ZUG / FRANKFURT: Sportrechtevermarkter Infront steht zum Verkauf

Der Schweizer Sportrechte-Vermarkter Infront sucht nach drei Jahren wieder einen neuen Eigentümer. Das Unternehmen aus Zug braucht für seine Expansionsstrategie frisches Geld und neue Investoren.

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Infront steht zum Verkauf. (Bild: Keystone)

Infront steht zum Verkauf. (Bild: Keystone)

Dies schrieb Verwaltungsratspräsident Philippe Blatter in einer als vertraulich eingestuften E-Mail an wichtige Kunden der Infront Sports & Media hervor. Die E-Mail liegt der Nachrichtenagentur Reuters vor.

Zusammen mit der Führung von Infront habe der Finanzinvestor Bridgepoint deshalb mit der Prüfung von Möglichkeiten begonnen, «um die geeignete Unterstützung für die nächste Wachstumsphase zu finden.» Ermutigend sei, dass sich bereits eine «beträchtliche Zahl» von möglichen Investoren gemeldet habe. Er werde das Unternehmen auch nach einem Eigentümerwechsel weiterführen, betonte Blatter.

Bridgepoint hatte Infront vor fast genau drei Jahren gekauft, in Finanzkreisen war der Preis damals auf gut 550 Mio. Euro taxiert worden. Das Engagement ist für den Finanzinvestor schon jetzt lukrativ: Im vergangenen Jahr hatte sich Bridgepoint eine schuldenfinanzierte Sonderdividende von 160 Mio. Euro genehmigt, im Juli nahm Infront weitere 155 Mio. Euro an Krediten für derartige Ausschüttungen auf.

Bridgepoint wollte sich nicht zu den Informationen äussern. Der grössere Infront-Rivale IMG war Ende vergangenen Jahres für 2,3 Milliarden Dollar verkauft worden.

Infront war 2002 von der Unternehmerin Nicole Junkermann und dem 2009 verstorbenen ehemaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus aus dem zerfallenden Imperium von Leo Kirch herausgekauft worden. Vor der Übernahme durch Bridgepoint hatte der Kaffee-Erbe Andreas Jacobs die Mehrheit der Anteile gehalten.

Infront hatte anfangs vor allem vom Verkauf der Rechte an grossen Turnieren des Welt-Fussballverbandes FIFA an Fernsehsender gelebt. Philippe Blatter ist der Neffe von Fifa-Präsident Sepp Blatter. Das Unternehmen hat sein Spektrum aber inzwischen verbreitert, etwa auf die Weltcup-Wettbewerbe in sechs Wintersportarten und Motorsport-Rennserien.

Für den Deutschen Fussball-Bund (DFB) vermarktet Infront die Länderspiele der Nationalmannschaft und den DFB-Pokal. Einer der bekanntesten der mehr als 600 Mitarbeiter der Firma ist der ehemalige Fussball-Nationalspieler und Kolumnist Günter Netzer.

sda