ZUG: Haustiere sorgen für Konflikte

Vierbeinige Lieblinge sind oft ein Zankapfel unter Nachbarn. Immer öfter sind die Tiere gar unerwünscht.

Luc Müller
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Öfters geraten sich Mieter wegen Katzen in die Haare. Die Tiere dürfen nur nach Absprache mit dem Vermieter gehalten werden. (Bild: Leserbild Stefan Luzi)

Öfters geraten sich Mieter wegen Katzen in die Haare. Die Tiere dürfen nur nach Absprache mit dem Vermieter gehalten werden. (Bild: Leserbild Stefan Luzi)

Die Geschichte, die sich kürzlich in Hünenberg abgespielt hat, ist beispielhaft: Haustiere können zu Spannungen unter den Mietern führen. «Plötzlich waren unsere beiden Katzen, die jeweils nach draussen gegangen sind, nicht mehr da», erklärt der Mieter, der anonym bleiben möchte. Er ist überzeugt, die neuen Nachbarn haben mit dem Verschwinden seiner Lieblinge zu tun. «Denn diese haben sich plötzlich über unsere Katzen beschwert, weil sie über ihren Gartensitzplatz laufen. Auch die Katzentreppe, die am Fuss ihres Gartens steht, hat sie gestört», so der Katzenfan. Mit der Vermieterin haben sie extra einen Zusatz zum Mietvertrag abgeschlossen. Darin heisst es: «Dem Mieter ist auf Zusehen hin gestattet, als Haustier zwei Katzen zu halten.» Zudem ist im Vertrag geregelt, dass der Mieter verpflichtet ist, dafür zu sorgen, dass durch die Tierhaltung die Hausruhe nicht gestört wird und keine Verunreinigungen erfolgen.

Den Vermieter fragen

«Konflikte ergeben sich vor allem dann, wenn Mieter Haustiere halten, ohne vorher die Vermieter zu fragen», erklärt Alain B. Fuchs, Geschäftsführer des Hauseigentümerverbandes (HEV) des Kantons Zug. Im Zuger Standardvertrag steht klar, dass Haustiere grundsätzlich nicht erlaubt sind. «Im Einzelfall kann man aber trotzdem Haustiere halten. Es braucht dazu aber die Bewilligung des Vermieters», so der HEV-Geschäftsführer. Es komme darauf an, um welches Tier es sich handelt. «Für kleine Tiere wie Hamster, die nur in der Wohnung leben, ist ein Einverständnis des Vermieters eher möglich.» Bei Tieren, die für Lärm sorgen – wie Papageien oder Hunde – oder Katzen, die per Katzentreppe nach draussen gehen – ist unbedingt das Einverständnis des Vermieters vorgängig einzuholen. «In den meisten Fällen befragt der Vermieter auch die Mietparteien, ob sie nichts gegen einen Hund in der Nachbarschaft haben.» Ist eine Regelung gefunden, dann könne diese wegen eines neuen Mieters nicht plötzlich umgestossen werden. «Ein neuer Mieter übernimmt sozusagen das alte Umfeld», betont Alain B. Fuchs. «Es handelt sich bei den Tieren um Lebewesen, die nicht einfach abgeschoben werden können», gibt Alain B. Fuchs zu bedenken.
«Es ist aber schon so: In den neuen Wohnobjekten in der Stadt Zug gilt ein striktes Haustierverbot.» Die Neubauten seien aber auch nicht tierfreundlich erstellt. «Oft gibt es gar nicht mehr genügend Grünflächen, oder die Objekte stehen in der Nähe einer Hauptstrasse – ein solches Umfeld ist für Katzen nicht geeignet», sagt Fuchs.

Schriftliche Regelung

«Am besten regelt man die Haltung von Haustieren mit dem Vermieter schriftlich – dann gibt es keinen Ärger», rät Anwalt Urs Bertschi, Co-Präsident des Mieterverbandes Kanton Zug. Grundsätzlich sei der Mieter dazu verpflichtet, Sorgfalt walten zu lassen und auf andere Mieter Rücksicht zu nehmen. «Ein Hund kann nicht einfach den ganzen Tag alleine zu Hause bleiben und bellen.» Für Mieter sei zu bedenken, dass Schäden, die nicht durch ein Einzelereignis, sondern durch regelmässiges Verhalten entstanden sind – von der Haftpflicht nicht bezahlt werden. «Das ist beispielsweise der Fall, wenn Katzen eine Wohnung völlig zerkratzen.» Auch er sieht den Trend: «Für Tierbesitzer wird es immer schwieriger, eine Wohnung zu finden.»
Im Tierheim Allenwinden lebten vergangenes Jahr rund 260 Katzen – rund 20 Prozent davon wurden nach einem Wohnungswechsel abgegeben, wie es auf Anfrage heisst.