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ZUG: «Fussball ist wichtig für die Integration»

Millionen Schweizer fiebern heute der Auslosung der WM entgegen. Bruno Benaglio, Vater des Nati-Goalies und Verwaltungsratspräsident bei Zug 94, spricht über die Bedeutung des Sports. Auch in Zug.
Interview Wolfgang Holz
Bruno Benaglio ist bei Zug 94 im Einsatz. PD (Bild Gonzalo Garcia/ EQ Images)

Bruno Benaglio ist bei Zug 94 im Einsatz. PD (Bild Gonzalo Garcia/ EQ Images)

Bruno Benaglio, sind Sie schon nervös mit Blick auf die heutige WM-Auslosung? Welche wären denn Ihre Wunschgegner für die Schweiz?

Bruno Benaglio: Nein, nervös bin ich nicht. Kurz vor der Auslosung kann trotzdem eine gewisse Spannung aufkommen. Bisher habe ich mir aber den Termin nicht im Kalender reserviert. Wunschgegner habe ich keine. Es ist für die Schweiz eine Ehre und ein Glück, in Topf eins zu sein. Somit sind schon sieben Topfavoriten als Gegner in der Vorrunde ausgeschlossen. Aber dass es damit leichter wird, die erste Phase zu überstehen, würde ich nicht behaupten.

Haben Sie mit Ihrem Sohn Diego schon über die bevorstehende Auslosung diskutiert?

Benaglio: Mit Diego habe ich bis jetzt weder über die Auslosung noch über seine Wunschgegner gesprochen. Das werden wir dann ausgiebig tun, wenn die Gegner bekannt sind.

Welche Chancen rechnen Sie denn der Schweiz in Brasilien bei der WM-Endrunde aus – immerhin hat die Nati ja jüngst Brasilien in einem Freundschaftsspiel geschlagen?

Benaglio: Ich rechne damit, dass die Schweizer Nati die Vorrunde übersteht. Dabei denke ich aber nicht an Ergebnisse von Freundschaftsspielen, sondern eher an die Entwicklung der Mannschaft in den letzten zwei Jahren. Und an das Potenzial, das in dieser Mannschaft steckt. Aber natürlich, es muss schon vieles zusammenpassen, damit sich der Erfolg dann auch tatsächlich einstellt. Für mich ist Brasilien Favorit auf den Titel. Der Heimvorteil ist nicht zu unterschätzen.

Die Schweiz ist als Nationalmannschaft nicht zuletzt deshalb so gut, weil die meisten Spieler im Ausland kicken. Ihr Sohn Diego steht ja auch schon lange im Tor bei Wolfsburg und ist sogar vor ein paar Jahren Meister geworden.

Benaglio: Ich denke schon, dass die Schweizer Nati von den vielen Spielern, die in den ausländischen Top-Ligen engagiert sind, profitiert. Dabei dürfen wir aber eines nicht vergessen: dass alle diese Spieler aus der Schweizer Super League ins Ausland gewechselt haben, vielleicht mit Ausnahme von Diego. Für mich heisst das, dass die in der Schweiz spie­lenden Fussballer sich nicht hinten anstellen müssen.

Will Diego denn auch in Zukunft bei Wolfsburg spielen, oder hat er noch etwas Grösseres vor? Er scheint sich ja in Wolfsburg sehr wohl zu fühlen.

Benaglio: Bei der Frage nach einem Wechsel von Diego in eine andere europäische Liga gehen mir einige Gedanken durch den Kopf. Da ist zum Beispiel, dass sich Diego und seine Familie in Wolfsburg tatsächlich sehr wohl fühlen. Oder dass für Eltern mit – bald – zwei kleinen Kindern die Umgebung, in der ihre Kinder aufwachsen, enorm wichtig ist. Den Status, den sich Diego in Wolfsburg über die Jahre erarbeitet hat, in der Mannschaft, im Verein und in der Region, das müsste er sich wieder neu aufbauen. Das wäre allerdings eine reizvolle Aufgabe. Die Bundesliga gilt zurzeit für viele als stärkste Liga der Welt. Mir ist aber auch bewusst, wenn man einen Fussballfan nach den attraktivsten und besten Vereinen in Europa fragt, dass der VfL Wolfsburg nicht unter den ersten drei sein dürfte. Diego wird sich damit beschäftigen, wenn es ein konkretes Angebot gibt. Bis dahin hat er wichtigere Aufgaben.

Sind Sie denn – wenn es Ihnen möglich ist – bei jedem Nati-Spiel live dabei, um Ihrem Sohn zuzuschauen?

Benaglio: Meine Frau und ich schauen uns so viele Spiele wie möglich live an. Da stehen natürlich die Länderspiele in der Schweiz im Vordergrund.

Fiebern Sie dann auch mit, und tun Ihnen solche Momente weh, wenn die Schweizer Nati wie gegen Südkorea noch zwei Tore kassierte, obwohl Diego sensationell gehalten hat?

