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ZUG: Es begann mit kleinen Wunden

Sie ist erst 18 Jahre alt, und doch arbeitet Annika Smolny bereits seit einem Jahr als selbstständige Maskenbildnerin. Am liebsten erstellt sie Horrormasken und träumt dabei von Hollywood.
Christopher Gilb
Der Totenkopf war eine der ersten Arbeiten von Maskenbildnerin Annika Smolny (links im Bild). Für die blutige Hand unten rechts hat sie ihre eigene als Vorlage genommen. Bei ihr gilt je grusliger, desto besser. Für den Autor (Bild in der Mitte) hat sie eine etwas harmlosere Maske gemacht, es ist ja Fasnacht und nicht Halloween. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Januar 2018))

Der Totenkopf war eine der ersten Arbeiten von Maskenbildnerin Annika Smolny (links im Bild). Für die blutige Hand unten rechts hat sie ihre eigene als Vorlage genommen. Bei ihr gilt je grusliger, desto besser. Für den Autor (Bild in der Mitte) hat sie eine etwas harmlosere Maske gemacht, es ist ja Fasnacht und nicht Halloween. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 24. Januar 2018))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Vor einigen Monaten war Annika Smolny im Kino. Gezeigt wurde der Film «Es» nach einer Vorlage von Steven King. Darin ist ein Horrorclown auf Kinderjagd. Während ihre Kollegin vor Schreck erstarrte, war Annika Smolny fasziniert, aber nicht wegen der furchteinflössenden Szenen, sondern wegen der Clownmaske. «Die ist wirklich gut», sagt sie.

Masken, das ist Annika Smolnys Leidenschaft und Beruf zugleich. Schon in jungen Jahren jagte die heute 18-Jährige ihren Eltern so manchen Schreck ein. Sie zeigt auf die Hand auf ihrem Schreibtisch, die aussieht, als sei sie von einem Zombie abgebissen worden. «Das ist übrigens meine», sagt sie ganz nüchtern. Man merkt, dass sie ursprünglich aus Hamburg kommt, den trockenen norddeutschen Humor hat sie. Besonders sei sie eben schon immer etwas gewesen. «Interesse für sogenannte Frauenthemen hatte ich nie», erzählt sie. So sah sie sich am laufenden Band Horrorfilme an und begann zu Hause auszuprobieren, wie der Horror darin entsteht. «Ich brachte beispielsweise eine Silikonschicht auf meiner Nase an und bearbeitete diese mit roter Farbe.» Das Resultat habe ausgesehen, als sei ihre Nase malträtiert worden. Dies hätten auch ihre Eltern gedacht. Da war sie 12.

Die erste Aufgabe war, ein Totenschädel zu formen

In den Jahren danach kam es öfters vor, dass Freundinnen zu ihr kamen, sich schminken liessen oder sie eine kleine Maske für diese machte. Und an der Fasnacht oder an Halloween schminkte sie die Nachbarskinder. Ihr Wissen holte sie sich aus dem Internet. Vor fünf Jahre zog sie dann mit ihren Eltern nach Zug. Ihr letztes Schuljahr absolvierte sie an der Montessori-Schule in Luzern. Als es um die Berufsausbildung ging, hatte sie Entscheidungsprobleme. «Ich hatte einfach zu viele Interessen.» Etwas Kreatives sollte es sein, die Arbeit als Grafikerin habe sie interessiert. Diese hätte ihr aber zu viel Zeit vor dem Computer bedeutet. «Also absolvierte sie in Luzern eine Ausbildung zum Make-up-Artisten. «Die Arbeit mit dem Make-up ist wundervoll, aber eingeschränkt durch das menschliche Gesicht.» Mit einer Maske hingegen könne man alles, was man wahrnehme, frei herausarbeiten. Deshalb machte sie noch eine Ausbildung zur Maskenbildnerin an der Schule von Klaus Börrnert, der schon an mehreren bekannten Filmproduktionen mitgewirkt hat. Aus dem Kopf einen Totenschädel zu formen, sei eine der ersten Aufgaben gewesen. Sie zeigt auf den Totenschädel, der immer noch auf dem Arbeitstisch in ihrem Atelier steht. Dieses befindet sich übergangsweise im Keller des Hauses ihrer Nachbarn im Zuger Rosenbergquartier. Zugutegekommen seien ihr bei den Ausbildungen auch immer ihre guten Englischkenntnisse, erzählt sie. «Da gerade die Horrormasken stark von der amerikanischen Filmindustrie geprägt sind, haben gewisse Techniken, Effekte und Stile nur englische Namen.» Sprachen sind Annika Smolnys zweite Leidenschaft. Als Nächstes plant sie, Koreanisch zu lernen.

Anfang 2017 machte sie sich dann als Maskenbildnerin selbstständig. Auf ihrer Homepage ist sie mit Glatze und aufgeblasenem Gesicht abgebildet, hinter einer Zombie-Maske und mit langem Bart. Ihre Aufträge, die sucht sie sich vor allem über die sozialen Medien. «Wenn ich lese, dass eine Produktion geplant ist, melde ich mich und frage, ob sie noch eine Maskenbildnerin bräuchten.» So arbeitete sie beispielsweise für die Dark-Knight-Show, die dieses Jahr in Täger­wilen TG stattfand. Bei dieser handelt es sich um eine Art begehbares grosses Horrorkabinett.

Und dann kriegt der Autor eine Maske verpasst

Auch für die Fasnachtszeit findet sie eine Maske die richtige Wahl. Doch nicht eine, die alle haben. «Halloween ist diesbezüglich spannender. An der Fasnacht sollte man sich mehr trauen, unterschiedliche Masken zu tragen und nicht nur das Gesicht zu bemalen.» Wer sich wirklich verkleiden wolle, brauche den Effekt der Maske. Ob der Autor es probieren wolle? Viel Zeit hat er eigentlich nicht. Für eine grosse Maske brauche sie teils einige Stunden, eine kleine ginge aber auch schneller. Sie nimmt einen Abdruck von seinem Gesicht, erstellt daraus mit Hilfe einer Gipsform eine Silikonmaske und klebt ihm diese auf. Dann malt sie mit Alkoholfarben an. Als Farbteller dient ihre Hand. Dies alles dauert etwa eine Dreiviertelstunde, und fertig ist die kleine Maske im Stil des White Walker von der Serie «Game of Thrones».

Derzeit ist Annika Smolny vor allem auf der Suche nach einem eigenen Atelier, um etwas mehr Platz zum Arbeiten zu haben. Ihr Traum ist, einmal bei amerikanischen Horrorfilmen mitzuwirken. Denn trotz zunehmender Special Effects glaubt sie an Masken als Bestandteil von guten Filmen. «Das sind doch schliesslich die Requisiten, die anschliessend die Fans haben wollen», sagt sie.

Maskenbildnerin Annika Smolny macht sich über unseren Autor her. (Bild: Stefan Kaiser)

Maskenbildnerin Annika Smolny macht sich über unseren Autor her. (Bild: Stefan Kaiser)

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