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ZUG: Für Jungbauern ohne Hof sind es schwere Zeiten

Obwohl viele Bauern ihren Betrieb aufgeben, finden viele Nachwuchskräfte keinen geeigneten Hof. Das ist von der Politik durchaus so gewünscht.
Bernard Marks
Rund zwanzig Jungbauern schliessen im Kanton Zug jährlich ihre Ausbildung am Schluechthof ab. (Symbolbild Werner Schelbert)

Rund zwanzig Jungbauern schliessen im Kanton Zug jährlich ihre Ausbildung am Schluechthof ab. (Symbolbild Werner Schelbert)

Die Schweizer Landwirtschaft durchlebt die allmähliche Öffnung gegenüber Europa in einem Krebsgang. Die hohen Kostenstrukturen und die relativ geringe Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zum Ausland sowie der politische Spardruck erzeugen einen ständigen Handlungsbedarf bei den Produzenten. Kaum eine Branche ist dem Strukturwandel so unterworfen wie die Landwirtschaft. Viele Bauern geben deshalb ihren Betrieb auf. Pro Tag verschwinden in der Schweiz drei der derzeit 54 000 Bauernhöfe. Bis 2024 werden laut Schätzungen 10 000 Bauernhöfe wegfallen. Der Trend zu weniger, aber grösseren Betrieben hält unvermindert an.

Damit nicht genug: Der Schweizer Bauernverband klagt über Nachwuchssorgen. Die Situation in der Landwirtschaftsbranche sei «Besorgnis erregend». Denn jeder dritte Betriebsleiter über fünfzig Jahre habe keinen Hofnachfolger. Das liegt laut dem Bauernverband auch daran, dass sich ausserhalb der Landwirtschaft deutlich mehr verdienen lässt. Hauptgrund für die unbefriedigende wirtschaftliche Situation in der Landwirtschaft seien die tiefen Produzentenpreise. Die wachsende Abhängigkeit vom Tropf des Staates sei für die jungen Berufsleute unbefriedigend, so der Bauernverband.

Nachbarn übernehmen häufig

Trotzdem haben Nachwuchsbauern ohne eigenen Hof Mühe, einen Betrieb zur Übernahme zu finden, und das trotz Bauernhofsterben – ein Paradoxon. Derzeit suchen in der Schweiz rund sechzig Junglandwirte einen Hof. Ihnen gegenüber stehen nur zehn Bauern, die ihren Betrieb bewusst als Ganzes übergeben möchten. «Auch im Kanton Zug haben es Jungbauern ohne Hof schwer», sagt Martin Pfister, Rektor am Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum (LBBZ) Schluechthof in Cham. Das habe mehrere Gründe, so Pfister weiter.

Insgesamt gibt es derzeit 550 landwirtschaftliche Betriebe im Kanton Zug. Davon hören fünf bis zehn Betriebe jährlich auf. Rund zwanzig Jungbauern schliessen pro Jahr am Schluechthof ihre Ausbildung ab. «Die meisten Landwirte, die in Zug den Beruf erlernen, haben einen eigenen Hof im Hintergrund», sagt Pfister. Lediglich zwei bis drei würden gerne einen Hof übernehmen. «Doch die Chancen stehen schlecht», sagt Pfister.

«In vielen Fällen ist es für die Bauern, die vor der Pensionierung stehen, am attraktivsten, ihr Land den Nachbarn zu geben und ihren Betrieb aufzulösen», erklärt der Rektor. Das sei einerseits finanziell attraktiv, weil die Nachfrage gross ist. Andererseits können sie so auch im Bauernhaus wohnen bleiben oder es ihren Kindern weitergeben. In einem solchen Fall könnten sich die Nachbarbetriebe dadurch vergrössern, was sich positiv auf die Produktionsbedingungen auswirke, erklärt Martin Pfister.

Mittel fehlen

«Dieser Strukturwandel ist von der Politik durchaus so gewollt», sagt Pfister. Eine Ausnahmeregelung im bäuerlichen Bodenrecht sieht vor, dass landwirtschaftliches Gewerbe aufgeteilt werden kann, wenn ein Nachbarbetrieb wirtschaftlich bessergestellt wird, indem er die zusätzlichen Flächen kauft oder pachtet. Der Trend zu immer grösseren Betrieben hält somit in der Schweiz unvermindert an.

Der grösste Knackpunkt für eine ausserfamiliäre Hofübergabe ist laut der Kleinbauern-Vereinigung aber die Finanzierung. Das bestätigt auch Pfister. «Anders als die Familie profitieren externe Käufer nämlich nicht von einem Vorzugspreis, für den die künftigen Erträge massgeblich sind», erklärt Pfister. Für externe Jungbauern ist der Markt- beziehungsweise Verkehrswert massgebend. Dieser kann laut der Kleinbauern-Vereinigung je nach Region zwischen 2,5- bis 5-mal über dem Ertragswert liegen.

Wenden sich die Käufer für einen Kredit an eine Bank, stehen ihnen allerdings höchstens 135 Prozent des Ertragswertes zu. Die Lücke müssen die Nachwuchsbauern mit ihrem Erspartem, über einen Erbvorbezug, Darlehen oder Bürgschaften finanzieren. «Das kann bis zu einer Million Franken ausmachen», sagt Pfister. Doch kaum ein angehender Bauer zwischen 20 und 30 hat so viel Geld zu Verfügung.

Einen Betrieb in Pacht zu übernehmen, wäre für Junglandwirte ohne Hof durchaus eine Option. Allerdings nimmt die Anzahl der Gesamt-Pachtbetriebe ebenfalls immer mehr ab. Dies, da es für Verpächter auch hier wirtschaftlich interessanter ist, die Betriebe als Gewerbe aufzulösen und das Land und die Gebäude einzeln zu verpachten respektive zu vermieten», sagt Pfister.

Bernard Marks

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