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ZUG: Erlebniswelt Grossraumbüro

Ich bin weder ein Work­aholic, noch scheue ich das heimische Wohnzimmer. Aber mein Lieblingsort in Zug ist seit Jahren mein Büro: Weil ich mich hier so existenziell fühle.
Wolfgang Holz
Schreibtisch mit Blick auf den Zuger Bahnhof: eine Art Kino, das täglich belebend wirkt und die Sinne schärft. (Bild Stefan Kaiser)

Schreibtisch mit Blick auf den Zuger Bahnhof: eine Art Kino, das täglich belebend wirkt und die Sinne schärft. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

Es gibt viele, die hassen das Arbeiten im Grossraumbüro. Ich liebe es. Man findet wenig Orte, an denen Zwischenmenschliches so an der Oberfläche schwimmt wie hier. Es existieren keine Geheimnisse. Man ist nie allein. Und ehrlich gesagt liebe ich den «Challenge», mich bei einem geschätzten Dezibelpegel von 70 dauerhaft zu konzentrieren – wenn die Kollegen am Telefon hängen und die Keyboards an den Schreibtischen dynamisch klacken. Das ist fast so, wie wenn bei den US Open ein Jumbo-Jet über den Centre Court lärmt in Erwartung des gegnerischen Services. Zugegebenermassen reichen meine Tenniskünste nicht für New York – deshalb ist das Büro sozusagen mein Centre Court. Hier liebe ich es, täglich von neuem Kreatives und Provokatives per Topspin in den Computer zu hacken, das Neuste aus Zug zu Papier zu bringen.

Der Reiz der täglichen Rituale

Doch ginge es nur um die tägliche Arbeit, wäre das Büro natürlich eine fade Angelegenheit. Viel wichtiger sind mir die täglichen Rituale: etwa die erste Nespresso-Kapsel morgens um halb zehn in den Kaffeeautomaten zu stecken und zu sehen, wie sinnlich das Koffein in die Glastasse tröpfelt. Im Sommer der tägliche Kampf um die Blickdichte der Storen, damit die Sonne, wenn sie schon mal scheint, nicht ganz wie in einer Dunkelkammer verschwindet – wobei sich immer ein Kompromiss finden lässt. Oder das täglich kollektive «Xundheit» an unsere Kollegin, die verlässlich zwei- bis dreimal pro Tag niest – obwohl sie im Prinzip einen kerngesunden Eindruck macht. Nicht zuletzt natürlich das «Schlückle», sprich: der freitägliche Apéro ab 18 oder 19 Uhr – bei dem im Prinzip auch Leser unserer Zeitung (per Voranmeldung und Flasche unterm Arm) jederzeit gerne gesehen sind. Der relaxte Small Talk mit den Kollegen (und Ex-Kollegen, die es immer wieder gern hierher zum Apéro verschlägt) zum Ausklang der Woche hat bei Chips und Prosecco schon mitternächtliche Dimensionen erlebt.

Züge, Menschen, Dramen

Vor allem der Panoramablick aus meinem Büro ist für mich immer wieder ein Quell journalistischer Inspiration, denn am Zuger Bahnhof ist schliesslich was los. Ein ständiges Kommen und Gehen verschiedenster Typen und Kulturen – eine Art anthroposophisches Panoptikum für Leute wie mich, die gerne Menschen beobachten. Ganz zu schweigen natürlich von den vielen Zügen, die den ganzen Tag über hier halten. Da kommt nicht nur mein eisenbahnaffiner Kollege auf seine Kosten, der natürlich runterrasseln kann, welche Lok da gerade über die Gleise quietscht. Manchmal allerdings, wenn der Cisalpino Richtung Milano einfährt, möchte ich am liebsten meinen Schreibtisch verlassen: Das Fernweh nach Süden und Sonne ruft. Und dann gibt es noch jene ganz existenziellen Dramen, die sich plötzlich vor unseren Fenstern abspielen. Einmal nämlich stürzte ein Habicht einer Taube hinterher und wollte sie direkt vor unseren Augen abmurksen. War es die Aussicht, als Bösewicht in die Schlagzeilen zu geraten? Waren es Beisshemmungen angesichts des unerwarteten Publikums? Der Habicht liess jedenfalls im letzten Augenblick von der Taube ab – und flog davon. Die «verrupfte» Taube wusste nicht, wer ihr das Leben gerettet hatte.

Mein Lieblingsort: Alle Beiträge gibt es auf www.zugerzeitung.ch/serien

Wolfgang Holz, Reporter der Neuen Zuger Zeitung. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz, Reporter der Neuen Zuger Zeitung. (Bild Stefan Kaiser)

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