ZUG: Er will ganz genau hinschauen

Urs Raschle wird ab nächstem Jahr für die CVP im Stadtrat sitzen. Dort möchte er den «touristischen Gedanken» einbringen.

Samantha Taylor
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Urs Raschle freut sich auf die neue Herausforderung als Stadtrat. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Urs Raschle freut sich auf die neue Herausforderung als Stadtrat. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der neu gewählte Regierungsrat des Kantons Zug Urs Hürlimann (FDP), Matthias Michel (FDP), Peter Hegglin (CVP), Heinz Tännler (SVP), Beat Villiger (CVP), Manuela Weichelt-Picard (Grüne), und Stephan Schleiss (SVP), von links, (Bild: Keystone)
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Der neu gewählte Stadtrat André Wicki (SVP), Dolfi Mueller (SP) Stadtpräsident, Vroni Straub-Müller (CSP) Karl Kobelt (FDP) und Urs Raschle (CVP, von links). (Bild: Keystone)
Regierungsrat Heinz Tännler (links, SVP) freut sich über seine Wiederwahl mit Kantonsrat Moritz Schmid. (Bild: Keystone)
Peter Hegglin schnitt bei den Regierungsratswahlen mit dem besten Ergebnis ab. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)
Regierungsrat Urs Hürlimann (links, FDP) freut sich über seine Wiederwahl mit Nationalrat Thomas Aeschi, SVP. (Bild: Keystone)
Regierungsrat Matthias Michel (mitte, FDP) freut sich über seine Wiederwahl. (Bild: Keystone)
CVP-Nationalrat Gerhard Pfister (links) im Gespräch mit Peter Hegglin. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))
Der wiedergewählte Stadtpräsident Dolfi Müller freut sich mit seiner Frau Ursi über die Wahl (Bild: Keystone)
Der neu gewählte Stadtrat Urs Raschle (CVP, rechts) freut sich über seine Wahl mit Christian Schnieper, Präsident CVP Stadt Zug (links). (Bild: Keystone)
Knapp wiedergewählt: Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard, Alternative/Grüne. (Bild: Keystone)
Die Regierungsräte Peter Hegglin (CVP, links) und Heinz Tännler (SVP, rechts) (Bild: Keystone)
Wahlfeier der FDP: Die FDP ist immer noch die grösste Partei im Kanton. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Wahlfeier der FDP: Regierungsrat Matthias Michel im Gespräch mit Politikern. (Bild: Maria Schmid (Neue ZZ))
Gemeinderatswahlen Baar: Anstossen nach der Wahl. (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)
Gemeinderatswahlen Baar: Walter und Doris Lipp begrüssen die Mitglieder der SVP Baar (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)
Gemeinderatswahlen Baar: Gemeindepräsident Andreas Hotz freut sich über die Wahl. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)
Der Baarer Gemeinderat (von links): Jost Arnold, Paul Langenegger, Hans Steinmann, Sylvia Binzegger, Andreas Hotz, Berty Zeiter und der neu gewählte Pirmin Andermatt. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)
Gemeinderatswahlen Baar: Doris Lipp gratuliert dem neugewählten Pirmin Andermatt. (Bild: Christian Herbert Hildebrand)
Gemeinderatswahlen Baar: Regula Hotz gratuliert Jost Arnold (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)
Gemeindewahlen Neuheim: Marcel Güttinger, neuer Gemeinderat (links) und Roger Bosshard, Gemeindepräsident (beide FDP). (Bild: Christian Herbert Hildebrand / Neue ZZ)
Wahlfeier der FDP: Beat Furrer, Chris Oeuvray und Ueli Bollmann. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Wahlfeier der FDP (Bild: Maria Schmid (Neue ZZ))
Die SP gewinnt einen zusätzlichen Sitz. Die Wahlfeier der SP Zug findet im Restaurant Intermezzo in Zug statt. Im Bild Kantonsratspräsident Hubert Schuler. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Gruppenbild der SP Ortspartei Zug. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Alexandra Arnold Breitenmoser, Karin Hägi und Andy Zgraggen im Gespräch. (Bild: Maria Schmid / Neue ZZ)
Blick in das Wahlzentrum (Bild: Keystone)
Eine Frau zählt die Stimmen aus (Bild: Keystone)
Mit Hochdruck wird an Computer gearbeitet. (Bild: Keystone)
Blick in das Wahllokal in der Stadt Zug. (Bild: Keystone)
Fein säuberlich geordnet stehen die noch leeren Kästchen am Sonntagmorgen da. (Bild: Keystone)
Wahlzentrum in der Turnhalle (Bild: Keystone)
Auszählung der Stimmen. (Bild: Keystone)
Ein Wegweiser für das Personal zu einem Wahllokal. (Bild: Keystone)
An dieser Maschine erhält Landschreiber Tobias Moser am Sonntag die Wahl­resultate direkt aus der Staatskanzlei. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Der neu gewählte Regierungsrat des Kantons Zug Urs Hürlimann (FDP), Matthias Michel (FDP), Peter Hegglin (CVP), Heinz Tännler (SVP), Beat Villiger (CVP), Manuela Weichelt-Picard (Grüne), und Stephan Schleiss (SVP), von links, (Bild: Keystone)

«Langsam verstehe ich, was da am Sonntag passiert ist. Aber ich reite noch immer auf einer Welle – ich bin total glücklich und befreit», sagt Urs Raschle und strahlt. Für den 37-Jährigen steht seit drei Tagen fest, dass sich einiges ändern wird. Der CVP-Mann wurde für den zurücktretenden Andreas Bossard (CSP) in den Zuger Stadtrat gewählt. Mit einem hauchdünnen Unterschied von 45 Stimmen auf den zweiten Kandidaten der FDP, Stefan Moos, ist Urs Raschle der Einzug in die städtische Exekutive gelungen. Damit meldet sich die CVP ab 2015 nach vierjähriger Absenz zurück in die Stadtregierung.

