ZUG: «Es zählt nur noch der Preis»

Im Kanton Zug spüren auf den Tiefbau spezialisierte Firmen den Preiskampf. Doch nicht nur damit haben sie zu kämpfen.

Harry Ziegler
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Tiefe Preise im Tiefbau - das hat nicht nur das Unternehmen Vanoli zu spüren bekommen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Tiefe Preise im Tiefbau - das hat nicht nur das Unternehmen Vanoli zu spüren bekommen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

In der Zuger Tiefbaubranche herrscht Unruhe. Anfang Woche machte die AG Mario Vanoli Erben bekannt, dass sie im Laufe dieses Jahres ihre Tätigkeit einstellen werde (Ausgabe vom Mittwoch). Für den Entscheid sei unter anderem auch der extreme Preiszerfall in der Branche verantwortlich. «Der Preiskampf auf dem Platz Zug ist brutal», sagte Thomas Bornhauser, Verwaltungsrat der AG Mario Vanoli Erben, gegenüber unserer Zeitung. Mit der Schliessung des Steinhauser Bauunternehmens und der Betriebseinstellung der Vanoli Beton und Transporte AG in Cham gehen rund 90 Stellen verloren.

Der Preiskampf im Kanton Zug ist auch für andere im Tiefbau tätige Unternehmungen deutlich spürbar, wie eine Umfrage unserer Zeitung bei verschiedenen Unternehmen zeigt. So unter anderen bei der Vonplon AG in Baar und der Zuger Gebrüder Hodel AG. «Der Markt im Strassen- und Tiefbaubereich ist sehr stark umworben. Es besteht ein Überangebot an Mitbewerbern», sagt Geschäftsführer Diego Vonplon. Das bestätigt auch Rainer Hodel, Geschäftsführer der Gebrüder Hodel AG. «Durch das Überangebot entsteht ein hoher Druck auf die Eingabepreise», sagen sie.

Breit abgestützt

Auf diesen Preiskampf haben diese Unternehmen reagiert. «Die Vonplon Strassenbau AG ist sehr breit abgestützt. Wir betreiben eigene Belagsmischwerke und Recycling-Unternehmungen und haben uns im Bereich Strassenbau einen guten Namen erarbeitet», erklärt der Geschäftsführer. Die Vonplon Strassenbau AG erwirtschaftet gemäss eigenen Angaben etwa 90 Prozent des Umsatzes im Strassenbau. «Durch die langjährige Spezialisierung in diesem Bereich können wir so dem Kostendruck auch im Strassenbau standhalten.» Betriebswirtschaftlich sei die Ertragslage wegen des grossen Risikos (Witterungsverhältnisse und Örtlichkeiten) kaum rentabel. «Aber die Bauwirtschaft ist ja mit sehr wenig schon zufrieden», sagt Diego Vonplon. Ebenso reagiert hat die Gebrüder Hodel AG. Gemäss Rainer Hodel habe man sich zusätzlich auf Nischen fokussiert. Aber auch hier sei der Druck enorm.

Zu tiefe Hürden?

«Den Preiskampf gibt es schon seit Jahren. Das ist kein spezifisches Zuger Problem», sagt Silvan Müggler, Leiter Wirtschaftspolitik beim Schweizerischen Baumeisterverband. Er macht neben dem Preiskampf ein weiteres gewichtiges Problem aus. «Die Markteintrittshürden im Baugewerbe sind tief: Jeder kann ein Baugeschäft eröffnen. Die notwendigen Maschinen kann man mieten», erklärt Müggler. «Zudem kann das Baugewerbe nicht auf Halde bauen wie ein Industriebetrieb, der sein Lager ausweiten kann», sagt er. «Wenn ein Unternehmer sieht, dass er in den kommenden Monaten keine Arbeit für seine Angestellten hat, kann es schon sein, dass er einen Auftrag annimmt, bei dem er drauflegen muss.» Dies, weil er sich sage, «es kostet mehr, die Mitarbeiter nicht zu beschäftigen, als ich bei diesem Auftrag drauflegen muss».

Preis hat viel Gewicht

Dem Preis werde tatsächlich viel Gewicht beigemessen. «Einen Einfluss auf die Situation hat auch das Vergaberechtwesen, wo heute fast nur noch der Preis zählt», führt Silvan Müggler aus. Zwar beobachte man eine leichte Erholung, der Markt sei aber immer noch angespannt. Gemäss Müggler sei der Markt zwar leicht gewachsen, man müsse aber befürchten, dass es zu heftigen Auswirkungen komme, wenn sich die Situation verschlechtere. Momentan sei praktisch kein Wachstum prognostiziert.

Problematisch könne es werden, wenn ausserkantonale Firmen in den Kanton drängen. Das sei beispielsweise dann vermehrt der Fall, wenn Nachbarkantone ihre Investitionsprogramme drosseln. Dann müssen sich Zuger Firmen gegen noch mehr Mitbewerber durchsetzen.