ZUG: Hier braucht es eine Lösung

Der Bahnhof Rotkreuz gewinnt an Bedeutung. Der Kanton und die Gemeinde Risch wollen dort längere Perrons. Doch das Bundesamt für Verkehr hat anderes im Sinn.

Marco Morosoli
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Auf dieser Brache zwischen den Gleisen 5 und 6 im Bahnhof Rotkreuz soll dereinst ein Zustieg zu haltenden Zügen möglich sein. (Bild Christian Herbert Hildebrand)

Auf dieser Brache zwischen den Gleisen 5 und 6 im Bahnhof Rotkreuz soll dereinst ein Zustieg zu haltenden Zügen möglich sein. (Bild Christian Herbert Hildebrand)

Marco Morosoli

Beim Sanierungskonzept der SBB am Ostufer des Zugersees und beim Ausbau der Doppelspur am Nordende des Bahnhofs Walchwil herrscht derzeit Stillstand. Die SBB haben das 200-Millionen-Franken-Projekt am 6. April 2016 gestoppt (wir berichteten). Dazu geführt hat ein beim Bundesverwaltungsgericht hängiges Gerichtsverfahren.

Bei der Totalsperre der Strecke Zug–Oberwil–Arth-Goldau ab Dezember 2016 wäre der Nord-Süd-Verkehr für 18 Monate über Rotkreuz umgeleitet worden. Um dort die längeren Züge in oder aus dem Süden abfertigen zu können, muss ein Perron im Ennetseer Bahnhof verlängert werden. Die SBB haben dafür eine provisorische Perronverlängerung im Kopf. Nach Projektende soll diese dann wieder abgebrochen werden.

Ein taktischer Beschwerderückzug

Der Zuger SVP-Kantonsrat Philip C. Brunner hält von dieser Vorgehensweise nicht viel und wünscht, dass die Perronverlängerung erhalten bleibt. Dabei weiss er den Kanton wie auch die Gemeinde Risch hinter sich. Dies geht aus der Antwort eines Postulates hervor, das der Zuger SVP-Kantonsrat Mitte 2014 eingereicht hat. Die Antwort auf den Vorstoss ist kürzlich veröffentlicht worden. Darin zeigt sich, dass die beiden vorerwähnten Körperschaften gegenüber dem Bundesamt für Verkehr (BAV) ebenfalls für eine dauerhafte Perronverlängerung geweibelt sind. Ohne Erfolg. Auf eine Beschwerde ans BAV ist dann aber verzichtet worden: «Das Risiko, dass in Rotkreuz nicht in die umgeleiteten Züge ein- beziehungsweise ausgestiegen werden könnte, wog zu schwer. Zudem sollte ja nicht der Bau verzögert oder verhindert werden, sondern lediglich der Rückbau.» Doch für die Volkswirtschaftsdirektion gilt, «sich nach wie vor engagiert für baldmögliche definitive Perronverlängerungen in Rotkreuz einzusetzen».

Und das würde sich bei der Perronverlängerung im Zuge der Baumassnahmen für das Projekt Zugersee Ost ja geradezu aufdrängen. In der Postulatsantwort steht dazu: «Es ist aus Gründen der Nachhaltigkeit, der Flexibilität für den Betrieb und für das Angebot weder sinnvoll noch zweckmässig, die Perronverlängerungen bereits nach drei Jahren wieder zurückzubauen und damit eine erhebliche Wertvernichtung in Kauf zu nehmen.» Das Provisorium könnte dann auch durch eine Erhöhung der Perronfläche fit gemacht werden, um die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes zu erfüllen, welche bis 2023 umgesetzt werden müssen.

Die Sache mit dem Angebot

Der Kantonsrat hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit dem Zugangebot in Rotkreuz befasst. Mit dem Aufrechterhalten des Brunner-Postulates will der Kantonsrat laut Bericht zum Vorstoss den Druck auf die SBB aufrechterhalten, damit diese die Kapazitäten auf der Linie Zürich–Zug–Luzern erhöhen. Dies könnte mit dem Einsatz von längeren Zügen geschehen. Nicht neu ist die Forderung, dass in Rotkreuz ein weiterer IR-Zug halten soll. Diese zusätzliche Verbindung wird damit begründet, dass die Frequenzen im Ennetseer Bahnhof weiter zunehmen werden. So wird noch in diesem Jahr die Hochschule Luzern mit ihrem IT-Department nach Rotkreuz zügeln. Das wird zusätzliche Pendler mit sich bringen.

Doch so einfach ist die Einführung eines zusätzlichen Interregio-Haltes in Rotkreuz nicht. In der Postulatsantwort wird dieser Sache viel Raum eingeräumt. Dabei wird immer wieder an «betriebliche Konflikte» erinnert, welche ein solcher Halt in Rotkreuz auslösen würde. Auch mit einem 400 Meter langen Perron sei es nicht getan, denn die verlängerten Züge müssten ja nicht nur in Rotkreuz gut zugänglich sein.

Aber in der Postulatsantwort ist zu lesen: «Eine Kapazitätserhöhung auf der stark frequentierten Bahnlinie Zürich–Zug–Luzern ist unbestritten und dringlich.» Der Bundesrat wird bis 2019 die Ausbauschritte auf dem SBB-Netz bis 2030 verabschieden. Welche Ausbauschritte darin enthalten sein werden, wird im Kanton Zug wohl mit Spannung erwartet.