ZUG: «Es war der absolut richtige Entscheid»

Seit Anfang Jahr widmet sich Urs Raschle ganz der Stadt Zug. In seinem neuen Amt fühlt sich der Stadtrat äusserst wohl – obwohl die Zeit turbulent ist.

Samantha Taylor
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Urs Raschle hat mit dem Departement Soziales, Umwelt und Sicherheit gleich das grösste übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

Urs Raschle hat mit dem Departement Soziales, Umwelt und Sicherheit gleich das grösste übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

Samantha Taylor

Vor ziemlich genau einem Jahr hat der ehemalige Geschäftsführer von Zug Tourismus sich entschieden, für den Stadtrat zu kandidieren. Mit einem knappen Vorsprung von 45 Stimmen wurde er im Herbst gewählt. Heute ist Urs Raschle seit rund 100 Tagen im Amt. Der 37-Jährige zieht eine erste Bilanz, und die fällt durchwegs positiv aus. Dies, obwohl der CVP-Mann zahlreiche Herausforderungen sieht – über sein Departement hinaus.

Urs Raschle, Sie sind seit Anfang Jahr Stadtrat und haben das grösste Departement übernommen. Haben Sie schon einen Überblick?

Urs Raschle: Mehr oder weniger. Ich bin aber wirklich gut gestartet und wurde sowohl im Departement wie auch im Stadtrat sehr herzlich empfangen. Natürlich stehe ich noch am Anfang und bin erst daran, meine Arbeit und meine Abteilungen kennen zu lernen. Aber ich bin auf gutem Weg.

Ihr Departement umfasst sechs Abteilungen aus den Bereichen Sicherheit, Soziales, Umwelt und Verkehr. Wie gehen Sie vor, um sich das nötige Wissen für Ihre Arbeit anzueignen?

Raschle: Ich bin umgeben von sehr guten Experten, die mich informieren. Ausserdem gehe ich von Abteilung zu Abteilung und setze mich zu verschiedenen Mitarbeitern, damit ich sehe, wie ihr Alltag aussieht. Ich war beispielsweise bei der Bussenadministration oder bei der Feuerungskontrolle.

Das braucht alles Zeit. Die politischen Geschäfte ruhen aber nicht.

Raschle: Das ist richtig. Die Arbeit macht vor einem personellen Wechsel nicht Halt. Umso mehr bin ich dankbar, dass ich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt werde.

Und wie ist es Ihnen bisher im Stadtrat ergangen, so als einziger Neuling?

Raschle: Sehr gut. Ich wurde herzlich empfangen, und ich konnte mich von Anfang an einbringen. Es herrscht eine sehr gute Stimmung, und wir pflegen einen konstruktiven Austausch.

Das klingt, als würden Sie Ihre Entscheidung, dem Tourismus den Rücken zu kehren, nicht bereuen.

Raschle: Ganz und gar nicht. Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich den Entschluss gefasst, als Stadtrat zu kandidieren. Heute kann ich sagen, das war die absolut richtige Entscheidung.

Was können Sie aus Ihrer Berufserfahrung in Ihr politisches Amt mitnehmen?

Raschle: Der Tourismus ist die ideale Lehre für ein solches Amt. Ich bin es gewohnt, diplomatisch zu handeln. Das ist der Dienstleistungsgedanke. Im Tourismus braucht man ein 360-Grad-Denken. Das brauche ich auch jetzt. Denn als Politiker bin ich Dienstleister für die Bevölkerung. Mit dem Vorteil, dass ich einen grösseren Hebel habe. Auf der einen Seite gibt es das Gremium des Stadtrats, auf der anderen Seite steht das Parlament. Letzteres ist eine Art Soundingboard oder Echoraum der Gesellschaft. Man muss nur genau hinhören und es wird einem aufgezeigt, welche Themen anstehen.

Und welches sind diese Themen?

Raschle: In meinem Departement stehen diverse grössere Herausforderungen an. Zu den wichtigsten zähle ich die Energiefragen rund um die 2000-Watt-Gesellschaft. Wir müssen uns heute die Frage stellen, woher wir dereinst unsere Energie beziehen wollen. Da sind in der Stadt Zug spannende Projekte aufgegleist, etwa mit dem Energieverbund, der vorsieht, Heizung und Kühlung mit Zugerseewasser zu betreiben. Das andere – wohl grösste Thema – ist die Alterspolitik. Das ist ein ziemlicher Brocken. Das gilt es dringend anzugehen. Mit der Altersstrategie haben wir da einen ersten wichtigen Schritt gemacht.

Sie kümmern sich als bürgerlicher Politiker um Umwelt- und Sozialthemen. Ihr Vorgänger kam aus dem linken Lager. Wie bekommt das Departement diesen Wechsel zu spüren?

Raschle: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Grundsätzlich bringe ich eine gewisse Führungserfahrung mit klaren Strukturen mit. Wie ich bisher gemerkt habe, wird das geschätzt. Auf der anderen Seite hinterfrage ich die Themen immer auch aus einer ökonomischen Warte. Und zwar relativ kritisch. Auch damit bin ich bisher nicht schlecht gefahren. Das Departement wird wohl einen etwas bürgerlicheren Touch bekommen.

Was heisst das konkret?

Raschle: Ich will nicht aufräumen oder alles anders machen. Aber es wird Dinge und Abläufe geben, die ich hinterfragen und anpassen werde. Ich möchte die Abläufe effizienter machen. Dies immer mit dem Leitgedanken: Wie bringt es dem Bürger am meisten? Wie viel sich verändern lässt, das wird sich zeigen. Ich denke, es ist eine Chance für das Departement.

Es ist keine einfache Zeit, in der Sie Ihr Amt angetreten haben. Da ist die Finanzlage der Stadt Zug oder das Entlastungsprogramm des Kantons Hätten Sie sich eine einfachere Ausgangslage gewünscht?

Raschle: Es ist in der Tat so, dass es eine ziemlich turbulente Zeit ist. Die goldenen Jahre der Stadt sind vorbei. Damit müssen wir uns abfinden. Diese Entwicklung bedingt aber auch, dass ganz grundlegende Diskussionen geführt werden. Wir müssen uns fragen, welche Werte welche Bedeutung haben. Das sind natürlich langfristige Prozesse. Es ist aber auch eine hoch spannende Zeit. Für mich ist es eine Ehre, dass ich solche Diskussionen in dieser Position führen kann und darf.

Sie sitzen noch immer für die CVP der Stadt Zug im Kantonsrat. Hat sich Ihr Blick seit Ihrem Amtsantritt schon verändert?

Raschle: Das hat er. Ich war als Stadtrat nun schon mit einigen Entscheiden konfrontiert, die ich suboptimal finde, die ich aber selbst mitgetragen habe. Und gerade auf das aktuelle Entlastungsprogramm blicke ich umso kritischer – vor allem, wenn es die Gemeinden betrifft. Der Kanton kann nicht einfach 25 Millionen auf die Gemeinden abschieben. Ich trage schon etwas mehr die «Exekutivbrille».

Sie haben sich nach Ihrer Wahl zum Ziel gesetzt, das Departement innert einem Jahr zu kennen und bei Geschäften genau hinzuschauen. Halten Sie an diesen Zielen fest?

Raschle: Ja, daran halte ich fest. Ich will an beiden Zielen dranbleiben. Ausserdem will ich den touristischen oder vielleicht noch besser den Marketing-Gedanken sowohl in mein Departement wie auch in den Stadtrat tragen. Da können wir noch zulegen. Wir können unsere Ideen besser verkaufen. Dazu braucht es nicht viel. Eine positive Botschaft reicht oft aus.