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ZUG / GOLDAU: SBB fliegen mit Drohne Gefahrenhang ab

Die SBB gehen bei der Überwachung von Naturrisiken entlang ihrer Strecken neue Wege. Eine mit einer Kamera bestückte Drohne fliegt Gefahrenherde ab. Ein erster Testlauf in der Region ist erfolgreich, aber es gibt noch einige Herausforderungen.
Marco Morosoli
In einer Rinne am Westhang des Rossbergs oberhalb der SBB-Strecke Zug–Arth-Goldau lässt der SBB-Inspektor Heinz Müller eine Drohne fliegen. (Bild: Stefan Kaiser (Arth, 21. August 2017))

In einer Rinne am Westhang des Rossbergs oberhalb der SBB-Strecke Zug–Arth-Goldau lässt der SBB-Inspektor Heinz Müller eine Drohne fliegen. (Bild: Stefan Kaiser (Arth, 21. August 2017))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Am Montagnachmittag hat über dem Himmel zwischen Arth und Goldau reges Treiben geherrscht. Zwei McDonnel Douglas F/A 18 «Hornets» der Schweizer Luftwaffe überfliegen das Gebiet. Ein paar Luftschichten tiefer nutzen Gleitschirmflieger die gute Thermik für einen Flug.

Zu diesen gesellt sich später etwas tiefer noch eine Drohne. Der Mann am Steuerhebel dieses Kleinfluggerätes mit vier Rotoren trägt eine Sicherheitsweste der SBB. Sein Name: Heinz Müller. Er ist bei der Staatsbahn Leiter des Inspektionsteams Naturrisiken. Der für die Region Süd der SBB verantwortliche Bergführer ist der Erste, welcher eine mit einer Kamera bestückte Drohne nutzt, um eine umfassende Gefahrenanalyse zu machen. Müller lässt sein handliches Fluggerät eine Rinne am Westhang des Rossberges zwischen den Gebieten Big­stein und Roren abfliegen. Er erhofft sich so neue Erkenntnisse über diese Gefahrenquelle oberhalb der einspurigen SBB-Strecke zwischen Walchwil und Arth-Goldau.

Grosser Schaden nach dem Unwetter im Jahre 2005

Im besagten Gebiet ist bei den sintflutartigen Regenfällen zwischen dem 20. und dem 23. August 2005 eine Schlammlawine niedergegangen und hat die einspurige Bahnstrecke erreicht. Sie musste deswegen für mehr als eine Woche gesperrt werden. Ein solcher Schadenfall soll sich nicht wiederholen. Werner Ruf, federführend beim Sonderprojekt der SBB, erklärt, dass der Westhang des Rossbergs im Bereich dieser Rinne deshalb unter erhöhter Beobachtung stehe. Ruf ist der Treiber hinter dieser neuen Überwachungsart zum Schutz von SBB-Anlagen. Er sieht in den Drohnen ein nützliches Hilfsmittel: «Der Inspektor muss nicht mehr klettern, er kann jetzt fliegen.» Solche potenziellen Gefahrenherde habe Heinz Müller bis jetzt mühsam erklettern müssen, um zu den erforderlichen Daten zu kommen. Jetzt seien die Informationen, so sagt Werner Ruf, in rund einer Viertelstunde beisammen. Noch am Aufnahmeort kann Müller den gemachten Film des Drohnenfluges über die Nagelfluh-Geröllfelder visionieren. Ist dann einmal mehr Datenmaterial vorhanden, kann Heinz Müller herauskristallisieren, was sich seit dem letzten Flug verändert hat. Weitere Hilfsmittel sind Regenmessanlagen, die bei einer kritischen Grenze reagieren. Klar ist: Die Gesteinsrinne zwischen Bigstein und Roren hat sich vor noch nicht langer Zeit gebildet. Auf einer Karte der Schweizerischen Landestopografie aus dem Jahre 1956 fehlt der Einschnitt oberhalb der SBB-Strecke Walchwil–Arth-Goldau noch. Im neusten Kartenblatt 1151 des Bundesamtes für Landestopografie aus dem Jahre 2016 ist der entstandene Spalt im Gebiet Roren nun punktgenau eingezeichnet.

Es sind keine Luxusdrohnen im Einsatz

Die Geländekontrolle mit der Drohne ist für den SBB-Mann Werner Ruf ein «Innovationsschub». Die verwendeten Drohnen des chinesischen Herstellers DJI sind Stangenware und kosten rund 1200 Franken. Die Herausforderung ist für die SBB, die für die Drohne notwendige Konfiguration zu kreieren. Das habe, so gibt Ruf freimütig zu, ab und an zu Problemen geführt. Doch dadurch habe er sich nicht abschrecken lassen. Ruf muss dabei immer im Auge behalten, dass in diesem Technologie-Segment die Entwicklung rasend schnell vor sich geht und mitberücksichtigt werden muss. Dazu sei noch «Pröbeln» angesagt, so erklärt Werner Ruf, aber dies alles sei billiger, als einen Helikopter zu mieten, um das Gebiet zu überfliegen. Zur Hand geht den SBB dabei der gebürtige Brite Tim Whiskers. Ruf bezeichnet ihn als «Drohnentrainer».

Weitere Herausforderungen warten auf die SBB

Ein weiterer Vorteil der nur gerade 800 Gramm schweren Kleinfluggeräte: Sie lassen sich zusammengefaltet einfach im Rucksack verstauen. Der SBB-Naturrisiko-Inspektor Heinz Müller muss sich also nicht schwer beladen ins Gelände aufmachen.

Für den Drohnen-Projektleiter Werner Ruf gehört den Drohnen die Zukunft. Sie könnten auch bei der Inspektion von Brücken zum Einsatz kommen. Hier seien aber noch Probleme mit dem Global Positioning System (GPS) zu lösen. Bei der Gefahrenanalyse entlang der SBB-Gotthardstrecke gilt es noch, andere Steine aus dem Weg zu räumen. Sobald die Drohne aus dem Sichtfeld des Piloten verschwindet, braucht es eine Bewilligung des Bundesamtes für Zivilluftfahrt. Ruf ist zuversichtlich: «Wir sollten die Bewilligung bis Ende September für solche Flüge bekommen. Noch gilt es, die eine oder andere Frage zu klären.»

Gefordert ist Werner Ruf auch noch hausintern: «Ich muss die involvierten Kollegen überzeugen. Ich nehme ihnen nichts weg, sondern ich bereichere ihr Berufsbild.» Heinz Müller, der erste SBB-Drohnenpilot aus Bürglen UR, bereut seine Zusage nicht: «Ich kann bei diesem Projekt mitdenken und es mitgestalten.»

Die Arbeit geht den Naturrisiko-Inspektoren nicht aus. Alleine auf der Gotthardachse hat es rund 60 Gefahrenstellen.

Werner Ruf, Projektleiter Drohne bei der SBB, stellt die fliegende Kamera vor. (Bild: Stefan Kaiser (Arth, 21. August 2017))

Werner Ruf, Projektleiter Drohne bei der SBB, stellt die fliegende Kamera vor. (Bild: Stefan Kaiser (Arth, 21. August 2017))

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