ZUG: «Es ist ein hartes Business geworden»

Veloläden schiessen wie Pilze aus dem Boden. Manchenorts scheinen sich die Bike-Geschäfte inzwischen die Kunden abzujagen.

Wolfgang Holz
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Mitarbeiter André Wicki im Baarer Bikecorner hat viel zu tun. (Bild Stefan Kaiser)

Mitarbeiter André Wicki im Baarer Bikecorner hat viel zu tun. (Bild Stefan Kaiser)

von Wolfgang Holz

In Steinhausen floriert das Business mit Zweirädern offenbar. Allein drei Läden in der 9600 Einwohner zählenden Gemeinde bieten Velos an. Hinzu kommen zwei weitere Geschäfte für Fahrräder im Einkaufszentrum Zugerland. «Das wird langsam ein bisschen viel», macht sich einer der fünf Anbieter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, Gedanken über seine Zukunft. Man denke schon über die Schliessung des Ladens nach – sobald die Angestellten in ein paar Jahren das Pensionsalter erreicht haben.

Dabei stehen doch in allen Schaufenstern nigelnagelneue Velos. Wer ein gewöhnliches Alltagsrad kaufen will, findet unter 1000 Franken häufig nicht viel Ansprechendes. Und auch auf der Suche nach einer Occasion muss man Glück haben, um etwa einen brauchbaren Drahtesel für unter 400 Franken zu finden. Ganz zu schweigen von den nicht selten saftigen Reparaturkosten, die man heutzutage berappen muss. Da muss doch eigentlich der Rubel rollen – oder doch nicht?

«E-Bikes sind noch ein Geschäft»

«Das Velogeschäft ist ein hartes Business geworden», versichert René Albisser von Trailrider, einem der drei in den Gelben Seiten aufgeführten Fahrradgeschäfte in Unterägeri. Nur wer seinen Job gut mache und die Kunden zufriedenstelle, könne überleben. Es gebe zwar nicht zu viele Veloläden im Kanton Zug, aber die Dichte sei schon sehr hoch – ergo auch die Konkurrenz. Albisser und sein Kompagnon haben sich auf Mountainbikes spezialisiert sowie auf neue Trends wie etwa die Fat-Bikes, jene Velo-Ungetüme mit den breiten Reifen und den rustikalen Profilen. «Auch die E-Bikes sind natürlich noch ein Geschäft», so Albisser – wobei die grössten Wachstumszahlen schon passé seien. Das sieht auch Ernst Brügger vom gleichnamigen Velogeschäft in Unterägeri so. «Die älteren Radfahrerinnen und -fahrer haben inzwischen schon ein E-Bike.» Jetzt würden sich eher die zwischen 40- und 50-Jährigen für so ein Velo mit Motor interessieren. Grund: «Man will nicht verschwitzt zur Arbeit oder zum Ausflugsziel ankommen.» Ein weiterer Velotrend, der sich derzeit noch gut verkaufen lasse, seien die Downhiller unter den Mountainbikes. «Vor allem, wenn es jetzt bald eine neue Strecke am Zugerberg gibt, ist das sehr attraktiv für junge Leute.»

Dabei ist der Kanton Zug mit der Dichte an Velogeschäften nicht einmal schweizweit führend – wenn man die Zahl der Kantonsbewohner ausrechnet, auf die ein Radgeschäft kommt, ausgehend von der Zahl aktuell auf den Gelben Seiten registrierter Veloläden. Da liegen der Kanton Luzern mit 390 349 Einwohnern und 67 Velogeschäften sowie der Kanton Aargau mit 635 797 Einwohnern und 104 Velogeschäften deutlich vor dem Kanton Zug mit 118 118 Einwohnern und 15 Radgeschäften (alle Einwohnerzahlen Stand Ende 2013). Selbst im Kanton Schwyz ist dieses Verhältnis noch günstiger.

Indes – diese Zahlen sind nur Annäherungen an die Wirklichkeit, weil eben nicht alle Velogeschäfte im jeweiligen Kanton auf local.ch aufgeführt sind. Und es gebe ja immer wieder neue, wie André Storari von der Bikecorner GmbH in Baar versichert. «Erst jüngst haben wieder zwei neue Veloläden in Baar aufgemacht – der Konkurrenzkampf ist schon recht gross.» Gleichzeitig ist er überzeugt, dass das Geschäft mit den Zweirädern noch weiter boomt, vor allem bei den Mountainbikes und den elektrobetriebenen Rädern. Doch beklagt er, dass Velos im Vergleich zu früher immer preisgünstiger geworden seien – was das Geschäft nicht gerade lukrativer mache. «Heute bekommt man für 2000 Franken schon ein gutes Mountainbike», so Storari. Aber Velohändler verdienen doch auch sehr viel an den teuren Reparaturen? «Mit Reparaturen wirst du nicht reich, man verdient nur an den verkauften Velos», versichert der Baarer Radhändler. Zwar könne eine Reparatur von 170 Franken und mehr einer Privatperson teuer vorkommen, doch man müsse ja auch die Mitarbeiter und die Miete bezahlen – wie bei anderen Handwerkern eben auch.

Velomarkt wird sich verändern

In Zukunft wird sich wohl dennoch so manches auf dem Velomarkt ändern, schenkt man Insidern Glauben. René Albisser von Trailrider in Unterägeri prognostiziert, dass es künftig tendenziell weniger Velohändler geben werde als bisher. Grund: «Vor allem jene Gemischtwarenhändler mittlerer Grösse, die noch versuchen, in allen Segmenten Modelle anzubieten», so Albisser, «könnten langfristig gegenüber solch preisgünstigen Anbietern wie die Migros beispielsweise das Nachsehen haben. Andererseits bieten die eben keinen Kundendienst an.»