ZUG: Gesucht: Land für 40 neue Wohnungen

Eine Wohnbaugenossenschaft feiert am Freitag ihren runden Geburtstag. Für die Zukunft hat sie sich etwas Grosses vorgenommen.

Charly Keiser
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Früh warb die Gewoba an ihrem Haus im Roost mit einem Bekenntnis zum gemeinnützigen Wohnungsbau. (Archivbild Stefan Kaiser)

Früh warb die Gewoba an ihrem Haus im Roost mit einem Bekenntnis zum gemeinnützigen Wohnungsbau. (Archivbild Stefan Kaiser)

Vor 50 Jahren wurde in Zug die Gewoba gegründet. Was heute für Genossenschaft für gemeinnützigen Wohnungsbau steht, war in den ersten Jahren allerdings das Kürzel für Gewerkschaftlichen Wohnungsbau, wie Gewoba-Präsident Urs Niederberger erklärt. Mit 114 Wohnungen im Hertiquartier und 28 Wohnungen im Roost stellt die Gewoba einen massgebenden Faktor in Zugs gemeinnützigem Wohnungsbau dar.

Die Wohnungen in der Herti wurden 1967 und 1976 bezogen und in den Jahren 2001 und 2005 umfassend saniert. Die neuste Gewoba-Liegenschaft im Süden der Stadt Zug, am Fridbachweg, konnte vor rund zwei Jahren bezogen werden. Die Gewoba hat zirka 500 Genossenschaftsmitglieder und möchte gerne wachsen, betont Niederberger.

«Erst nachdem die Herti erschlossen worden ist, hat die Korporation Zug Land für den sozialen Wohnungsbau freigegeben», schaut Niederberger zurück. Und glücklicherweise sei damals, in den frühen Siebzigerjahren, die Gewoba zum Zug gekommen. Nach der zweiten Tranche in der Allmendstrasse sei leider lange nichts passiert, sagt der 57-Jährige und fügt an: «Bis wir zu meiner grossen Freude das Haus im Roost realisieren konnten. Dabei hat mich vor allem gefreut, dass wir den Wählerauftrag sehr gut umsetzen konnten.» Der Spagat sei sehr gut gelungen, und auch der gute Mietermix überzeuge ihn, ergänzt er (siehe Box).

Viertes Objekt gesucht

Die Hoffnung sei jetzt, dass die Gewoba nicht wie ein Auto ohne Getriebe stehen bleibe, sagt Niederberger, der hauptamtlich als Schulleiter in der Stadt Zug wirkt und auch die städtische Projekt- und Steuergruppe für die Schulentwicklung leitet. «Es ist mir enorm wichtig, dass wir in den nächsten Jahren noch ein weiteres Wohnbauprojekt realisieren können», doppelt Niederberger nach und sagt: «Ich glaube, die Voraussetzungen dafür werden nie mehr besser.» Dies einerseits, weil der aktuelle Vorstand der Gewoba äusserst motiviert und vor allem auch ausgewogen und sehr kompetent sei. Andererseits seien die wirtschaftlichen Bedingungen sehr attraktiv, um gemeinnützige Wohnungen realisieren zu können. Allerdings sei in Zug das Bauland rar beziehungsweise seien kaum Baulandreserven vorhanden. «Darum sind die Genossenschaften natürlich auf die Hilfe der öffentlichen Hand angewiesen», betont Niederberger und hofft, dass seine Genossenschaft beim sozialen Wohnungsbau im alten Kantonsspitalareal, im Lüssi oder in der Schleife schon bald zum Handkuss kommen wird.

«Wir geben uns Mühe und haben gegenüber der Korporation und der öffentlichen Hand unser Interesse signalisiert», präzisiert Niederberger. «Wir sind aber darauf angewiesen, dass wir gehört werden und auch eine Möglichkeit erhalten.» Denn selber Land oder vorhandene und in die Jahre gekommene Häuser zu kaufen, sei für eine Genossenschaft schwierig. «Das ist nicht nachhaltig, und die Objekte wechseln den Besitzer auch meistens unter der Hand.» Das grosse Ziel sei ein weiterer grösserer Neubau mit etwa 30 bis 40 Wohnungen. «Damit würden wir auch eine Grösse erreichen, mit der wir die Bewirtschaftung günstig und effizient machen können.»

Ein mustergültiges Beispiel

Eine Fusion der Zuger Wohnbaugenossenschaften zieht Niederberger hingegen nicht in Betracht. «Wir haben unter den Genossenschaften eine gute und konstruktive Zusammenarbeit, insbesondere mit Beat Herrmann von der Allgemeinen Wohnbaugenossenschaft Zug. Und wir werden von der Stadt und der Korporation auch als eine Stimme wahrgenommen.»

Die Überbauung Roost sei ein mustergültiges Beispiel, wie es eigentlich funktionieren sollte, erklärt Niederberger und sagt: «Man hätte aber sogar einen Schritt weiter gehen können und sich fragen müssen, ob es ein Kerngeschäft der Stadt ist, selber zu bauen.» So wäre es zum Beispiel eine Variante gewesen, wenn drei Genossenschaften den Roost realisiert hätten, analysiert er weiter und sagt dies auch mit Blick auf das alte Kantonsspitalareal. Darum sei es wohl auch gut, dass es keine fusionierte «Supergenossenschaft» in Zug gebe. «Denn jede hat ihre Geschichte und ihren eigenen Farbtupfer», sagt Niederberger und fügt an: «Konkurrenz schadet nie.» Je nach Situa­tion könnten sich die Genossenschaften speziell positionieren und verschiedene oder spezielle Wohnungen anbieten. «So können die Leute aus verschiedenen Angeboten auswählen.» Das Gespräch unter den Zuger Wohnbaugenossenschaften sei in den letzten Jahren tatsächlich vor genau diesem Hintergrund in Gang gekommen. Bald werde man sich wohl erneut zusammensetzen, um gemeinsame Ziele mit Nachdruck zu formulieren.

Ziele definieren und formulieren

Und was wünscht sich Niederberger als Geburtstagsgeschenk für die Gewoba, die am kommenden Freitag feiert? «Ich wünsche mir innerhalb der Gewoba, dass wir die gegenseitigen guten Kontakte mit den Mietern pflegen und noch ausbauen können. Und mein zweiter Wunsch ist ein baldiges Zeichen von der Stadt, dem Kanton oder der Korporation, dass wir bald einen nächsten Schritt mit dem Bau eines vierten Objekts an die Hand nehmen können.»

Hinweis

Informationen unter: www.gewoba.ch