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ZUG: «Gute Kunstwerke stellen Fragen»

An mehreren Orten kann man Kunst anschauen. Nicht allen gefällts. Wie viel Kunst braucht der öffentliche Raum? Kunsthausleiter Matthias Haldemann nimmt Stellung.
Interview Wolfgang Holz
«4477»: Der Monsterreifen in Ketten von Eugen Jans in Baar eröffnet neue Perspektiven. (Bild Stefan Kaiser)

«4477»: Der Monsterreifen in Ketten von Eugen Jans in Baar eröffnet neue Perspektiven. (Bild Stefan Kaiser)

Matthias Haldemann, in Baar gibt es jetzt einen Skulpturenpark, in Oberägeri gibt es einen Skulpturenpark. In der Stadt Zug werden nun Rundgänge zu vorhandenen Kunstwerken im öffentlichen Raum angeboten. Braucht jetzt jede Gemeinde einen Skulpturenpark?

Matthias Haldemann: Die Ausstellung in Oberägeri habe ich nicht gesehen, und die in der Stadt Zug kenne ich noch nicht. Bei der Ausstellung in Baar handelt es sich aber gerade nicht um einen Skulpturenpark. Im Unterschied zu einer Präsentation von klassischen Skulpturen in einem dafür vorgesehenen Park haben die Kunstschaffenden die Standorte in der Gemeinde selber ausgewählt und dafür spezifische Arbeiten geschaffen. Das ist ein grosser Unterschied.

Wie meinen Sie das?

Haldemann: Es geht eben nicht um die Präsentation von bestehenden Kunst­werken ohne Ortsbezug, sondern um die gezielte Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum. Von der Kunst haben sich die Verantwortlichen der Gemeinde einen neuen Blick auf die vertraute Umgebung erhofft, die bekanntlich einem starken Wandel unterworfen ist. Die Werke werden nach Ausstellungsende wieder verschwinden. Es geht hier nicht um die Möblierung des öffentlichen Raums mit Kunst.

Einige Kunstwerke werden gemäss Stimmen aus der Bevölkerung als lapidar betrachtet. Nicht zuletzt werden die hohen Kosten von 250 000 Franken kritisiert als Gegenwert für das, was da geboten wird. Welche Qualität sollte denn Kunst im öffentlichen Raum haben?

Haldemann: Der Wert von Kunst lässt sich nicht mit Zahlen messen. Für mich ist es wertvoll, wenn Kunst im öffentlichen Raum sich sensibel mit ihrem Standort auseinandersetzt und die Betrachtenden zum genauen Hinsehen und Nachdenken anregt. Das erfordert eine Eigenaktivität. Es geht um den Dialog. Gute Kunstwerke stellen Fragen, die auch unbequem sein können.

Stellen die ausgestellten Kunstwerke in Baar denn solche Fragen?

Haldemann: Auf jeden Fall. Alle Arbeiten liefern aber keine simplen Antworten auf Rätselfragen. Ihre Fragestellungen zielen auf neue Sichtweisen. Gefragt wird zum Beispiel nach der Beziehung von ausländischen Bewohnern zu Baar, der Eigenart der Stadtränder entlang von Strassen und der Eisenbahn, nach vergessenen Orten der Gemeinde, nach ihrer Verbindung zur Natur, nach der menschlichen Intimität inmitten der Verkehrsmaschine, der Sehnsucht nach Ferne, nach Baar als ewiger Baustelle, nach Leben und Tod und so weiter. Letztlich geht es auch um Grundfragen wie: Wo bin ich hier, was sehe ich, was höre ich, was rieche ich, was fällt mir auf, was kommt mir in den Sinn, was fehlt mir?

Ein Grossteil der 250 000 Franken wird für die Vermittlung der Skulpturen aufgewendet. Ist moderne Kunst nur über Vermittlung zugänglich?

Haldemann: Das hängt von den Betrachtenden ab. Wer gewohnt ist, sich mit Kunst zu beschäftigen, der braucht an sich keine Vermittlung. Nicht weil er alles schon weiss, sondern weil er geübt ist, sich mit Kunstwerken selbstständig auseinanderzusetzen, und ein sensibles Wahrnehmungsvermögen hat.

In Baar scheint der Umgang mit Kunst also noch für so manchen Neuland?

Haldemann: Wer diese Erfahrung noch nicht hat, dem kann es helfen, wenn er in etwas eingeführt wird. Bei Kunst im öffentlichen Raum, die sich an eine breite Öffentlichkeit richtet, ist dieses Angebot sehr sinnvoll und eine Chance zum Einstieg in die Kunst. Aber auch hier geht es nicht um Belehrung, sondern um den offenen Dialog. Bin ich bereit, genau hinzusehen und mir Gedanken über etwas zu machen, das mir fremd scheint? Bin ich bereit, mich auf die vorhandene Realität einzulassen? Nehme ich mir dafür die notwendige Zeit? Bin ich offen und neugierig? Kunst hat wenig mit Wissen und viel mit eigener Erfahrung zu tun.

Wie wichtig ist es heutzutage aus Ihrer Sicht, dass sich auch kleine Gemeinden in Sachen Kunst engagieren? Ist das notwendig oder nur trendy?

Haldemann: Kunst richtet sich grundsätzlich an alle, nämlich an mündige Bürger, sei es in der Metropole oder im Dorf. Wenn eine ehrliche Auseinandersetzung mit Kunst angestrebt wird wie in Baar, dann macht das Sinn. Sonst ist es auch in der Metropole unnötig.

Sind solche Skulpturenparks oder solche Kunst im Dorf nicht eine Konkurrenz fürs Zuger Kunsthaus?

Haldemann: Das Kunsthaus Zug hat bereits Mitte der 1990er-Jahre angefangen, Kunstprojekte im öffentlichen Raum zu realisieren. Lange bevor das populär wurde. Und wir machen es weiterhin, auch mit dem Kunsthaus Zug mobil. Unser Vermittlungsteam ist gerne in Baar aktiv.

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