ZUG: Fahrverbot wird bald fallen

Immer wieder ärgern sich Velofahrer, auf bestimmten Wegen absteigen zu müssen. Im Bereich des alten Kantonsspitals werden sie aber bald Grund zur Freude haben.

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Der Kanton wird dieses Fahrverbotsschild demnächst wegräumen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Kanton wird dieses Fahrverbotsschild demnächst wegräumen. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Susanne Holz

Erst im Juni dieses Jahres machten sich Zuger Velofahrer Luft: Sie zeigten sich ganz und gar nicht damit einverstanden, seit einiger Zeit auf dem schmalen Verbindungsweg zwischen Kirchmatt- und Zugerbergstrasse – entlang der Kirche St. Michael – absteigen zu müssen. Entschieden hatten das die Grundeigentümerinnen des Wegstücks: die Schulen St. Michael und die Kirchgemeinde Zug (wir berichteten).

Nun ist dies nicht das einzige Fahrverbot in Zug, das Velofahrern sauer aufstösst. Ein Anwohner der Hofstrasse, der anonym bleiben möchte, machte unsere Zeitung auf ein Verbot aufmerksam, das er persönlich «als noch viel ungerechter als das Verbot bei der Kirche St. Michael» empfinde. Warum? «Weil es sich um einen wesentlich breiteren Weg als bei besagtem Verbindungsweg bei St. Michael handelt. Weil dieser Weg deshalb gefahrlos von Velofahrern genützt werden kann.»

Eine ungefährliche Alternative

Doch von welchem Weg spricht der Hofstrasse-Anwohner eigentlich? Der Zuger stellt klar: Der Weg führe vom alten Kantonsspital entlang der Bahngleise Richtung Überbauung Roost. Er werde – illegal – von vielen Quartierbewohnern genutzt und auch von Leuten aus Oberwil, die diesen Weg auf ihrer Velofahrt nach Zug sowohl der Arther- als auch der Hofstrasse vorzögen. Beide Strassen seien stark befahren und gefährlich. «Gerade auch für Schüler ist der Weg entlang den Gleisen eine sichere Variante», findet der Anwohner. Mit dieser Ansicht, den Weg doch besser freizugeben, ist er nicht alleine. Stefan Hodel von der Verkehrskommission der Nachbarschaft Oberwil-Gimenen sagt: «Ich habe mich auch schon geärgert über die Schranke zwischen dem ehemaligen Kantonsspital und den Bahngleisen, und ich weiss auch nicht, was Sinn und Zweck derselben ist.»

Ein Veloweg war schon geplant

Tatsächlich warnt derzeit noch ein Verbotsschild beim alten Kantonsspital in Richtung der Bahngleise nach Fridbach die Velofahrer: Unbefugten sei das Befahren dieser Liegenschaft, im Grundbuch als «Quartier St. Michael» beziehungsweise «Artherstrasse 27» bezeichnet, untersagt. Eine Zuwiderhandlung werde auf Antrag mit einer Busse von bis zu 2000 Franken bestraft.

Sehr bald schon werden die Velofahrer aber aufatmen können: Der Kanton und Eigentümer der Liegenschaft wird den Weg für sie öffnen. «Die Aufträge dazu werden nächstens erteilt», lässt der kantonale Baudirektor Heinz Tännler wissen. «Die Beschilderung kommt weg.» Im Rahmen des neuen Bebauungsplans zum Areal des ehemaligen Kantonsspitals sei ohnehin vorgesehen, hier einen Weg für den Langsamverkehr – sprich Velofahrer und Fussgänger – einzurichten. Im Dezember gehe dieser Bebauungsplan in die zweite Lesung. Dann werde noch ein Detailplan zum künftigen Weg erstellt.

Der Baudirektor hat auch eine Antwort darauf, warum das Verbotsschild 2011 überhaupt aufgestellt wurde. «Solange das Spital in Betrieb war, war der Weg für die Allgemeinheit nicht nutzbar und somit kein Thema. Das Schild wurde später aufgestellt, um zu den Anlieferern der neuen Mieter nicht noch weitere Fahrzeuge anzulocken.»

Das Verbotsschild ist demnächst Vergangenheit: Nicht nur Astrid Estermann von der Arbeitsgemeinschaft Politik bei Pro Velo Zug findet das lässig. «Wird so ein Verbot aufgehoben, freut uns das jeweils sehr – gerade auch für Kinder und Schüler, die oft auf Wegen dieser Art fahren.»

Dass nicht nur viele Kinder den Weg entlang der Bahngleise jetzt schon nützen, weiss Stefan Gisler, der am Fridbachweg wohnt. Der Fraktionschef der Alternative-die Grünen sagt: «Diesen Weg benutzt das ganze Quartier. Einfach alle, die nach Zug fahren. Schön, dass das jetzt legal wird!»

Was allerdings mit dem korrespondierenden Verbotsschild am Ende des beliebten «Velowegs» passiert – dort, wo der Fridbachweg in die Hofstrasse führt, das weiss auch Heinz Tännler noch nicht. Denn hier handelt es sich um private Liegenschaften. Hier müsse man zusammen mit der Stadt das Gespräch suchen, so der Baudirektor. «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.»

Warten auf eine Schwelle

Und es gibt noch weitere «Baustellen» im Fridbachquartier. Stefan Gisler erinnert an ein grosses Anliegen der Bewohner: dass die Hofstrasse endlich sicherer werde. 550 Unterschriften habe man vor rund einem Jahr gesammelt, um Tempo 30 auf der Hofstrasse durchzusetzen. Auf dieses Anliegen sei der Stadtrat nicht eingegangen, habe aber bauliche Massnahmen wie einen Vertikalversatz bei der Bushaltestelle Roost versprochen. Eine Schwelle, auf die man noch immer warte: «Der Stadtrat soll sie endlich wahr werden lassen», so Gislers Wunsch.