ZUG: Er strotzt noch vor Tatendrang

René Straubhaar hat vor vierzig Jahren für den EVZ gespielt und seit 1983 auf der Zuger Kunsteisbahn gearbeitet. Jetzt geht er in Pension – aber nur in einem Job.

Marco Morosoli
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Eismeister René Straubhaar arbeitet seit 33 Jahren auf der Kunsteisbahn. Er hat sich dabei zum Spezialisten für Curling-Eis entwickelt. (Bild Stefan Kaiser)

Eismeister René Straubhaar arbeitet seit 33 Jahren auf der Kunsteisbahn. Er hat sich dabei zum Spezialisten für Curling-Eis entwickelt. (Bild Stefan Kaiser)

Marco Morosoli

René Straubhaar steht vor einer Wegmarke. Er geht Ende der laufenden Saison als Eismeister der Kunsteisbahn Zug in Pension (siehe Box). Seinen 65. Geburtstag hat der gebürtige Thuner zwar schon gefeiert, doch «als mich mein Chef Jürg Casalini gefragt hat, ob ich noch bis April weiterarbeiten würde, habe ich mir das nicht lange überlegt und zugesagt». Das erstaunt nicht, sagt Straubhaar doch, er erledige seinen Job mit demselben Herzblut wie am ersten Tag. Und das bereits seit Jahren, nein sogar Jahrzehnten. Er hat 33 Saisons auf der Kunsteisbahn mitgemacht und ist damit der Dienstälteste auf dem Gelände.

Straubhaar ist Curling-Eis-Spezialist

Anzutreffen ist der 65-jährige Eismeister vor allem in der Trainingshalle neben der Bossard-Arena. Dort kümmert er sich auch um das Eis der Curler, welches anders beschaffen sein muss als dasjenige für die Eishockeyaner. «Es kommt vor, dass ich vor einem grossen Curling-Turnier vor fünf Uhr in der Frühe das Eis aufbereitet habe», sagt Straubhaar stolz. Das mache ihm aber nichts aus. Als Lohn für die Zusatzschicht ernte er hinterher bei den Curlern immer wieder grosse Anerkennung für seine frühe Tagwache. Das letzte Mal wohl im April, wenn er das Curling-Eis für das traditionelle Frühlingsturnier zum 50-Jahr-Jubiläum des CC Zug aufbereiten wird. Im Hinblick auf die nahende Zeit der Unabhängigkeit von Kunsteisbahn-Dienstplänen spricht René Straubhaar von einem «zwiespältigen Gefühl». Er wird so oder so nicht endgültig von der Bildfläche verschwinden: «Ich arbeite weiter als Torhütertrainer beim EV Zug.» In gleicher Funktion bleibt er auch dem Küssnachter SC erhalten. «Ich halte mich durch dieses Engagement jung.» Der ehemalige Spitzengoalie freut sich aber auch, dass er Goalies wie Sandro Zurkirchen (Ambri-Piotta) oder den auf die kommende Saison zum HC Davos wechselnde Joren van Pottelberghe vorwärtsgebracht hat. Und er will weiteren Talenten das Rüstzeug für eine Karriere zwischen den Pfosten vermitteln. Derzeit kümmert sich Straubhaar beim EV Zug um Nachwuchsgoalies auf der Stufe Minis. Er verfügt dabei über einen grossen Erfahrungsschatz, ist er doch schon seit einem Vierteljahrhundert in diesem Metier tätig. Und im Verlaufe seiner Karriere, deren Krönung sicher der erstmalige Aufstieg des EV Zug am 2. März 1976 darstellt, hat er viel gelernt, das er vermitteln kann. Straubhaar hat für insgesamt 13 Klubs gespielt und stand am Karrierenende noch bei den EVZ-Senioren zwischen den Pfosten. Das ist aber mittlerweile auch schon wieder zwanzig Jahre her.

Befürchtungen, dass ihm die Arbeit als Eismeister fehlen wird, hat René Straubhaar jedoch keine: «Ich habe seit 30 Jahren in Oberarth ein Haus, in dem es viel zu tun gibt.» Er freut sich auch, mit seiner Frau vermehrt auf die Rigi gehen zu können. Straubhaar kann sich auch vorstellen, Reisen in die Ferne zu unternehmen. Detailliert darüber Gedanken gemacht hat er sich jedoch nicht. Er wird sich auch weiterhin EVZ-Spiele anschauen: «Es gehört dazu, ein EVZ-Fan zu werden, wenn du auf der Kunsteisbahn arbeitest.» Diesbezüglich erlebt der ehemalige EVZ-Keeper derzeit allerdings harte Zeiten. Die Zentralschweizer liegen in der Playoff-Serie mit 0:3-Siegen im Hintertreffen und sind heute in Lugano zum Siegen verdammt. Straubhaar hat die 2:5-Pleite am Dienstag in der Bossard-Arena live miterlebt: «Die Zuger waren zu Beginn nicht bereit. Ich war nach der Niederlage sehr enttäuscht. Und da bin ich ja wohl nicht allein.» Doch obwohl in seiner aktiven Zeit Playoffs noch kein Thema waren, ist für Straubhaar noch nicht alles verloren: «Wir sind noch nicht draussen. Wir brauchen heute in Lugano einen Sieg, und dann sieht es anders aus.» An ein Scheitern denkt der gebürtige Thuner jedenfalls noch nicht: «Es wäre für alle, die auf der Kunsteisbahn arbeiten, schlimm, wenn der EVZ schon jetzt scheitern würde.» Dies, weil natürlich die Matchtermine für weitere Playoff-Serien schon fixiert sind. Das Eis in der Bossard-Arena und in der Trainingshalle, so der Plan, wird erst am 10. April abgetaut.

Arbeit vielfältiger geworden

Nach einem Höhepunkt seiner Zeit als Eismeister gefragt, kommt Straubhaar natürlich der Einzug in die Bossard-Arena im Jahre 2010 in den Sinn. Er erwähnt auch, dass die Arbeit im Laufe der Jahre «vielfältiger geworden ist». Gewachsen sei zudem nicht nur die Zahl der Eismeister, sondern auch die «Ansprüche der Nutzer». Bald wird auch René Straubhaar nur noch ein solcher sein. Eines sagt der Thuner, der trotz seiner über 30 Jahre in der Zentralschweiz seinen Berner Dialekt noch nicht verloren hat, dabei aber bestimmt: «Ich werde mich nicht in die Arbeit meiner Kollegen einmischen.»

Am Sonntag geht die Saison zu Ende

Noch bis am Sonntag um 18 Uhr ist das Ausseneisfeld vor der Bossard-Arena geöffnet. Die Eisfläche in der Bossard-Arena wie auch in der Trainingshalle steht noch bis am 10. April zur Verfügung. Zudem findet in der Curlinghalle vom 1. bis zum 3. April das Jubiläumsturnier «50 Jahre CC Zug» statt. Das Ausseneisfeld steht mit dem Beginn der Herbstferien (8. Oktober) wieder zur Verfügung. 

Eismeister René Straubhaar arbeitet seit 33 Jahren auf der Kunsteisbahn. Er hat sich dabei zum Spezialisten für Curling-Eis entwickelt. (Bild: Stefan Kaiser)

Eismeister René Straubhaar arbeitet seit 33 Jahren auf der Kunsteisbahn. Er hat sich dabei zum Spezialisten für Curling-Eis entwickelt. (Bild: Stefan Kaiser)