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ZUG: Fast wie ein Reichsapfel in der Hand

Der Weibelstab des Standes Zug ist mittlerweile 132 Jahre alt. Das Unikat ist ein Werk von Johann Karl Bossard. Dieser Luzerner Goldschmied hatte Zuger Blut in seinen Adern und genoss international einen sehr guten Ruf.
Marco Morosoli
Die derzeitige Standesweibelin Pascale Schriber hält den Weibelstab in der rechten Hand. Zum Weibelgewand gehört auch noch ein von einem Löwen getragenes Zuger Wappenschild. Der Erzengel Michael (Bild rechts) kämpft mit dem Drachen.

Die derzeitige Standesweibelin Pascale Schriber hält den Weibelstab in der rechten Hand. Zum Weibelgewand gehört auch noch ein von einem Löwen getragenes Zuger Wappenschild. Der Erzengel Michael (Bild rechts) kämpft mit dem Drachen.

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Stab fertig, bitte selber holen oder holen lassen», steht auf einem Telegramm, welches der Kanton Zug am 3. Juli 1886 zur Mittagszeit erhalten hat. Dieses Dokument ist mit zahlreicher weiterer Korrespondenz zum Kauf des Zuger Weibelstab im Staatsarchiv zu finden. Absender der kurzen Depesche war der Goldschmied und Antiquitätenhändler Johann Karl Bossard aus Luzern (1846-1914). Schon sein Vater und Grossvater hatten im Kanton Zug mit Gold gearbeitet.

Johann Bossard hat seine Vorväter in einer Hinsicht übertrumpft. Nach seiner Lehre ging er auf eine ausgedehnte Weiterbildungsreise. Er war in Genf, Paris und in London. Zum Abschluss folgte noch ein Abstecher in die USA. Bossard kehrte jedoch nicht mehr nach Zug zurück, sondern eröffnete in Luzern ein Goldschmiede-Atelier. Er wurde europaweit für seine Arbeit geschätzt. Das zeigt seine lange Werkliste. So sind die Zuger Behörden wohl auf den erfahrenen Goldschmied aufmerksam geworden.

Der Zuger Weibelstab ist mitsamt der aufgepfropften Kugel 1,13 Meter lang. Diese sieht fast so aus wie der Reichsapfel des Heiligen Römischen Reiches, welcher in Wien aufbewahrt wird. Statt des Kreuzes thront aber der Erzengel Michael auf der Kugel. Der Zuger Stadtpatron bekämpft mit einem Speer in seiner rechten Hand den sich zu seinen Füssen windenden Drachen. In der linken Hand trägt der Engel ein Zuger Wappenschild. In der Mitte der Kugel schmiegt sich ein Band um den virtuellen Äquator. Die in Majuskeln gehaltene Überschrift des Gürtels lautet: Deus Protegat Patriam Tuggenam. Zu Deutsch bedeutet dieser Satz: Gott schützt das Vaterland Zug. Wer den Weibelstab von nahe betrachtet, bemerkt schnell, dass Bossard mit Liebe ans Handwerk gegangen ist.

Oberhalb des vorerwähnten Gürtels sind die Wappen der elf Zuger Gemeinden aufdrapiert. Es werden die damals bekannten Wappen verwendet. So hat die Gemeinde Baar immer noch den Zuger Schild mit einem B darin. Auffällig ist, dass die beiden Apostel Peter und Paul auf dem Oberägerer Gemeindewappen gegeneinander rudern. Ein Fehler, der in späteren Wappendarstellungen noch korrigiert wird.

Der bekannte Goldschmied hat auch die Weibelstäbe für die Kantone Schwyz und Luzern gefertigt. Allerdings ist deren Zuger Pendant sein Premierenwerk. Bossard fertigte auch einen Stab für den Bischof von Basel. Selbst gekrönte Häupter nahmen die Dienste von Bossard gerne in Anspruch. So ist eine Arbeit für den Kronprinzen von Rumänien überliefert. Dieser hat als Hochzeitsgeschenk einen Evangeliardeckel erhalten, der mit Saphiren besetzt war.

Wie viel Wert der Zuger Weibelstab hat, kann die aktuelle Standesweibelin Pascale Schriber nicht sagen. Aus den im Zuger Staatsarchiv gelagerten Akten geht hervor, dass der Kanton Zug 1886 für das Symbol der Macht 350 Franken bezahlt hat. Der dazugehörende Stab ist mit 30 Franken in Rechnung gestellt worden. Kaum im Besitze des Machtsymboles, hat der damalige Zuger Standesweibel das teure Stück am 9. Juli 1886 zur 500-Jahr-Feier der Schlacht bei Sempach mitgeführt. Wie die «Neue Zuger Zeitung» am 29. September schreibt, hat der Stab «allgemeine Bewunderung erregt». Scheinbar wurde der Weibelstab aber den Zugern vorenthalten. Die «Neue Zuger Zeitung» schreibt dazu: «Es wäre sehr zu wünschen, dass auch unsere Bevölkerung Gelegenheit gegeben würde, dieses Kunstwerk anschauen zu können.»

Der neue Zuger Weibelstab bekommt gute Noten, als störend wird hingegen das Gewand des Standesweibels empfangen. Sein ganzes Äusseres sei «so zu gestalten, dass er als eine würdige Vertretung des hohen eidgenössischen Standes Zug erscheint». Nur eine Uniform für den Zuger Standesweibel könne diesbezüglich Abhilfe schaffen. Denn derzeit würde unter dem Mantel des Standesweibels der gewöhnliche Zivilmensch hervorgucken.

Die Gestehungskosten für eine «einfache geschmackvolle Uniform», so die «Neue Zuger Zeitung», werde kaum «ein grosses Loch in der Staatskasse verursachen». Das nächste Mal nimmt die derzeitige Zuger Standesweibelin Pascale Schriber den Weibelstab am Auffahrtstag in Einsiedeln aus seinem Koffer. Das Machtsymbol spielt auch bei der Vereidigung der am 7. Oktober gewählten Kantons- und Regierungsräte im Dezember eine wichtige Rolle.

Hinweis

Mit «Hingeschaut» gehen wir Details mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach. Frühere Beiträge finden Sie online unter www.zugerzeitung.ch/hingeschaut.

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