ZUG: «Es wird nur über das Geld geredet»

Die gestrige «Arena» zum Stadttunnel brachte keine neuen Erkenntnisse. Trotzdem war der Schlagabtausch alles andere als langweilig.

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Stadttunnel-Ausfahrt in Richtung Ägeri. (Bild: Visualisierung PD)

Stadttunnel-Ausfahrt in Richtung Ägeri. (Bild: Visualisierung PD)

Charly Keiser

Gestern Abend kam es in der Aula der Kantonsschule Zug zum letzten grossen Showdown der Pro- und Kontra-Komitees zum Stadttunnel. Am 14. Juni versenken oder befürworten die Stimmbürger des Kantons Zug bekanntlich das Projekt. Sie stimmen über den dazu notwendigen Kredit von 890 Millionen Franken ab.

«Arena» zum Projekt Stadttunnel mit Zentrum Plus. So hiess der Anlass, in dem die Komitee-Vertreter Martin Stuber und Philip C. Brunner (Pro) sowie Anastas Odermatt und Pirmin Frei (Kontra) die Klingen kreuzten. Als Moderator fungierte Freddy Trütsch von der «Neuen Zuger Zeitung», Stadtpräsident Dolfi Müller und Baudirektor Heinz Tännler sowie Kantonsingenieur Urs Lehmann und Stadtplaner Harry Klein waren als Experten zugegen.

Einfahrt in den Stadttunnel von Arth Goldau kommend. (Bild: PD)
29 Bilder
Stadttunnel-Ausfahrt Richtung Ägeri. (Bild: PD)
Stadttunnel in Richtung Gotthardstrasse. (Bild: PD)
So könnte der Stadttunnel Zug dereinst funktionieren. (Bild: Grafik: Janina Noser)
Verkehrsberuhigte Neugasse
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Fussgängerzone Metalli - Neustadt
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Verkehrsberuhigte Alpenstrasse
mit Stadtpark im Dreispitz (Bild: PD)
Fussgängerzone Postplatz
mit Trassee für Bus und Zubringerdienst (Bild: PD)
Gubel Ost (Bild: PD)
Bundesplatz in der Zukunft (Bild: PD)
Bundesplatz heute (Bild: Neue ZZ)
Vorstadt geplant. (Bild: PD)
Vorstadt heute (Bild: Neue ZZ)
Gubel West geplant (Bild: PD)
Gubelloch heute (Bild: Neue ZZ)
Baarerstrasse geplant (Bild: PD)
Baarerstrasse heute (Bild: Neue ZZ)
Stadttunnel Zug: Das ist geplant. (Bild: PD)
Altstadt mit Kolinplatz. (Bild: PD)
Gubelstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Alpenstrasse (Bild: PD)
Bundesplatz mit Viadukt der SBB. (Bild: PD)
Baarerstrasse beim Neustadtcenter. (Bild: PD)
Baarerstrasse bei der Metalli. (Bild: PD)
Neugasse (Bild: PD)
Postplatz. (Bild: PD)
Vorstadt. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)
So könnte der Anschluss Gotthardstrasse dereinst aussehen. (Bild: PD)

Einfahrt in den Stadttunnel von Arth Goldau kommend. (Bild: PD)

«Es geht nicht um die Neugasse»

«Das ist ein Luxusprojekt, das zwar das Nadelöhr Neugasse entlastet und den Verkehr in den Berg verlagert. Aber die Stausituationen sind damit nicht weg und der Nutzen darum nicht gegeben», begann Odermatt. Stuber konterte: «Doch, denn der Verkehr geht weit über die Belastung hinaus», betonte der alt Kantonsrat und fügte an: «Es geht nicht nur um die Neugasse, sondern um die komplette Entlastung der Innenstadt. Ich verstehe meine Partei nicht, wie sie dagegen sein kann.» SVP-Kantonsrat Brunner doppelte nach. «Der Tunnel ist eine Chance für die Stadt. Es ist einfach, mit den Kosten schlechte Stimmung zu machen.» Die Chance komme nie mehr, orakelte der Zuger und ergänzte. «Das Projekt ist ein Befreiungsschlag für die Zukunft einer attraktiven Stadt.» Der Tunnel funktioniere nicht, hielt CVP-Kantonsrat Frei dagegen. Kein einziges Auto werde dank des Tunnels weniger durch die Stadt fahren. «Dafür fahren anderswo 20 000 oder 30 000, wie zum Beispiel beim Gubelloch. Und auch die Nordzufahrt muss ausgebaut werden, denn sie ist heute schon mit 8000 Fahrzeugen an der Leistungsgrenze.»

