ZUG: «Es gibt kein Bettlerproblem»

In der Weihnachtszeit ist der eine oder andere aufgefallen, der einfach die Hand aufgehalten hat, um Passanten anzubetteln. Ein neues Phänomen in der Stadt?

Wolfgang Holz
Drucken
Teilen
Betteln mit Pappbecher: In Lausanne – wie hier auf unserem Bild – ist es noch erlaubt, in Zug ist dies verboten. (Archivbild Keystone/Dominic Favre)

Betteln mit Pappbecher: In Lausanne – wie hier auf unserem Bild – ist es noch erlaubt, in Zug ist dies verboten. (Archivbild Keystone/Dominic Favre)

Wolfgang Holz

Betteln ist im Kanton Zug offiziell verboten. Wie in den meisten anderen Kantonen und Städten in der Schweiz auch. Wer in Zug Leute offensichtlich um Geld anfleht, riskiert sogar eine Ordnungsbusse von 100 Franken. So sieht es bekanntlich das Übertretungsstrafgesetz von 2013 vor, das die Zuger Polizei auch anwendet. «Unsere Einsatzkräfte kontrollieren konsequent, und Bettler müssen die Busse bezahlen», bestätigt Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei. Im Extremfall kann der Bettler, wenn er die Busse nach 30 Tagen nicht zahlt, sogar ins Gefängnis kommen. Für einen Tag. «Ob es dazu schon mal gekommen ist, lässt sich schwer sagen», erklärt Aklin. Man führe darüber keine Statistik. Man habe sicher Bettlern schon Geld abgenommen. «Aber es gibt bei uns ja so wenige Fälle von Bettlern – es herrscht in Zug diesbezüglich kein Problem. Zug ist auch nicht vergleichbar mit den Verhältnissen in der Westschweiz», so die Polizeisprecherin.

150 Bettler derzeit in Lausanne

In Lausanne sorgen derzeit bis zu 150 Bettler täglich, zumeist Roma, für viel Unmut unter Passanten in den Strassen der Metropole in der Romandie. In der 120 000 Einwohner zählenden Stadt ist das Betteln offiziell noch nicht ver­boten – allerdings müssen sich Bettler seit 2013 an gewisse Regeln halten: Es muss ein Mindestabstand von fünf Metern zu Ladeneingängen, Bankautomaten und Restaurants eingehalten werden. Man darf nicht aktiv nach Geld fragen, keine Minderjährigen bei sich haben und auch nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln betteln. Letzteres, sprich: Das Musizieren in Bussen und Strassenbahnen sorgte jüngst auch in Basel für Ärger in der Bevölkerung.

Und doch hat es auch in Zug an Weihnachten Personen gegeben, die etwa im Metalli an einer Ecke stehen, auf einen zugehen und einfach die Hand aufhalten. Ganz zu schweigen von so manchem als Strassenmusikant getarnten Bettler – weil in Zug offenes Betteln, wie gesagt, verboten ist. «Es gibt sicher hin und wieder Miniwellen an Bettlern in Zug», sagt Aklin. «Und gelegentlich registriert man auch Anrufe von Personen, die sich beschweren, weil sie sich von Strassenmusikanten gestört fühlen.»

Öffentlicher Raum im Blick

Für Urs Raschle, Sicherheitschef und Sozialvorsteher der Stadt Zug sowie christlicher Politiker (CVP), steht fest: Betteln soll auch in Zukunft restriktiv behandelt werden. «Denn als Schweizer muss man nicht betteln.» Und fragwürdige Roma-Praktiken des Bettelns zu tolerieren, ist er nicht gewillt. «Wer wirklich Not leidet, kann zum Zuger Sozialamt kommen, und er wird etwas bekommen», sagt Raschle. Solche Fälle seien aber faktisch die Ausnahme. Gleichwohl müsse der Stadtrat in Sachen öffentlicher Raum bald über die Bücher gehen, um Anpassungen zum kantonalen Übertretungsstrafgesetz vorzunehmen. Was die sogenannten Scheinmusikanten anbelangt, will der Zuger aber nicht mit übertriebener Prinzipienreiterei vorgehen: «Solange es nicht ausufert, kann man im Zweifel auch mal für den Angeklagten sein.»