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ZUG: Geliebtem neues Leben einhauchen

Am vergangenen Samstag wurden im Loreto defekte Gegenstände aller Art gratis repariert. Gemeinsam mit Fachkundigen legten die Besitzer selbst Hand an.
Beat Oeschger versucht eine Kaffeemaschine zu reparieren. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. August 2017))

Beat Oeschger versucht eine Kaffeemaschine zu reparieren. (Bild: Maria Schmid (Zug, 26. August 2017))

In den globalisierten Ländern wird laufend konsumiert. Damit einher geht das Wegwerfen. Wer am Samstag zum zweiten Repair-Café bei der Freizeitanlage Loreto erschienen ist, überlegt sich immer noch zweimal, ein oft noch wertiges Produkt wegzuwerfen.

Freiwillige Reparateure aller Art haben sich in der Werkstatt eingerichtet oder reparieren im unteren Geschoss Fahrräder. Bereits am Morgen herrscht in der Werkstatt reges Treiben und Flicken. Die Reparateure aller Art hantieren auf engem Raum mit den verschiedensten Materialien und müssen kreativ sein – Werkzeuge wie im Fachgeschäft stehen nicht zur Verfügung. Kann etwas nicht wunschgemäss erneuert werden, werden Ersatzteile bestellt oder wird auf ein Fachgeschäft verwiesen.

Von der Lampe bis zum Buch

Hilary Stocker ist glücklich, denn ihre beiden Lampen mit besonderen Holzschnitzmustern konnten geflickt werden: «Die Lampen bedeuten mir viel – die Glühbirne scheint jeweils durch den Agat-Stein und erzeugt so ein sanftes Licht. Nun, da die Zuleitungen mit den Schaltern ausgewechselt sind, funktionieren sie wieder.» Rolf Siegrist ist Handwerklicher Buchbinder in Pension und hat am Vormittag bereits ein Buch geflickt, bei dem einzelne Seiten herausgefallen waren: «Besonders alte Bücher werden mit der Zeit abgenützt und drohen auseinanderzufallen. Viele kann ich von Hand reparieren.» Die Praktik des Handwerklichen Buchbindens hat auch in der Schweiz eine lange Tradition: «Leute wie ich, die Bücher restaurieren, gibt es noch viele und sind gefragt. Obwohl man das Handwerkliche Buchbinden noch erlernen kann, ist der Beruf leider am Aussterben.»

Christof Theiler vermietet die Räumlichkeiten der Freizeitanlage Loreto fürs Repair-Café und hilft selbst mit. Er ist von der Idee dahinter begeistert: «Es wird hier im Team gearbeitet, und es entstehen neue Begegnungen. Der Prozess zum geflickten Gegenstand hin ist spannend, und mit etwas Wille kann fast alles repariert werden.» Trotz der grossen Resonanz würde sich Mitorganisatorin Paola De Coppi über mehr junge Leute für das Café freuen: «Wir versuchen der heutigen Wegwerfkultur entgegenzuwirken – mir ist es in erster Linie ein Anliegen, die Jugend dafür zu sensibilisieren.» Sie erklärt, dass ältere Generationen mit einer anderen Einstellung dem Wegwerfen gegenüber aufgewachsen sind, und meint dies keineswegs wertend. Im Hinblick auf das nächste Repair-Café fügt sie hinzu: «Ich bin mir sicher, dass auch Lehrlinge hier beim Reparieren wertvolle Erfahrungen schöpfen könnten.»

Nils Rogenmoser

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis: Das nächste Repair-Café findet am 28. Oktober 2017 statt. Gesucht sind freiwillige Reparateure aller Art, auch Lehrlinge. Anmeldungen unter: 079 820 78 93/ repaircafezug@gmail.com

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