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ZUG: Heisser Job – kalte Hände

Diese Woche wurden im Bahnhof fünf Schmieranlagen einbaut. Ein harter Job für die Beteiligten, die damit Lärmgeplagten Freude bescheren.
Charly Keiser
2 Uhr Morgens: Während die meisten Leute schlafen, arbeiten Spezialisten auf dem Zuger Bahnhof. Und dies zur Bekämpfung des Lärms. (Bild Charly Keiser)

2 Uhr Morgens: Während die meisten Leute schlafen, arbeiten Spezialisten auf dem Zuger Bahnhof. Und dies zur Bekämpfung des Lärms. (Bild Charly Keiser)

Mittwoch Morgen 00.45 Uhr: Die Fahrt mit dem Auto zum Bahnhof Zug dauert viel schneller als eingeplant. Kein Wunder: Ist doch die Stadt um diese Zeit und an diesem Wochentag nahezu ausgestorben. Auch der Bahnhof ist wie leergefegt. Auf der grossen Anzeigetafel sind nur noch Zuge aufgeführt, die nach 5 Uhr von Zug aus verkehren. «Bitte nicht einsteigen», prangt auf der S-Bahn-Zugkomposition, die kurz vor 1 Uhr in den Bahnhof einfährt.

Sechs Männer in Orange stehen auf dem Perron der Geleise 4 und 5. Es sind dies der SBB-Mann und Verantwortliche Mayasi Kamu, SBB-Sicherheitsleiter Marco Kaufmann und sein Vorwarner Marc sowie die drei Holländer Ron Al, Ali und Mehmet. Letztere arbeiten für eine Privatfirma, die auf Schmieranlagen spezialisiert ist. Drei Nächte lang sind die Männer in Zug, um fünf Anlagen einzubauen.

Weiterentwickeltes System

Bei der Anlage handelt es sich um ein weiterentwickeltes System derjenigen in den Bahnhöfen Bern, Zürich Flughafen und Zürich Stadelhofen, die seit etwa zehn Jahren im Einsatz sind, wie SBB-Mediensprecherin Lea Meyer erklärt. Es werde eine Flüssigkeit auf die Schienen gesprüht, die von den Rädern über die Schienen verteilt werde. Schon für die Anlagen in Luzern hätten die SBB die ursprüngliche Technik weiterentwickelt, nun sei dies auch spezifisch für den Bahnhof Zug gemacht worden, verrät sie weiter. «Mit den neuen Anlagen berücksichtigen wir gezielt den Einfluss der Berührgeometrie Rad – Schiene in Bögen. Es werden pro Anlage jeweils eine Kontrolleinheit, ein Druckminderungsventil, ein Mittelzylinder und ein Stickstoffzylinder sowie eine Stromversorgung montiert. Dazu kommen Zufuhrschläuche und Spritzköpfe, die mit einem Dosierventil, einer Düse und Sensoren ausgerüstet sind.

Lange Sicherheitsinstruktion

Die Holländer haben das Material für die beiden Anlagen, die sie diese Nacht einbauen wollen, bereits ab 22 Uhr an die vorgesehenen Standorte gebracht. Zumindest fast: Die Geleise hätten sie nämlich nicht betreten, versichert Al. Denn Sicherheit wird bei den SBB grossgeschrieben, wie schnell zu erkennen ist. Rund 25 Minuten dauert die Instruktion Kamus sowie die Unterzeichnung der umfangreichen Unterlagen, die er mitgebracht hat.

Obwohl der letzte S-Bahn vor einer Viertelstunde in den Bahnhof eingestiegen ist, wo sie bis am Morgen steht, «muss immer mit einem durchfahrenden Zug gerechnet werden», erklärt Sicherheitschef Kaufmann. «Und weil hier in einer Kurve gearbeitet wird, müssen wir zusätzliche einen Vorwarner einsetzten. Dies, weil die Sicht in eine Richtung nicht den erforderlichen 365 Metern Annäherung entspricht», präzisiert er. Mayasi Kamu zieht sich in einen Ruheraum zurück. Bereits früh am Morgen ist er nämlich in wieder im Einsatz, wie er verrät.

Die drei Holländer legen los, die zwei Schweizer sorgen für deren Sicherheit. Eine stramme Brise weht über das Perron. Es ist kalt – saukalt. «Ich bin mich das gewohnt, sagt Kaufmann, ohne seinen Blick zu verschieben. Er starrt in Richtung Norden, um einen sich allfällig nähernden Zug sofort zu erkennen und die Truppe warnen zu können. Noch ist es nicht 3 Uhr und die erste der beiden Anlagen – ein stehendes Modell – ist installiert. «Das Mittel, das auf die Geleise gespritzt wird, verringert die Porösität der Schienen und damit den Widerstand und das Quietschen, erklärt Ron Al. Sechs Wochen nach dem Einbau komme er nach Zug zurück, um die Anlage zur überprüfen und wenn nötig fein zu justieren.

«Überschreiten verboten»

Es macht Spass für einmal den kürzesten Weg über die Schienen zu nehmen und am Schild «Überschreiten der Geleise verboten» vorbei zu marschieren. Dies natürlich nicht, ohne zuvor den «Jungs» auf den Geleisen tschüss gesagt zu haben. Es ist mittlerweile 3 Uhr. Im warmen Bett fliegen die Gedanken kurz zu Marco, Marc, Ron, Ali und Mehmet.

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