Der Künstler und der «Gummimüll»

Lässt sich Holz als Material mit Gummi vergleichen? Ja. Die Objekte des Zuger Künstlers Eugen Jans zeigen es anschaulich auf.

Andreas Faessler
Drucken
Teilen
Eugen Jans verwandelt selbst riesenhaften Gummiabfall in filigran und zart anmutende Kunstwerke. Bei näherem Betrachten erinnert die bearbeitete Oberfläche an diejenige behauener Holzobjekte. (Bilder: Andreas Faessler, Zug, 12. September 2019)

Eugen Jans verwandelt selbst riesenhaften Gummiabfall in filigran und zart anmutende Kunstwerke. Bei näherem Betrachten erinnert die bearbeitete Oberfläche an diejenige behauener Holzobjekte. (Bilder: Andreas Faessler, Zug, 12. September 2019)

So wie ein Holzbildhauer mit Hammer und Meissel oder Stechbeitel sein Material behaut, so verfährt Eugen Jans mit Gummi. Der Zuger Künstler, 1963 geboren in Steinhausen, verschafft sich von Altdeponien Pneus von Traktoren oder Baumaschinen sowie andere Gummiobjekte wie etwa Schläuche oder Hockeypucks, um sie zu bearbeiten. Er zerlegt sie, schneidet sie zurecht, ordnet und formt sie neu – verflochten, verdreht – manchmal vollständig, manchmal nur zur Hälfte, um den Ursprungszustand dem Neugeschaffenen innerhalb des Objektes gegenüberzustellen.

Aktuell bespielt Eugen Jans mit Installationen und neuen Objekten den Garten der Villa Stadlin (Sitz der Ernst Göhner Stiftung) an der Artherstrasse 19 in Zug. Es ist ein kleiner Skulpturenpark, welcher die kreative Bandbreite des Zugers anschaulich wiedergibt. Monströse Gummireifen schimmern plötzlich mannigfaltig im Sonnenlicht – ihre bearbeitete Oberfläche gibt den Glanz des Inneren der Gummimasse frei. Zuweilen integriert Jans die entstehenden Gummispäne mit ins Objekt oder kreiert daraus etwas Neues, Eigenständiges.

Archaisch, aber doch beweglich und weich

Für Eugen Jans gibt es zwischen Holz und Gummi als Arbeitsmaterial starke Parallelen. Nicht nur sind sich die Strukturen beider bearbeiteten Materialien optisch ähnlich, auch die Art, wie sie sich mit der Zeit formen – etwa Risse bilden –, ist vergleichbar. Die teils Zentner schweren Objekte wirken je nach Bearbeitung archaisch – und zugleich doch beweglich und weich. Letztere Eigenschaft ist denn auch mit dem Material Gummi von Natur aus entsprechend konnotiert. Einige Exponate im Garten der Villa Stadlin bestehen nicht nur aus Gummi. Bei einigen von ihnen führt Jans es mit dem «Parallelmaterial» Holz zusammen. Für Eugen Jans ist das Spannungsfeld zwischen den beiden Materialien, das sich bei deren steten Zusammenführung aufbaut, zentraler Aspekt seiner Arbeit.

Ein anderes Gummiobjekt «tanzt» insofern aus der Reihe, als es auch korrodierten Stahl enthält: Es ist der Teil einer Gummiraupe mit metallenem Kern. Unweit davon hat Jans einen massiven Gummiklumpen zu einem übergrossen Vorschlaghammer mit Holzstiel montiert, an anderer Stelle liegen kleinere Holz-Gummihammer in einem Kreis angeordnet auf dem Boden. Und überall ist die intensive Oberflächenbearbeitung durch den Künstler sichtbar und prägend.

Diese Ausstellung von Eugen Jans unter freiem Himmel an der Artherstrasse 19 dauert noch bis und mit Sonntag, 20. Oktober. Der Garten ist täglich frei zugänglich von 9 bis 18 Uhr. Am Samstag, 28. September, findet um 17.30 Uhr eine Kunstperformance statt – mit dem Zuger Musiker Christian Hartmann am Kontrabass.