA erfunden. «Auch in der Schweiz gab es damals eine Firma für Flipperkästen», berichtet Reto Fornara. Diese baute einen Kasten aus amerikanischer Produktion um, der das Thema «Playboy» zeigte. Dabei wurde unter anderem ein Diaprojektor verbaut, der Bilder von Pin-up-Girls zeigte, sobald die Flipperkugel gewisse Areale berührt hatte. «Das war damals der grosse Renner», erinnert sich Fornara mit einem breiten Lächeln.

Hinweis

Anfragen zu Reparaturen oder Vermietungen von Flipperkästen: Reto Fornara, 041 545 30 05.