Man müsse sich einen Postplatz ohne Auto vorstellen, entgegnete Martin Stuber. Anastas Odermatt sagte dazu. «Das stimmt nur bedingt, denn eine Verkehrsfreiheit ist nicht ganz richtig fahren doch auch mit Tunnel noch immer Busse und Autos in den Kammern, in denen sie ja zirkulieren dürfen.»

Experte Tännler bekam das Wort und begann: «Seit 2010 sind wir an der Arbeit und haben 27 Varianten angeschaut.» Es gehe überhaupt nicht um eine Reduktion des Verkehrs, sondern um dessen Kanalisierung, erklärte er. «Und wir bauen auch nicht nur einen Tunnel, sondern wir ertüchtigen die betroffenen Strassen, wie zum Beispiel beim Gubelloch.» Der Tunnel funktioniere, sie hätten das gerechnet, ergänzte Tännler: «Und das Kammersystem ist eine tolle Lösung. Es ist natürlich einfach, aber unehrlich, wer die These aufstellt, dass der Tunnel nicht funktioniert.»

Hauptdiskussion ums liebe Geld

Von 500 zu 950 sei man zu 890 Millionen für die Kosten des Tunnels gelangt, rechnete Pirmin Frei vor. Dies wohl auch wegen der vielen Wünsche. «Bei 500 Millionen wäre ich noch dafür gewesen», bekannte Frei. Doch jetzt sei das Preisschild deutlich zu hoch. Heinz Tännler entgegnete. «Frei erzählt nur die halbe Wahrheit. Wir haben die Zweckmässigkeit jeder Variante geprüft und Kosten von 450 bis 550 Millionen errechnet. Es war allen klar, dass darin weder Zentrum Plus noch der Landerwerb enthalten waren. Dann haben wir das Ganze im Detail angeschaut und die Kosten sauber evaluiert.»

Es werde nur über das Geld geredet, konstatierte Trütsch. Tatsächlich wurde oft und lang über die Kosten diskutiert. Und für einmal war man sich einig: «Ja der Kanton kann den Tunnel bezahlen», sagte nämlich Frei. Der Kanton sei kreditwürdig und könne Geld aufnehmen oder die Steuern erhöhen. «Doch klar ist: Der Tunnel wird mit Steuergeldern bezahlt, und er führt uns zu Steuererhöhungen. Ich verstehe nicht, wie so viele Bürgerliche so unverantwortlich sind und das Projekt unterstützen.»

Brunner zählte die zahlreichen Parteien und Verbände auf, die sich für den Tunnel einsetzen, und konterte: «Sie glauben ja wohl selbst nicht, dass all diese und auch die 250 bürgerlichen Mitglieder des Komitees unverantwortlich sind?» Der Stadt sei der Tunnel sehr wohl 100 Millionen wert, ergänzte Stadtpräsident Müller: «Es geht um eine grosse Investition in die Lebensqualität.

Er gelte als Pessimist, blieb Frei hartnäckig und warnte vor der Unternehmenssteuerreform II, die vor der Tür stehe: «Am Schluss, liebe Zuger, zahlen Sie den Tunnel.» Der Kanton habe 1,2 Milliarden Franken Eigenkapital, argumentierte Stuber und schloss. «Jetzt oder nie.» Der Nutzen sei tief und die Kosten hoch, konterte Odermatt, und Brunner entgegnete: «Zug hat bislang nur ein einziges Symbol. Sagen Sie ja zum Bau des zweiten.