ZUG: Fahrlehrer belästigte junge Schülerinnen

Ein Fahrlehrer aus dem Kanton Zug hatte knapp ein Dutzend seiner jungen Schülerinnen sexuell belästigt. Ob er immer noch unterrichtet, weiss man beim Fahrlehrerverband jedoch nicht.

Susanne Holz
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Der Zuger Fahrlehrer verschickte Grüsel-Handybilder. (Archivbild / ZZ)

Der Zuger Fahrlehrer verschickte Grüsel-Handybilder. (Archivbild / ZZ)

Ein Fahrlehrer aus dem Kanton Zug hat im vergangenen Jahr knapp ein Dutzend junge Schülerinnen, im Alter von 18 Jahren oder nur wenig älter, sexuell belästigt. Laut Marcel Schlatter, Mediensprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, wurde der Mann im August 2013 wegen Pornografie von der Staatsanwaltschaft des Kantons Zug mit einer Busse über 400 Franken bestraft und hatte die Kosten des Verfahrens über 200 Franken zu tragen. Das Ermittlungsverfahren bei der Zuger Polizei stehe kurz vor dem Abschluss.

Öffentlich bekannt wurde der Fall am Montagmorgen durch einen Beitrag der Gratiszeitung «20 Minuten». An diese hatte sich eines der Opfer, eine junge Zugerin von heute 21 Jahren, gewandt, nachdem sie das Gefühl hatte, die Ermittlungen gegen den Fahrlehrer zögen sich ohne Ergebnisse hin. Jolanda, so der geänderte Name der jungen Frau, erklärt gegenüber unserer Zeitung: «Ich fragte mich, was läuft da noch? Was passiert mit dem Fahrlehrer?» Obwohl die Polizei ihr zugesagt habe, sie auf dem Laufenden zu halten, wisse sie noch nicht einmal, wie hoch die Busse ausgefallen sei und ob der Fahrlehrer immer noch unterrichten dürfe. «Und», fragt sich die junge Frau, «wieso gab es nur eine Busse?» Immerhin habe der Beschuldigte sie nach der ersten Anzeige weiter und weiter belästigt – insgesamt dreimal erstattete Jolanda Anzeige gegen ihren ehemaligen Fahrlehrer, der ihr im vergangenen Jahr wiederholt Handybilder seines erigierten Glieds und weitere Nacktbilder geschickt habe, das erste Mal versehen mit einer SMS folgenden Wortlauts: «CHF 300, 1 Std. OK?"»

Unklar, ob Zulassung entzogen wurde

Laut Roger Stoll, Präsident des Schweizerischen Fahrlehrerverbands, Sektion Zug, sind im Kanton Zug rund 50 Fahrlehrer aktiv. 22 davon sind im Verband organisiert. Verletze ein Fahrlehrer die Regeln, die im Strassenverkehrsgesetz (Fahrlehrerverordnung) festgehalten seien, könne das Strassenverkehrsamt ihm die Zulassung entziehen. Roger Stoll hat Kenntnis von einem Fahrlehrer, dem letzten Herbst die Zulassung entzogen wurde, jedoch nicht davon, ob es sich bei diesem um besagten Fahrlehrer handelt, der seine Schülerin mit obszönen Handyfotos belästigte.

In Artikel 27 b der Fahrlehrerverordnung ist zu lesen: «Die Fahrlehrerbewilligung ist für eine unbefristete Dauer zu entziehen, wenn der Fahrlehrer oder die Fahrlehrerin seine oder ihre Stellung schwer missbraucht hat oder wenn aus charakterlichen Gründen seine oder ihre Lehrtätigkeit den Schülern und Schülerinnen nicht mehr zugemutet werden kann.»

Susanne Holz