Den Plan B im Kopf

Urs Raschle hatte zwar im Wahlkampf klar signalisiert, dass er den Sitz für die CVP zurückerobern will. Dass es aber tatsächlich klappen würde, daran habe er bis zum Schluss nicht zu denken gewagt. «Ich habe vor allem über den Plan B nachgedacht. Ich musste auf eine mögliche Niederlage vorbereitet sein», sagt der gross gewachsene Mann. Dies umso mehr, nachdem Raschle im Mai verkündet hatte, dass er per Ende Jahr – unabhängig vom Ausgang der Wahlen – sein Amt als Geschäftsführer von Zug Tourismus niederlegen wird. Er habe damit einiges aufs Spiel gesetzt, blickt er zurück. «Es war ein Risiko und gleichzeitig ein wichtiges Signal.» Zudem sei es Zeit gewesen für eine Veränderung. Dennoch waren die letzten Wochen für den CVP-Kantonsrat intensiv. «Der Wahlkampf hat Kräfte gezehrt. Am Sonntag ist eine Türe aufgegangen, für die ich meinen Wählerinnen und Wählern unglaublich dankbar bin und durch die ich gerne gehe.»

Nahe an der Bevölkerung

Dass der Erwartungsdruck an ihn als Stadtrat hoch sein wird, ist Urs Raschle bewusst. Damit könne er umgehen. Auch dank seinen Erfahrungen im Tourismus. «Ich habe gelernt, wie ich mit schwierigen Situationen umzugehen habe», erklärt der studierte Volkswirt. Ausserdem habe er in den letzten sieben Jahren eine «Politik des kleinsten gemeinsamen Nenners» entwickelt. Ein Aspekt, den Raschle in die Politik bringen will, ist deshalb der «touristische Gedanke». «Ich musste mich bei meiner Arbeit stets fragen: Ist das im Sinne meines Gastes?» Das wolle er auch im Stadtrat tun. «Ich werde stets fragen: Ist dieser Entscheid im Sinne unseres Kunden, also im Sinne der Bevölkerung?» Den Willen der Zuger erkennen will der frischgebackene Stadtrat durch seine Vernetzung. «Ich bin viel unterwegs, bin in Vereinen und bei Organisationen dabei.» Dort bekomme er einiges zu hören. «Das Zuhören ist eine meiner Stärken. Ich bin eher ein Zuhörer als ein Vielredner. Darum glaube ich, dass ich erfahre, was die Bevölkerung erwartet.»

Wird er Sozialchef?

Welches Departement Urs Raschle übernehmen wird, steht noch nicht fest. Es ist aber anzunehmen, dass er Andreas Bossard beerben und das Departement Soziales, Umwelt und Sicherheit antritt. Für den 37-Jährigen wäre das eine spannende Herausforderung. «Es ist sehr vielfältig. Das reizt mich. Allerdings werde ich mich auch einarbeiten müssen.» Das will der CVP-Mann im ersten Jahr gründlich machen. Daneben wolle er auch ganz genau hinschauen. Vor allem im Bereich Soziales werde er stets den Finger drauf haben. «Ich will im Sinne der Bevölkerung prüfen, ob es wirklich alle Leistungen, die erbracht werden, auch benötigt», erklärt er.

Einige Herausforderungen

Für Raschle ist zudem klar: «Die grosse Herausforderung für die Stadt Zug ist das Globale. Wir müssen schauen, dass wir in dem Strudel, der weltwirtschaftlich herrscht, ein Fels in der Brandung bleiben.» Dazu brauche es positive Rahmenbedingungen, einen haushälterischen Umgang mit den Finanzen sowie eine Lösung für den Zuger Finanzausgleich. Daneben sei das Sozialleben eine zentrale Aufgabe. «Wir müssen daran arbeiten, dass wir eine gute Durchmischung von Neuzuzügern, Expats und Urzugern erreichen. Es gilt aufzupassen, dass wir das im Griff behalten», mahnt der Tourismusdirektor. Es könne nicht sein, dass sich die Familien der Expats nicht einleben könnten und die Urzuger sich nicht mehr zu Hause fühlten. Einen Blick in seine eigene politische Zukunft will Raschle noch nicht direkt werfen. Er wolle nun erst einmal mit der Arbeit in der Stadtregierung beginnen. Raschle hält sich darum auch zurück bei der Frage, ob er auf längere Sicht auf das Stadtpräsidium schielt. «Für eine solche Aussage ist es wirklich noch zu früh. Es ist aber kein Geheimnis, dass sich die CVP als staatstragende Partei gerne im Stadtpräsidium sehen würde.»