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ZUG: Fehlt nur noch der Leuchtturm

Sich fühlen wie an der Küste. Dieses Gefühl kann man tatsächlich erleben. Am Zuger Jachthafen nämlich.
Harry Ziegler
Entspannender Blick durch den Mastwald am Zuger Jachthafen auf den Zugersee – und in die Ferne. (Bild Werner Schelbert)

Entspannender Blick durch den Mastwald am Zuger Jachthafen auf den Zugersee – und in die Ferne. (Bild Werner Schelbert)

Harry Ziegler

Es gibt nicht viel, was mehr Entspannung bringt, als einen oder zwei tiefe Atemzüge am Zugersee zu machen. Ich bin mit dem See aufgewachsen. Der See und ich, wir kennen uns also schon ziemlich lange. Früher, als Kind und Halbwüchsiger, habe ich mich im See aufgehalten. Heute ist meine Begeisterung dafür begrenzt. Dafür halte ich mich nun umso lieber am See auf. Am liebsten am Jacht- (oder Boots-) hafen, zwischen dem ehemaligen Männerbad (heute Siehbach Badi) und Hafenrestaurant. Dort gibt es einen Platz mit Sitzbank, die sich vortrefflich dazu nutzen lässt, sich hängen- zulassen, die Gedanken abzustellen und einfach mal zu sein. Herrlich, wenn dann noch vom See her ein Lüftchen weht – die Entspannung ist nahezu perfekt, wenn beim Entspannen noch eine gute Zigarre mitglimmt.

Irgendwie wie in New Bedford

Sicher, das Zuger Seeufer bietet manche – vielleicht auch schönere – Plätze, die Entspannung verheissen. Ich hab auch bei zahlreichen anderen versucht, den entsprechenden Grad von Wohligkeit zu erreichen, den ich an meinem Plätzchen am Hafen finde. Geht nicht. Warum, weiss ich auch nicht.

Es kann möglicherweise daran liegen, dass einen der Blick auf den See, die auf und ab tanzenden Masten der Segelschiffe im Hafen ins Walfängerstädtchen New Bedford im US-Bundesstaat Massachusetts versetzen. Dort beginnt auch die Geschichte von «Moby Dick», einem Klassiker, den ich in meiner Jugend mehrmals regelrecht verschlungen habe. Besonders der erste Satz des Romans von Herman Melville drängt sich mir hier am Hafen, mit dem mal fauligen, mal frischen Geruch des Sees, immer wieder ins Gehirn. Es ist der wohl perfekteste Anfangssatz eines Romans, den es in der englischsprachigen Literatur bislang gibt: «Call me Ishmael – Nennt mich Ismael.» Drei einfache Worte, die eine ganze Geschichte erahnen lassen. Aber auch heute noch, wenn ich mich wieder an einem regnerischen Tag oder einfach so mit meinem «Moby Dick» hinsetze, jagen mir diese drei Worte wohlige Schauer über den Rücken – denn noch immer gibts für mich auf jeder Seite des Romans Neues oder bereits Vergessenes zu entdecken.

Ahoi, Mister Starbuck!

Es muss allerdings nicht immer mein Lieblingsplatz sein, der mich an diesen Roman erinnert. Im Zugersee gibts schliesslich keine Wale, aber man wird sich das doch vorstellen dürfen. Es finden sich auch am Bahnhof oder in der Metalli Orte, an denen eine Figur aus dem Walfängerepos präsent ist. Sie kennen sicher die US-Kaffeehauskette Starbucks. Deren Name geht auf den ersten Steuermann «Mister Starbuck» der «Pequod» zurück, das Schiff, auf dem Ishmael und der von Moby Dick verstümmelte Kapitän Ahab segeln. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das wär schon was ...

Etwas allerdings fehlt an meinem Lieblingsplatz. Ich hätte gerne einen Leuchtturm. So einen richtig hohen. Nicht eine solche mannshohe Funzel, mit der die Sturmwarnungen gemacht werden. Einen rot und weiss gestrichenen Leuchtturm, den ein alter, bärbeissiger Leuchtturmwärter bewohnt – von Vorteil ein ehemaliger Walfänger. Dann schmeiss ich mich ins Ölzeug, greif mir meine Harpune und mache Jagd auf Moby Dick. Natürlich nur in Gedanken. So ein Leuchtturm am Hafen, der hätte schon etwas für sich.

Mein Lieblingsort: Alle Beiträge gibt es auf www.zugerzeitung.ch/serien

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