Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

ZUG: «Es gibt keinen klaren Topfavoriten»

Der Baarer SVP- Nationalrat Thomas Aeschi möchte in den Bundesrat. Dass das Amt für ihn eine Nummer zu gross ist, sei nicht der Fall, sagt er. Im Gegenteil.
Interview Samantha Taylor
Nationalrat Thomas Aeschi nahm am Wahlsonntag vom 18. Otkober Glückwünsche entgegen. (Bild Maria Schmid)

Nationalrat Thomas Aeschi nahm am Wahlsonntag vom 18. Otkober Glückwünsche entgegen. (Bild Maria Schmid)

Interview Samantha Taylor

Seit Donnerstag ist klar: Der Zuger SVP-Nationalrat Thomas Aeschi (36) stellt sich als Bundesratskandidat zur Verfügung. Die Leitung der Zuger Kantonalpartei hat ihn als Kandidaten für die Wahlen nominiert. Nun ist die Frage, ob es Aeschi gelingt, seine Fraktion in Bern zu überzeugen, ihn für die Wahlen vom 9. Dezember aufzustellen. Bis zum nächsten Freitag will sie entscheiden, wen sie aufs Bundesratsticket setzt.

Thomas Aeschi*, Sie starten gerade richtig durch, oder wie würden Sie die aktuelle Situation bezeichnen?

Thomas Aeschi: Ich sehe mich eigentlich nicht als «Durchstarter». Vieles, was jetzt passiert, ist eine Folge meiner bisherigen Arbeit, aber auch von Gelegenheiten, die sich ergeben haben. Dass ich eine Kandidatur überhaupt in Erwägung gezogen habe, hat vor allem mit der Absage von Regierungsrat Heinz Tännler zu tun. Denn für mich war immer klar, dass wir nur mit einer Person aus Zug antreten werden.

Und was hat Sie bewogen, tatsächlich zu kandidieren?

Aeschi: Das Kandidatenfeld der SVP. Es ist zwar bisher mit elf Kandidaten ziemlich breit. Allerdings gibt es keinen klaren Topfavoriten. Ich will der Fraktion als junge Person mit Erfahrungen in der Privatwirtschaft und im Ausland eine Alternative bieten. Anders wäre es gewesen, wenn sich etwa Parteipräsident Toni Brunner zur Verfügung gestellt hätte. Dann hätte ich – wie einige andere wohl auch – auf eine Kandidatur verzichtet und mich voll und ganz hinter Toni Brunner gestellt.

Sie wurden von einigen Fraktionskollegen ins Spiel gebracht, die Sie gerne in der nationalen Exekutive sähen. In einem Artikel des «Tagesanzeigers» werden Sie als Zögling Christoph Blochers und damit Kandidat mit echten Chancen gehandelt. Ehrt Sie das?

Aeschi: Eines vorab. Ich weiss nicht, weshalb ich als Zögling von Christoph Blocher betitelt werde. Ich sehe Christoph Blocher sehr selten. Wir sitzen zusammen im gleichen Komitee gegen den schleichenden EU-Beitritt. Mehr ist da aber nicht. Zum anderen freut und ehrt es mich, dass man mich ins Spiel gebracht hat. Mir geht es aber in erster Linie darum, dass Personen nominiert werden, welche sich voll und ganz für die Interessen der Schweiz einsetzen. Und über unsere Nomination entscheidet schliesslich die Mehrheit der Fraktion.

Trotz dieser Unterstützung: Sie sind 36 Jahre jung, haben erst eine Legislatur im Nationalrat hinter sich und keine Erfahrung in einer Exekutive. Ist dieses Amt des Bundesrates nicht eine Nummer zu gross?

Aeschi: Mir ist bewusst, dass ich mich altersmässig am unteren Ende bewege. Aber es gab auch andere Bundesräte, die jung gewählt wurden und erfolgreich sind. Ich denke da an Alain Berset, der 39 Jahre alt war oder Doris Leuthard, die 43 Jahre alt war. Ausserdem bin ich überzeugt, dass ich als junge dynamische Person mit viel Schaffenskraft und meinen Erfahrungen aus der Privatwirtschaft und im Ausland eine gute Ergänzung für das Gremium wäre. Zudem hat beispielsweise Heinz Brand, der als Kronfavorit gilt, auch erst eine Legislatur in Bern verbracht.

