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Kundgebung gegen Johnson & Johnson in Zug

Médecins Sans Frontières wirft Johnson & Johnson (J&J) vor, die Behandlung von multiresistenter Tuberkulose zu erschweren. Am Donnerstag, 17. Oktober, findet deshalb eine Kundgebung vor dem J&J-Campus statt.
Christopher Gilb
Der J&J-Campus an der Gubelstrasse in Zug. Hier will Médecins Sans Frontières am Donnerstagmittag gegen die Preispolitik des Pharmakonzerns protestieren. (Bild: Jan Pegoraro, 15. Oktober 2019)

Der J&J-Campus an der Gubelstrasse in Zug. Hier will Médecins Sans Frontières am Donnerstagmittag gegen die Preispolitik des Pharmakonzerns protestieren. (Bild: Jan Pegoraro, 15. Oktober 2019)

Ob in Indien, den Philippinen, Russland oder Südafrika: Multiresistente Tuberkulose ist auf dem Vormarsch. Im Jahr 2016 beispielsweise haben sich nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisationen etwa 490000 Menschen damit infiziert. Das Problem, 40 Jahre lang gab es kaum ein neues Medikament gegen diese Form der Infektionskrankheit.

Inzwischen aber gibt es Bedaquilin. Eines der erfolgreichsten Medikamente zur Behandlung resistenter Tuberkulose, das vom Pharmaunternehmen Johnson & Johnson (J&J) hergestellt wird. «Das Problem ist nur, das J&J mit seiner Preispolitik verhindert, das 80 Prozent der Patienten einen Zugang zum Medikament erhalten», kritisiert Lara Dovifat von der Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF). «Die Konsequenz ist, dass weiterhin alte Medikamente eingenommen werden müssen mit gravierenden Nebenwirkungen, beispielsweise ein dauerhafter Gehörverlust und Psychosen.» Dovifat arbeitet für eine weltweit stattfindende Kampagne von MSF. Die Hilfsorganisation fordert, dass der Pharmakonzern J&J den Preis für das Medikament auf einen Dollar pro Patient und Tag beschränkt. Dafür findet am Donnerstag, 17. Oktober, von 12 bis 13 Uhr auch eine Kundgebung vor dem J&J-Campus in Zug statt. Geplant ist es, Flyer zu verteilen und die Öffentlichkeit aber auch die Mitarbeiter des Konzerns für das Problem zu sensibilisieren. «Für die Entwicklung des Medikaments und die anschliessenden Studien wurden massiv viel öffentliche Gelder verwendet», sagt Dovifat. «Entsprechend müsste es auch der Allgemeinheit zugutekommen.»

Der Streit um den Preis

Die Hilfsorganisation stützt sich auf eine Studie der Universität Liverpool. Dieser zufolge, so Dovifat, könne der Pharmakonzern sogar mit einem Preis von 25 Cent pro Tag noch Profit mit dem Medikament machen.

Bei J&J heisst es, dass man das Ziel von Médecins Sans Frontières teilt, «dass Bedaquilin alle Patienten erreicht, die es benötigen». «Durch ein vierjähriges Spendenprogramm, das in Partnerschaft mit der U.S. Agency for International Development und JSC Pharmstandard durchgeführt wird, hat sich J&J verpflichtet, bis Ende Jahr 105000 Behandlungskurse kostenlos in 80 Ländern anzubieten», schreibt Konzernsprecher Thomas Moser. Erst letzte Woche habe der Konzern zudem die Zusage gegeben, in den nächsten vier Jahren 500 Millionen Dollar für Innovationen im Bereich Tuberkulose und HIV auszugeben. Zum Preis von Bedaquilin schreibt Moser, dass dieses ab sofort für 400 Dollar in mehr als 130 Ländern weltweit erhältlich sei. Dabei handelt es sich gemäss J&J um einen nicht gewinnorientierten Preis. Neben diesem erschwinglichen Zugang zu Bedaquilin habe J&J auch eng mit den Regierungen und anderen Partnern zusammengearbeitet, um das Tuberkulose-Gesundheitssystem zu stärken. Beispielsweise mit der Ausbildung von Gesundheitspersonal.

Die Preisverpflichtung von 400 Dollar, sagt Lara Dovifat von Médecins Sans Frontières, sei schon länger bekannt. «Das sind aber immer noch mehr als zwei Dollar Behandlungskosten pro Tag.» Und vor allem beziehe sich der Preis auf eine Behandlungszeit von sechs Monaten. «Unserer Erfahrung nach, brauchen die Patienten das Medikament aber oft länger. Wir bleiben deshalb bei unserer Forderung.» Denn erst bei einem Preis von einem Dollar pro Tag könnte in gewissen Regionen das Medikament ins nationale Gesundheitssystem integriert werden.

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