ZUG: «Gemeinsam einen Traum zum Leben erwecken»

Die Junge Bühne präsentiert das Werk «Bett» von Jim Cartwright. Mit dem fantasievollen Theaterstück und dem leidenschaftlichen Schauspiel begeistert das Kinder- und Jugendtheater das Publikum.

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Von links: Vera Gantenbein, Laila Koller und Melia Inglin. (Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 20. Januar 2017))

Von links: Vera Gantenbein, Laila Koller und Melia Inglin. (Bild: Christian H. Hildebrand (Zug, 20. Januar 2017))

Knallbunte, samtige Decken auf einem grossen Bett, darin eingekuschelt sind sieben Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensgeschichten. Sie alle teilen sich ein Bett und nehmen das Publikum jeweils mit in ihre Träume. Den ersten Traum jedoch erleben noch alle zusammen, gemeinsam fahren sie durch eine malerische Landschaft, bis es schliesslich Nacht wird und Regen fällt. Die Schauspielgruppe ist wahrlich ein eingespieltes Team, Schlag auf Schlag erfolgen die Dialoge, wodurch eine lebendige und energiegeladene Atmosphäre entsteht. Mit viel Leidenschaft verkörpern die Schauspieler ihre skurrilen Figuren und überzeugen so schnell das Publikum. «Träumen und Theater kann man gleichstellen», meint Vera Gantenbein, welche die Jungfer im Stück spielt.

Eine Wendung in den friedlichen Schlaf der sieben Menschen bringt der Sermonkopf, welcher neben dem Bett auf einem Regal steht. Weil er von Schlaflosigkeit gequält ist, zeigt er seine Eifersucht, indem er die Schlafenden manipuliert, sodass sie beispielsweise plötzlich unglaublichen Durst verspüren und erwachen oder gequält werden von Albträumen. Mit seinem grotesken Wesen sorgt er im Publikum für Lachen und Begeisterung, obschon er die Stimmung der Figuren kippen lässt und ab und an für blutrünstige Träume sorgt.

Das Stück von Jim Cartwright ist abstrakt und vermag dennoch zu überzeugen. «In diesem Stück muss der Zuschauer vielleicht gar nicht alles verstehen, sondern einfach zurücklehnen und geniessen», meint Stefan Koch-Spinnler, der das Projekt leitet. Auch die Schauspieler hat dieses besondere Stück zum Nachdenken angeregt. «Theater ist für mich, dass man zusammenkommt und gemeinsam einen Traum, eine Vision zum Leben erweckt», findet Bastian Inglin, der den Sermonkopf spielt in diesem Stück. Ähnlicher Meinung ist auch Laila Koller, welche die Busendame verkörpert. So meint sie nämlich: «Theater bedeutet für mich, einzutauchen und alles zu vergessen.» Durch die treibende Kraft des Sermonkopfes entwickelt sich in den Träumen immer mehr Handlung, und die Figuren beginnen über sich hinauszuwachsen. Es findet ein ständiger Wechsel an Emotionen statt, welche die Schauspieler ausdrucksvoll darstellen. Wut, Angst oder Einsamkeit werden zunehmend thematisiert, und die Schauspieler reissen das Publikum mit in ihre Traumwelt, sodass sie tief eintauchen und mitfühlen mit den bewegenden Geschichten der Figuren. Immer wieder kommt es zu musikalischen Einlagen, die dem Stück eine weitere spannende Nuance verleihen. Ein vielfältiges Stück, das zum Nachdenken anregt und verzaubert.

 

Vanessa Varisco

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Aufführungen: am 26. und 27. Januar um 19.30 Uhr und am 28. Januar um 17 Uhr im Theater Metalli. Informationen und Tickets unter www.kindertheaterzug.ch