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ZUG: Essverhalten: Kinder hungern für ihre Eltern

Viele Eltern achten streng darauf, dass die Kinder kein Fett ansetzen. Eine Ernährungsexpertin kritisiert, wie im Kanton Zug Eltern auf ihre Kinder häufig Druck ausüben, um deren Essverhalten zu steuern. Das kommt nicht von ungefähr.
Thomas Heer
Immer mehr Menschen haben eine Unverträglichkeit gegen Lebensmittel wie Brot. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Immer mehr Menschen haben eine Unverträglichkeit gegen Lebensmittel wie Brot. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch

«Ihre wunderschönen Modelkinder» titelte jüngst die deutsche ­Illustrierte «Gala». Im Fokus des Artikels stehen Kaia und Presley, und sie sind die «wunderschönen Modelkinder» von Cindy Crawford, die aufgrund ihres blen­denden Aussehens selber schon ­Millionen von Werbe-Dollars ­verdient hat. Gegen Crawfords mütterlichen Stolz ist eigentlich nichts einzuwenden. Wäre da nicht jenes Publikum, das sich solche Stars mitsamt ihrem Nachwuchs zum Vorbild nimmt. Zur Unzufriedenheit mit dem eigenen Aussehen ist es dann oft nur ein kleiner Schritt.

«Wenn Heranwachsende in einem Umfeld leben, in dem die Mutter ständig vor dem Spiegel steht und sich über ihr eigenes Aussehen beschwert, überträgt sich das vielfach auch auf die Kinder», sagt ETH-Lebensmittelwissenschafterin Marianne Botta, eine der renommiertesten Ernährungsexpertinnen der Schweiz. Botta doziert seit Jahren im Fach familienbegleitende Kinderbetreuung sowohl an der Pädagogischen Hochschule von Zug als auch in Luzern.

Magersucht ist vor allem ein Problem in der Oberschicht

Womit Botta bei ihrer Arbeit an der Zuger Hochschule regelmässig konfrontiert wird, lässt aufhorchen. «Ich bekomme immer wieder zu hören, dass Kinder an Zuger Mittagstischen winzige Portionen zu sich nehmen und auch dann nicht mehr essen, wenn sie eigentlich noch Hunger haben.» Der Grund für dieses Verhalten liege, so Botta, oft bei der Mutter, die das Essverhalten ihres Kindes steuere. Ziel sei es, dem Übergewicht präventiv ­entgegenzutreten. Denn in der erfolgsorientierten oberen Zuger Mittelschicht und in den topsituierten Kreisen gelten, so Botta, überflüssige Pfunde als Stigma, als Zeichen von Schwäche.

Die Ernährungsexpertin sagt weiter: «An der Hochschule in Luzern wurde ich bis anhin nicht mit diesem Phänomen konfrontiert.» Zug gilt als reichster Kanton der Schweiz. Entsprechend hoch ist der Anteil jener Leute, die finanziell gut aufgestellt sind.

Bettina Isenschmid ist Chefärztin am Kompetenzzentrum für Essverhalten, Adipositas und Psyche am Spital von Zofingen. Sie spricht von Krankheiten wie Ess-/Brech- und Magersucht: «Diese treten häufiger in der Mittel- bis Oberschicht auf. Das ist aber weltweit so.» Das Streben nach der Ideal­figur kann bekanntermassen krank machen. Die Patienten kämpfen, so Chefärztin Isenschmid, oft ein Leben lang mit den körperlichen und psychischen Beschwerden. Sie weiss aus ihrer langjährigen Erfahrung: «Die besten Heilungschancen hat, wer sich möglichst früh in eine Behandlung begibt.» An das Umfeld der Betroffenen gibt die Zofinger Chefärztin folgenden Rat: «Gehen Sie nicht mit dem Drohfinger auf die Person zu, sondern sprechen Sie sie respektvoll an, um so Ihrer Sorge Ausdruck zu geben.»

Die Kinder als eine Art Projekt

In gutsituierten Gesellschaftsschichten sind ein Personaltrainer, das Fitness-Abo für edle Studios, Diäten, aber auch gelegentliche Schönheitsoperationen so selbstverständlich wie andernorts der wöchentliche Einkauf beim lokalen Discounter. Da erstaunt es nicht, dass die Jugendlichen aus diesen Kreisen bereits in frühen Jahren ein mitunter ­gestörtes Verhältnis zu ihrem eigenen Körper entwickeln. Ernährungsexpertin Marianne ­Botta sagt: «Die Kinder werden zu einem Art Projekt. Die schulischen Leistungen lassen sich nur bedingt beeinflussen. Umso mehr wird Wert auf das Äussere gelegt. Und dazu gehören die ideale Figur und der entsprechende Druck, diese Zielvorgabe auch zu erreichen.»

Druck kann auf subtile Art und Weise aufgebaut werden. Gemäss Botta passiert das nur schon dadurch, indem die Kinder immer wieder für ihr Äusseres gelobt werden.

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