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ZUG: «Fehler, den ich von Herzen bedauere»

Der Kirchenpfleger der ­reformierten Kirche ist seit letztem Jahr für die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca tätig. Die Firma richtete Hunderttausende, teils dubiose Briefkastenfirmen ein. Nun zeigt der Zuger Reue.
Wolfgang Holz
Der Schatten von Panama liegt nun nicht mehr über der Reformierten Kirche Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Der Schatten von Panama liegt nun nicht mehr über der Reformierten Kirche Zug. (Bild Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

«Das Verwaltungsratsmandat bei Mossack Fonseca & Co Zürich AG anzunehmen, war ein Fehler, den ich von Herzen bedauere», reagiert der Zuger Johannes Roth auf das Bekanntwerden seiner Tätigkeit bei der international durch die Panama Papers in Verruf geratenen gleichnamigen Anwaltskanzlei in der Karibik. Von jener Firma also, die bei der Gründung von über 300 000 Briefkastenfirmen in 21 Steueroasen weltweit tätig gewesen sein soll. Dabei ist auch die Rede von Beihilfe zur Steuerhinterziehung sowie von Geldtransfers aus illegaler Herkunft. Roth: «Ich habe die Konsequenzen nicht mit der notwendigen Sorgfalt durchdacht. Dadurch konnte ein schiefes Bild von den Werten entstehen, für die die Kirche steht und die auch mein Leben bestimmen.»

«Keine Vergütung bezogen»

Dass gerade der Bezirkskirchenpfleger der Reformierten Kirche Kanton Zug, Johannes Roth, seit 17. Juni 2015 als Verwaltungsratsmitglied der Mossack Fonseca & Co Zürich AG im Handelsregister eingetragen war, wusste in der Kirchgemeinde offensichtlich niemand. Selbst Kirchenratspräsident Rolf Berweger zeigt sich erstaunt über die Tatsache, «seinen Namen in Verbindung mit der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca & Co Zürich AG zu hören» (wir berichteten aktuell in der «Zentralschweiz am Sonntag»).

Nun zieht der betroffene Kirchenpfleger, seit zwei Jahren im Amt und Vater von erwachsenen Kindern, Konsequenzen. Per Mail teilte er gestern unserer Zeitung mit: «Ich habe als Verwaltungsrat von Mossack Fonseca & Co Zürich AG demissioniert.» Diese Firma sei eine regionale Marketingorganisation, die seit Jahren ruhe. Roth: «Sie hat keine Mitarbeiter. Man wollte sie aber aus Konkurrenzgründen nicht auflösen. Während der Zeit, in der ich das Mandat innehatte, haben keine Sitzungen stattgefunden. Ebenso wenig habe ich eine Vergütung bezogen. Das ist das einzige Verwaltungsratsmandat, das ich ausübte.» Ein durchaus überraschender Schritt – hatte doch Kirchenratspräsident Berweger in seiner Stellungnahme zum Fall Roth eingeräumt, dass dieser als Vereinsmitglied «keine Rechenschaft über seine Geschäftstätigkeiten schuldig» sei. Doch an der Basis der reformierten Kirche scheint eine andere Stimmung zu herrschen.

Leserbriefschreiber haben inzwischen den Rücktritt Roths als Kirchenpfleger gefordert: «Ich bin entsetzt! (...) Dass der Zuger Kirchenpflegepräsident im Verwaltungsrat jener Kanzlei sitzt, die vielen Reichen half, Geld zu verstecken. Wenn die Kirche glaubhaft sein will, muss sie sich davon distanzieren, und der Präsident sollte die Grösse haben, sein Amt weiterzugeben – im Interesse der Kirche.» (Ausgabe von gestern)

Roth steht Rede und Antwort

Ob Roth, über 60-jährig, auch von seiner Funktion als Kirchenpfleger zurücktritt, hält er sich offen: «Ich stehe dem Vereinsvorstand der Kirchenpflege Zug-Menzingen-Walchwil Rede und Antwort. Ohne Vertrauen ist eine weitere ehrenamtliche Arbeit für die reformierte Kirche ausgeschlossen.» Er sei sehr dankbar für viele Stimmen von Menschen, «die mich kennen und die mir in den letzten Tagen ihr Vertrauen und ihre Unterstützung ausgedrückt haben». Und der gebürtige Deutsche stellt klar: «Es führt keine Spur in die Kirche.»

Wobei für so manchen Reformierten offensichtlich noch nicht alles klar ist, wie aus einer Zusendung an unsere Zeitung hervorgeht: «Es nimmt ein gewöhnliches Gemeindemitglied schon Wunder, wie Herr Roth eigentlich sein Geld verdient», schreibt eine Leserin. Jetzt vermiete er noch eine Wohnung für exorbitante 6350 Franken pro Monat. «Ich bin fast jeden Sonntag im Gottesdienst, Herr Roth fast nie. Als Kirchenpflegepräsident gehört er doch in die Gemeinde.»

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