ZUG: Heute ist sein letzter Einsatz im Rat

Seit 26 Jahren ist Michael Duvaud Stadtweibel. Jetzt geht er in Pension. Der Stadt bleibt er aber weiter treu – in einer anderen Position.

Samantha Taylor
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Das Amt des Weibels hat Michael Duvaud, wie er selber sagt, vor 26 Jahren «eher zufällig» übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

Das Amt des Weibels hat Michael Duvaud, wie er selber sagt, vor 26 Jahren «eher zufällig» übernommen. (Bild Stefan Kaiser)

«Wehmütig? Nein, das bin ich eigentlich nicht», sagt Michael Duvaud und lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Seinem Schmunzeln nach scheint der Mann mit dem väterlichen Ausdruck aber doch etwas in Erinnerungen zu schwelgen. Michael Duvaud ist seit 26 Jahren Weibel der Stadt Zug. Heute Abend ist er zum letzten Mal an einer Sitzung des Grossen Gemeinderats im Einsatz und am Freitag dann zum letzten Mal überhaupt für die Stadt Zug. Danach will der 64-Jährige seine Pension geniessen. Seine Nachfolge tritt Gabriela Kottmann an.

Gesundheitliche Probleme

Stadtweibel wurde Duvaud «irgendwie zufällig», wie er sagt. «Es hat in meinem Leben immer verschiedene Abschnitte gegeben. Die meisten haben unverhofft begonnen», erzählt er. Nach seiner Ausbildung zum Bäcker/Konditor verbrachte der damals knapp 20-Jäh­rige zwei Jahre im Vatikan bei der Schweizergarde.

Als er nach Zug zurückkam, beschloss er, eine weitere Ausbildung zu absolvieren. «Ich habe bei der damaligen Stadtpolizei angefangen.» Das sei sein Traumjob gewesen. Doch Duvaud musste sich bald damit abfinden, dass er diesen nicht allzu lange werde ausüben können. Gesundheitliche Probleme machten ihm zu schaffen. «Ich bin Diabetiker. Vor allem bei Nachteinsätzen hatte ich grosse Mühe», erinnert er sich. Nach wenigen Jahren musste sich Michael Duvaud aus dem uniformierten Polizeidienst verabschieden. «Ich war noch eine Weile als ziviler Beamter tätig und habe dann den Aufbau und die Verwaltung des Parkhauses Casino übernommen.» Doch dann folgte der nächste Schlag. Duvaud erlitt einen Unfall. Eine Folge daraus war ein schweres Rückenleiden. 1988 musste er dann auch die Arbeit im Parkhaus beenden.

Politisch zurückhaltend

Michael Duvaud hatte Glück. «Man hat damals bei der Stadt sofort geschaut, wie man mich sonst einsetzen kann», berichtet er. Neben administrativen Aufgaben, die man ihm übertragen habe, sei auch das Amt des Weibels frei geworden. Werner Binzegger, Duvauds Vorgänger, hatte sich mit dem damaligen Stadtpräsidenten verkracht und trat von seinem Posten zurück. Binzegger empfahl ihn als Nachfolger. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, blickt er heute zurück. «Es ist eine abwechslungsreiche Aufgabe. Man kann Administratives, Organisatorisches und den Austausch mit Leuten kombinieren», erzählt er.

Duvaud, der heute in Unterägeri wohnt, war und ist politisch interessiert. Für seine neue Aufgabe hatte sich der Vater von zwei erwachsenen Söhnen aber trotzdem eines vorgenommen: «Ein Weibel ist für alle da und muss mit allen auskommen. Es ist nicht gut, wenn er politisiert und in diesem Bereich aktiv tätig wird», ist er überzeugt. Trotzdem hat Duvaud das politische Geschehen und seine Akteure sehr genau beobachtet – bei jeder Sitzung des Grossen Gemeinderats, von denen er in den letzten 26 Jahren kaum eine verpasst hat, aufs Neue. «Die Kultur hat sich verändert», bilanziert er. Sie sei nicht per se gehässiger oder schlechter gewor­den. «Aber es gab Zeiten, besonders nach dem Attentat, da ist man an­ständiger miteinander umgegangen als heute.»

Flexibel bleiben

Der Vergangenheit trauert der Weibel trotzdem nicht nach – auch nicht seinen geplatzten Träumen. «Ich habe mich immer wieder neu orientiert. Und ich war eigentlich auch meist zufrieden mit dem, was auf mich zugekommen ist», berichtet er gelassen. An der Vergangenheit festhalten will der 64-Jährige auch mit seiner Pension nicht. «Es gibt für alles die richtige Zeit. Und jetzt ist es für mich an der Zeit, mit dem Arbeiten aufzuhören.» Wie er seine Tage nun verbringen wird, weiss er noch nicht. Langweilig werde es ihm aber mit Sicherheit nicht. Duvaud hat bereits das Angebot erhalten, dass er sich in einem kleinen Pensum um die Sozialwohnungen der Stadt Zug kümmern kann. Ausserdem ist er Präsident einer Wohnbaugenossenschaft, verbringt gerne Zeit mit seiner Frau in der Ferienwohnung im Tessin. «Und wir haben noch einen Hund, der sich darauf freut, länger ausgeführt zu werden.»

Vorgenommen hat sich Michael Duvaud nichts. «Ich hatte als junger Polizist ein einschneidendes Erlebnis.» Dabei seien ihm zwei Dinge bewusst geworden. «Man kann im Leben kaum etwas planen. Darum sollte man versuchen, vielseitig zu bleiben und sich nicht nur auf eine Sache zu fokussieren», erzählt er. Denn wenn alles anders komme, dann müsse man flexibel sein. «Hat man sein Leben nur einer Sache verschrieben, die man plötzlich nicht mehr machen kann, verliert man plötzlich den Boden unter den Füssen. Und das wollte ich noch nie und will ich auch jetzt nicht.»