Sie rechnen sich also echte Chancen auf eine Nomination aus?

Aeschi: Ich biete eine Alternative und insofern ja, es besteht die Chance auf eine Nomination. Wie gross diese ist, dazu kann ich nichts sagen. Das ist schwer einzuschätzen.

Hand aufs Hetz: Haben Sie keine Angst, verheizt zu werden?

Aeschi: Nein, das habe ich wirklich nicht. Es würde mich sehr freuen, meine Kraft in der Exekutive in den Dienst der Schweiz zu stellen. Doch wenn ich von der Partei nicht aufgestellt werde, geht die Arbeit für mich als Nationalrat einfach ganz normal weiter.

Ihre Zuger Kollegen in Bern haben auf eine mögliche Kandidatur Ihrerseits in der vergangenen Woche eher verhalten reagiert. Ständerat Joachim Eder äusserte sogar, dass Sie intelligent genug sein dürften, darauf zu verzichten. Trifft Sie das?

Aeschi: Man muss die Aussagen richtig bewerten. Gerhard Pfister hat meine Arbeit positiv bewertet. Mit Joachim Eder habe ich gesprochen und ihn auch auf seine Aussagen angesprochen. Das Ganze war, wie sich in dem Gespräch gezeigt hat, eher ein gut gemeinter kameradschaftlicher, ja fast väterlicher Rat. Es war nicht als Kritik an meiner Person zu verstehen.

Sie gelten aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung als idealer Nachfolger von Eveline Widmer Schlumpf, sprich fürs Finanzdepartement. Es gibt aber auch Stimmen, die sagen, man brauche keinen Finanzminister, sondern einen Bundesrat.

Aeschi: Ich bin ein Bundesratskandidat. Mein Hauptziel ist, mich dafür einzusetzen, dass die Schweiz lebenswert und stark bleibt. Meine Generation konnte eine erfolgreiche Schweiz übernehmen und ich möchte eine erfolgreiche Schweiz weitergeben und unseren Wohlstand bewahren. Dazu kann man in allen Departementen etwas bewirken. Natürlich würde mir das Finanzdepartement am besten liegen. Interessieren würde mich aber auch das Justiz- und Polizeidepartement. Dort geht es nicht nur um Migrationspolitik, sondern auch die EU-Thematik steht im Vordergrund. Und auch in den anderen Departementen gibt es interessante Themenbereiche.

Und was würde es denn Zug bringen, wenn der Kanton einen Vertreter in der Exekutive hätte?

Aeschi: Zug bezahlt immerhin einen signifikanten Teil an die Bundesfinanzen. Darum ist es aus meiner Sicht durchaus berechtigt, dass der Kanton – obwohl er mit rund 120 000 Personen eher klein ist – in der Exekutive vertreten ist. Auch deshalb, weil der Kanton Zug zu den Geberkantonen beim NFA gehört. Man sollte in der Regierung nicht nur Wert darauf legen, dass die bevölkerungsstarken Kantone vertreten sind, sondern auch die finanzstarken.

Wenn man Berichte über Sie liest fallen Begriffe wie intelligent und dossierfest, aber auch solche wie umtriebig, Strippenzieher, ehrgeizig. Ecken Sie mit Ihrer Art an?

Aeschi: Bis jetzt nicht. Ich habe noch nie den Vorwurf gehört, ich sei zu ehrgeizig oder ich wolle zu viel. Ganz im Gegenteil. Ich bekomme viel eher positive Rückmeldungen aus der Fraktion für meinen Einsatz.

Sie haben noch eine knappe Woche Zeit, um die SVP-Fraktion im Bundeshaus von sich zu überzeugen. Werden Sie lobbyieren?

Aeschi: Nein, ich lasse es auf mich zukommen. Ich werde mich der Fraktion und ihren Fragen stellen und dann ist es an ihr und der Parteileitung zu entscheiden, ob sie mich ins Rennen schicken wollen oder nicht.

*Thomas Aeschi (36) sitzt für die Zuger SVP im Nationalrat. Er ist ledig und arbeitet als Unternehmensberater.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.