Benaglio: Niederlagen gehören zum Sport, und damit muss man umgehen können. Weh tut es nur, wenn nicht die Leistung für das Resultat verantwortlich ist. Ob ein Einzelner einen grösseren Beitrag zum Resultat beigetragen hat als ein anderer, spielt dabei keine Rolle, Fussball ist ein Mannschaftssport. Ein Team gewinnt zusammen, und es verliert zu­sammen.

Haben Sie früher auch Fussball gespielt?

Benaglio: Ich habe tatsächlich auch Fussball gespielt. Vom FC Unterstrass habe ich zum FC Zürich gewechselt, wo ich alle Nachwuchsabteilungen von C bis A im Tor durchgemacht habe. Danach war allerdings für längere Zeit Schluss. Erst Jahre später habe ich mich dem FC Nirwana in der 4. Liga angeschlossen. Ich war da von 1977 bis 1983 im Vorstand. Unser Ziel war, in Brüttisellen zwei Fussballplätze zu bauen. Das notwendige Geld haben wir mit der Organisation von Fussball-Turnieren beschafft. Im Sommer mit durchschnittlich 600 Mannschaften, im Winter in der Halle einmal mit über 1000 Mannschaften. Gegen viele Widerstände haben wir nach Jahren harter Arbeit das Ziel erreicht und aus Ackerland Fussballplätze gemacht. Die Fussballplätze gibt es übrigens noch immer.

Was fasziniert Sie am meisten an diesem Sport?

Benaglio: Fussball ist nicht umsonst der meistgespielte Sport. Man braucht nur einen Ball, der Rest ergibt sich. Kinder und Jugendliche lernen den Umgang miteinander. Fussball ist für viele die einzige Möglichkeit, sich in einem Verein sportlich zu betätigen. Sport, und im Speziellen Fussball, ist ein wichtiger Faktor bei der Integration.

Wie meinen Sie das konkret?

Benaglio: Dabei meine ich nicht nur die verschiedenen Nationalitäten und Sprachen, auch Religion, Hautfarbe und vieles mehr. Gemeinsam Erfolge feiern und Niederlagen verarbeiten hat nach meiner Ansicht einen positiven Einfluss auf die Entwicklung eines Menschen. Auch Zug 94 leistet gerade bei der Integration einen grossen Beitrag auf dem Platz Zug. Aber eines ist auch klar: Das Verhalten auf dem Fussballplatz ist vergleichbar mit unse­-rem Verhalten in der Gesellschaft allgemein. Also nicht besser und auch nicht schlechter.

Apropos: Sie sind Verwaltungsratspräsident bei Zug 94, wo man ja Grosses vorhat in Sachen Stadion. Wie realistisch sind Ihrer Meinung nach tatsächlich die Chancen für Zug 94, dass das Stadion noch umgebaut wird und der Verein sportlich in höhere Sphären aufsteigt?

Benaglio: Beim Projekt «Apollo» steht nicht allein das Stadion im Vordergrund, vielmehr sind wir der Ansicht, dass ein erfolgreicher und gesunder Fussballklub sich auf mehreren Pfeilern – Infrastruktur, Sport, Beteiligungen – abstützen muss. Unsere Aktivitäten gehen deshalb dahin, Zug 94 in all diesen Bereichen weiter zu entwickeln. Tatsache ist, dass nachhaltiger sportlicher Erfolg nur mit gesunden Finanzen und mit zeitgemässer Infrastruktur möglich ist.

Und das ist derzeit nicht so?

Benaglio: Die Hertiallmend entspricht zurzeit nicht den Anforderungen der Swiss Football League. Somit wäre es nicht möglich, mit der vorhandenen Infrastruktur in die Challenge League aufzusteigen. Die Pläne für den Ausbau des bestehenden Stadions sind deshalb nicht ein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit für den sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Und Zug 94 und die Stadt Zug führen zurzeit intensive Gespräche mit dem Ziel, in naher Zukunft ein zeitgemässes und mit den Bedürfnissen aller beteiligten Parteien ein massgeschneidertes Stadion zu reali­sieren.

Sehen Sie Zug 94 irgendwann gar in der Super League spielen – womöglich mit Diego Benaglio als Trainer?

Benaglio: Es gibt keine Pläne, Zug 94 in den nächsten Jahren in die Super League zu führen. Allerdings habe ich keine Kristallkugel, in der ich sehe, wie sich die Fussballlandschaft in der Schweiz in den nächsten 20 Jahren entwickeln wird. Auch hat mein Engagement bei Zug 94 nichts mit Diegos Zukunft zu tun. Sollte er sich einmal nach seiner Aktivzeit einen Job im Fussballgeschäft suchen, könnte es aber schon sein, dass er, dank überzeugenden Argumenten von mir, in Zug landet.

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