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ZUG: Erdbeben: Wenige Zuger sind versichert

Innerhalb weniger Jahre bebte zum zweiten Mal die Erde. Experten bezeichnen die Gefahr eines grösseren Bebens als intakt. Doch bezüglich Versicherungsschutz herrscht auch in Zug Zurückhaltung.
Christopher Gilb
Gefahrenzone Erdbeben Zug.

Gefahrenzone Erdbeben Zug.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Am Dienstag letzter Woche ereignete sich bei Unterägeri ein Erdbeben der Stärke 3,4. Es war weitläufig spürbar. Zu Schäden führte es aber nicht. Auch 2012 bebte unter dem Kanton Zug die Erde. Damals betrug die Stärke 4,2. Es war eines der stärksten Beben in den letzten Jahren. Laut Schweizerischem Erdbebendienst ist davon auszugehen, dass sich das Beben von letzter Woche auf derselben geologischen Störung ereignet hat. Laut dem Erdbebendienst befindet sich unter dem Kanton Zug eine aktive Störungszone. Es komme deshalb immer mal wieder zu Beben.

Wie das Erdbebengefährdungsmodel zeigt, sind Erdbeben durchaus eine ernst zu nehmende Gefahr in der Schweiz. Das Gebiet mit der höchsten Gefährdung ist das Wallis, gefolgt von Basel, Graubünden, dem St. Galler Rheintal. Dann folgt bereits die Zentralschweiz. Doch wer bezahlt, wenn es wirklich zu einem stärkeren Erdbeben kommt und ganze Häuser zerstört werden?

Nur 7,9 Prozent mit Erdbeben-Deckung

Die Zurich-Versicherung hat detailliert aufgeführt, wie hoch der Anteil ihrer Versicherten mit freiwilliger Erdbeben-Deckung in den einzelnen Kantonen ist. Während dieser in Basel Stadt bei 16,6 Prozent liegt und im Wallis bei 31 Prozent, beträgt er im Kanton Zug nur 7,9 Prozent. Tiefer ist sie in der Zentralschweiz nur im Kanton Luzern (3,5 Prozent) und vor allem im Kanton Uri (1 Prozent). Dass der Wert der Personen mit Versicherung gegen Erdbebenschäden tief ist, bestätigt auch eine Nachfrage bei der Helvetia Versicherung. Diese gibt keine kantonalen Zahlen preis, aber: «Bei Helvetia beträgt der Anteil der Gebäude, die eine Erdbebendeckung eingeschlossen haben, am Gesamtbestand der versicherten Gebäude gesamtschweizerisch zwei bis drei Prozent.» Zur tiefen Abdeckungsquote in der Schweiz sagt Michael Szönyi, der Naturgefahrenexperte der Zurich-Versicherung, dass er sich wünschen würde, dass die Versicherten bei ihrer Prioritätensetzung etwas längerfristiger denken würden. «Viele lassen sich zwar gegen all das versichern, bei dem sie das ständige Risiko sehen, beispielsweise gegen Schäden am Handy, aber dort wo es wirklich existenziell werden könnte, wie gegen Erdbebenschäden, verzichtet man lieber.» Dabei sei das Risiko in der Schweiz nicht zu unterschätzen. «Rund alle 100 Jahre gibt es ein grösseres Beben. Derzeit gibt es nun einige kleinere, auf diese könnte wieder ein grösseres folgen», so Szönyi.

«Risiko wird unterschätzt»

Das stärkste Erdbeben der Schweiz ereignete sich 1356 in Basel, bei dem je nach Quellen zwischen 100 und 2000 Personen starben. «Die Häufigkeit oder Stärke der Erdbeben hat in der Schweiz nicht zugenommen. Was aber zugenommen hat, ist die Höhe des Schadens, den diese anrichten können», sagt Szönyi. Nur würde, weil es schon länger keine Zerstörungen mehr durch ein Erdbeben in der Schweiz gegeben habe, das Risiko unterschätzt werden. Erst wenn dann etwas in der Nähe passiere, gebe es Reaktionen. «Auf das schwere Erdbeben in Italien beispielsweise gab es ­einige Resonanz.» Einige Versicherte würden zudem annehmen, dass Erdbebenschäden als Teil der Elementarschäden durch die Gebäudeversicherung abgedeckt seien. «Dem ist aber nicht so. Zwar verfügen 17 kantonale Gebäudeversicherungen, darunter auch die Zuger, gemeinsam über einen Pool für Erdbebendeckung. Auf Geld aus diesem hat man aber nicht automatisch Anspruch.» Pro Kalenderjahr stellt dieser maximal zwei mal zwei Milliarden Franken zur Verfügung. Allein der versicherte Gebäudewert im Kanton Zug beträgt aber rund 46 Milliarden Franken. «Die Auszahlungssumme, mit der Hausbesitzer rechnen können, könnte im Vergleich zum Wert ihres Hauses relativ klein ausfallen», so Szönyi. Abhilfe könnte eine nationale Erdbebenversicherung schaffen.

Bundeslösung scheiterte

Schon im Jahr 2012 wurde der Bundesrat beauftragt, eine solche zu erarbeiten. Dazu gab es zwei Lösungsansätze, eine Konkordatslösung auf Kantons­ebene oder eine Regelung unter Bundeskontrolle. Auf Kantonsebene konnte keine Lösung gefunden werden, da nicht alle Kantone dafür waren. Auch der Kanton Zug nicht, wie aus der Antwort des Regierungsrates im Jahr 2013 hervorgeht: «Insbesondere auch in Anbetracht der im weltweiten Vergleich nur mässigen bis mittleren Erdbebengefährdung in der Schweiz – ein Erdbeben mit der Magnitude 6,5 bis 7, vergleichbar mit dem Beben von 1356 bei Basel, tritt in der Schweiz ungefähr alle 1500 Jahre einmal auf – lehnen wir die Einführung einer landesweiten obligatorischen Erdbebenversicherung ab.» 2014 kam der Bundesrat dann zum Schluss, dass es momentan keine Lösung gibt.

Man könnte aber schon präventiv einiges gegen allfällige Erdbebenschäden unternehmen, sagt Michael Szönyi, der Naturgefahrenexperte. «Im Allgemeinen ist es möglich, mit null bis ein Prozent der Baukosten zusätzlich erdbebensicher zu bauen.»

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