ZUG: Frischer Wind im Ratssaal

Zum sechsten Mal treffen sich Jugendliche am kantonalen Jugendpolittag mit Politikern, um sich auszutauschen. Die Podiumsdiskussion zeigt Einigkeit durch alle Ränge.

Andrea Muff
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Die Jugendlichen verfolgen die interaktive Podiumsdiskussion. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. April 2018))

Die Jugendlichen verfolgen die interaktive Podiumsdiskussion. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 5. April 2018))

Andrea Muff

andrea.muff@zugerzeitung.ch

Ohren und Augen melden es als Erste: Es ist keine gewöhnliche Parlamentssitzung im Zuger Kantonsratsaal am Donnerstagnachmittag. Mit farbenfrohen Kleidern, originellen Frisuren und sehr geschwätzig haben sich 80 Jugendliche im Gebäude eingefunden. Der Lärmpegel steigt, der Moderator des sechsten kantonalen Jugendpolittags, Vincenz Suter, ruft zur Ruhe und bittet alle Teilnehmer in den geschichtsträchtigen Raum. Vorne im Saal sitzen nicht wie gewöhnlich die Regierungs- beziehungsweise Stadträte, sondern drei Jungpolitikerinnen und ein Jungpolitiker – Sofia Zouhir (Juso), Christina Gut (Junge Alternative Zug), Laura Dittli (Jung CVP) und Livio Gerber (Jungfreisinnige). Die Zeit, bis sich alle auf ihren Plätzen im Saal eingefunden haben, reicht für Sofia Zouhir und Christina Gut noch für ein schnelles Foto, um diesen Moment festzuhalten. Organisiert wurde der sechste kantonale Jugendpolittag von Punkto Eltern, Kinder & Jugendliche im Auftrag des Kantons Zug.

Frau Landammann Manuela Weichelt-Picard, Vorsteherin der Direktion des Innern, begrüsst den politischen Nachwuchs. Mit einem Lächeln weist sie auf den sonst höheren Altersdurchschnitt im Zuger Kantonsparlament hin: 49,44 Jahre nämlich. Sie spricht über ihre politische Arbeit. Als Politikerin brauche man eine «dicke Haut und viel Schnauf». Manuela Weichelt sagt: «Wir brauchen euch als Nachwuchs, der frische Ideen einbringt, und vielleicht kandidiert ja jemand von euch im Oktober für die Gesamterneuerungswahlen.»

Themen in Gruppen besprochen

Die Jugendlichen haben sich den ganzen Tag mit politischen ­Themen beschäftigt. Zu ihren ­Gruppen, die nach Regionen und Gemeinden aufgeteilt waren, gesellten sich insgesamt 20 Gemeinderäte und 14 Kantonsräte. Sie diskutierten zusammen mit den Jugendlichen und erklärten ihre Arbeit. So erfuhr etwa die «Chamer Gruppe», dass bereits einiges im Hintergrund am Laufen sei bezüglich mehr Jugendräume. «Davon wussten wir gar nichts», erklärt eine junge Chamerin bei der Präsentation ihres Plakates am Nachmittag im Ratssaal. Auf dem grossen Papier haben die Gruppen jeweils notiert, was sie besprochen hatten und welche Themen sie am meisten bewegten. Immer wieder fällt das Stichwort «Stimmalter». Dabei herrscht der Konsens, alles so zu belassen, wie es heute ist.

Doch die Präsentation der Plakate war an diesem Nachmittag nicht die einzige Aufgabe: Mit dem Smartphone in der Hand und vereinzelt mit einem Baseball-Cap auf dem Kopf konnten die Nachwuchspolitiker an der interaktiven Podiumsdiskussion teilnehmen. Auf den Bildschirmen, wo sonst die Abstimmungsresultate zu sehen sind, erscheint die Frage: «Soll der Nachtzuschlag im Kanton Zug abgeschafft werden?» Es geht also um den öffentlichen Verkehr und den Nachtzuschlag von 5 Franken, der ab 0.30 Uhr am Wochenende für die Fahrt mit einem öffentlichen Verkehrsmittel zu entrichten ist – ein Thema, das vor allem Jugendliche betrifft.

Eine Mehrheit will den Nachtzuschlag abschaffen

Die Jugendlichen sind sich einig: Über 70 Prozent befürworten eine Abschaffung. Auch die Jungpolitiker auf dem Podium sind sich einig und plädieren für eine Abschaffung. Bei der Frage, wie der Nachtzuschlag stattdessen finanziert werden soll, gehen die Meinungen jedoch auseinander.

Sofia Zouhir (Juso) fühlt sich benachteiligt, da sie am Wochenende bis spät in die Nacht arbeite. «Jugendliche sollen entlastet werden», findet sie. Auch die Idee, den ÖV über die Einkommenssteuer oder über eine Erhöhung der CO2-Abgabe zu finanzieren, fällt auf linker Seite. Christina Gut von den Jungen Alternativen meint: «Der öffentliche Verkehr gehört zum Service public und ist kein Luxus.» Laura Dittli aus Oberägeri, die für die CVP als Kantonsrätin politisiert, will Private ins Boot holen, die mit Gutscheinen an die Jugendlichen den Nachtzuschlag finanzieren. «Ich könnte mir aber auch ein Abo mit integriertem Nachtzuschlag vorstellen.» Das findet auch Livio Gerber von den Jungfreisinnigen eine interessante Idee: «Man müsste dann allerdings ausrechnen, wie teuer ein solches Abo wirklich wird.»

Und zum Schluss der Diskussion kommt wieder das Smartphone zum Zug: Die Jugendlichen im Saal können abstimmen, ob sich ihre Meinung nun geändert hat. Bei rund 10 Prozent ist das der Fall. Als aber die Frage zum Nachtzuschlag nochmals auf den Bildschirmen erscheinen soll, versagt die Technik. Dann halt doch auf die altmodische Art: «Oldschool wie früher» zeigen die Jugendlichen per Handzeichen ihre Zustimmung für die Abschaffung des Zuschlags.